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Krieg, Preise, Ernte und andere Pflanzen: Die beiden Liestmann-Landwirte schauen aufs Jahr

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Von: Jens Heymann

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Jörg (l.) und Malte Liestmann sind Landwirte aus Dessau.
Jörg (l.) und Malte Liestmann sind Landwirte aus Dessau. Für die AZ schätzten beide die Schwierigkeiten des aktuellen Jahres ein. Und sie erklärten auch, wo sich ein Umdenken im Ackerbau lohnen kann. © Heymann, Jens

Es sei ein ganz schwieriges Jahr, fasst Landwirt Jörg Liestmann aus Dessau das laufende Jahr zusammen. Zu meckern gibt es in der Branche eigentlich immer etwas, aber die Auswirkungen des Kriegs in Osteuropa sind dann auch für die Altmärker etwas Neues.

Dessau – Die Grundstoffe in der Landwirtschaft sind erheblich teurer geworden. Dünger und Diesel zum Beispiel; er wisse nicht, wohin es da geht, erklärt Jörg Liestmann.

Zwar sind auch die Preise für die Feldprodukte gestiegen, aber manche Vorverträge preisen die neuen Entwicklungen auf dem Markt noch nicht ein. Der 59-Jährige nennt Raps als Beispiel. Das sei eben das Risiko. Insgesamt sei das Risiko für Landwirte aufgrund der branchenüblichen Vorinvestitionen in Dünger, Saatgut und Pflanzenschutz gestiegen.

Jörg Liestmann bewirtschaftet rund 400 Hektar Land – etwa bei Dessau, Schrampe, Neulingen und Losse. Dazu kommt ein bisschen Mutterkuhhaltung. Kartoffeln, Zuckerrüben, Raps, Roggen, Weizen und Mais gehören zum Anbauspektrum.

Sohn Malte (25) will in diesem Sommer selbst durchstarten. Er denke dabei auch über Sonnenblumen nach. Der Mangel infolge des Ukraine-Kriegs lässt so manche Pflanze attraktiver erscheinen. Auch Hirse, Erbsen, Soja und Bohnen, sagen die beiden Liestmanns, seien mögliche Ergänzungen auf dem Acker. Die eine Pflanze brauche nicht so viel Wasser, die anderen entsprächen dem sich ändernden Geschmack der Verbraucher – weniger Fleisch, mehr Pflanzliches. Wo sich manch anderer Landwirt gegen Umwälzungen versperrt, haben die Dessauer ein offenes Ohr. An einige Veränderungen haben sie sich längst gewöhnt, wie beispielsweise die immerwährende Bewegung in den Vorschriften der Bürokratie. Bei anderen Dingen gehen sie selbst neue Wege.

So beim geplanten Agri-Photovoltaikpark bei Neulingen. Ihr Boden dort sei sandig; vernünftige Erträge nur mit großem Aufwand zu erzielen, erzählen Jörg und Malte Liestmann. Die Energieerzeugung sei eine Alternative für solche Flächen.

Beiden Landwirten ist klar, dass konventionelle Landwirtschaft mit den teils sehr großen Maschinen zwischen den Solarplatten nicht optimal funktioniert. Sie denken eher an Sonderkulturen – Obst und Gemüse. Wie gesagt: Manchmal ist ein Umdenken notwendig.

Eine Ernteprognose für dieses Jahr will Jörg Liestmann nicht wagen. Bei Getreide und Raps sehe es ganz gut aus, aber noch sei nichts geerntet. Auch bei den Kartoffeln habe es einen guten Start gegeben. Um Dessau herum gebe es für altmärkische Verhältnisse ganz gute Böden, ergänzt Malte Liestmann.

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