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Die Zu- und Abflüsse des Arendsees sind trocken

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Von: Jens Heymann

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Die Zießauer Stauanlage ist trocken. Das Wasser steht dort normalerweise bis zur Oberkante der Stautafel.
Die Zießauer Stauanlage ist trocken. Das Wasser steht dort normalerweise bis zur Oberkante der Stautafel. © Heymann, Jens

Das alte Laub des Vorjahres liegt in der Rinne, anderswo rankelt Efeu bis zur Sohle hinunter: Wer die Trockenheit – oder je nach politischer Einstellung den Klimawandel – im Kleinen beobachten will, muss sich lediglich die Zu- und Abflüsse des Arendsees anschauen. Das Wasser lässt sich an vielen Stellen aktuell nur noch erahnen.

Arendsee / Zießau – Knapp 110 000 Hektar Einzugsgebiet bewirtschaftet der Unterhaltungsverband „Jeetze“ aus Salzwedel. Dazu gehört auch das Areal rund um den Arendsee. Vor 2018, dem ersten Jahr der derzeitigen Dürrephase, habe er den Ablauf des Arendsees neben Fischer Kagel bei Zießau noch nie trocken gesehen, meint „Jeetze“-Geschäftsführer Uwe Heinecke. An der Stauanlage lässt sich noch gut der normale Wasserstand sehen –dort, wo die blaue Farbe fehlt und nun nichts als Luft, Erde und Pflanzen sind. Das Wasser des Arendsees kommt nicht mehr bis dorthin. Etwa ein dreiviertel Meter Wasserhöhe fehlt dem See, sagt Fischer Wilfried Kagel.

Wo weniger Wasser ist, passt sich die Natur an. Anstatt Schilf wachsen dort nun Bäume wie Birke und Erle, erklärt Uwe Heinecke. Neue Pflanzen kommen dazu, der Konkurrenzkampf um Ressourcen entbrennt.

Auf der anderen Seeseite, in der Nähe der Festwiese Bleiche, verläuft der Werftgraben. Dieser bringt im Normalfall Wasser von den Flächen um die „Seeadler“-Kreuzung in den See. Davon ist aber nichts zu sehen. Dazwischen gibt es Wald, Grünflächen, Vegetation, sagt Uwe Heinecke. Da bleibt für den See nichts mehr übrig.

Noch deutlicher wird dies an der „Quelle“: Dort gibt es ebenfalls einen Zulauf. Oben, am Rand der Bungalowsiedlung, fließt das Wasser noch. Rund einhundert Meter weiter ist plötzlich alles weg. Komme es mal zu einem richtigen Gewitter, könne es auch schnell wieder anders sein, schätzt der „Jeetze“-Chef ein.

Im April hat er bei einer Veranstaltung zur Anpassung des Landes-Wassergesetzes gesprochen. Das sei mit seinem Fokus auf den Wasserabfluss nicht mehr zeitgemäß; es gehe nun stärker um das Halten der Feuchtigkeit. Auch in anderen Bundesländern, etwa Brandenburg, rücken Maßnahmen gegen die anhaltende Dürre mehr und mehr in den Vordergrund.

Trockene Jahre seien keine leichten Unterhaltungsjahre, bilanziert Uwe Heinecke. Die Gräben müssen trotzdem kontrolliert und unterhalten werden. Aber das Wasser weist ihnen nun nicht mehr den Weg.

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