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„Die Altmark ist meine Hölle“ – „BesteTikTokMami“ durchlebt nach eigener Aussage schwierige Zeit in Zühlen

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Von: Jens Heymann

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Renate Spörl und der tote Vogel, der vor einigen Tagen auf ihrem Auto zerschlagen worden sei.
Renate Spörl und der tote Vogel, der vor einigen Tagen auf ihrem Auto zerschlagen worden sei. Sie fühle sich in Zühlen nicht mehr wohl, sagt sie zur AZ. © Heymann, Jens

Nun reiche es ihr, sagt Renate „Rena“ Spörl am Telefon zur AZ. Sie habe in Zühlen schon einiges erlebt, aber der Vogel, der auf ihrem Auto zerquetscht worden sei, wäre nun zu viel.

Zühlen – Blutspritzer bedecken Windschutzscheibe und Motorhaube ihres Fahrzeugs; den Vogel hat sie in Papier eingerollt. Die Polizei ist am Dienstagnachmittag bei ihr gewesen und hat nach Auskunft aus dem Salzwedeler Revier eine Anzeige wegen Sachbeschädigung an ihrem Kfz aufgenommen.

Die 62-Jährige fühlt sich in dem kleinen Arendseer Ortsteil nicht mehr wohl. „Die Altmark ist meine Hölle“, sagt sie gegenüber der AZ. Der Vorfall mit dem Vogel zur Halloween-Zeit sei für sie beileibe kein Spaß.

Ursprünglich kommt Rena, wie sie genannt werden möchte, aus Nürnberg; der fränkische Dialekt ist deutlich hörbar. Über Haldensleben kam sie in die Altmark und lebte bereits in einigen Orten der Region.

Ein paar Katzen und Hunde streunen durchs Wohnzimmer. Mit Belinda Panunzio, eine Hessin, hat sie nach eigener Angabe ein Pflegekind. In Zühlen habe sie einiges aushalten müssen, erzählt sie bei einem Kaffee. Böller seien ihr vor die Tür ihrer Mietwohnung geworfen worden; Unbekannte hätten ihr Auto angemalt.

Niemand würde ihr ins Gesicht sagen, welche Probleme es gebe. Stattdessen werde hinter ihrem Rücken gelästert. Da ist es leicht zu glauben, dass die Beziehung zu manchem Nachbarn nicht die beste sein muss. Rena ist geradeheraus: Sie vermutet, die Leute hassen sie.

„Wir wollen weg“, meint sie. Nur wohin? Die AZ schlägt vor, kleinere Orte künftig zu meiden und bringt die Kreisstadt Salzwedel ins Spiel. Vielleicht wäre ja eine anonyme Umgebung besser. Sie wolle aber in keinem Block wohnen, zeigt sich Rena wenig begeistert.

Was viele wahrscheinlich nicht wissen: Im Internet, genauer gesagt beim Videoportal TikTok, ist Renate Spörl sehr aktiv und erreicht mit ihrem Kanal „BesteTikTokMami“ knapp 29 000 Abonnenten. Im Netz scheint die Zustimmung deutlich höher zu sein als in der altmärkischen Provinz. 1,1 Millionen Likes, in etwa gleichzusetzen mit positiven Bewertungen, hat sie gesammelt. Eine Zahl, auf die die 62-Jährige stolz ist.

Wobei: Auch in den Weiten des Internets geht es hin und her; es gibt gute und schlechte Reaktionen, Zustimmung und Ablehnung. Der AZ spielt die „beste TikTok-Mami“ beispielhaft ein kürzliches Schmähvideo gegen sie vor. Eine eigene Welt, die aber wohl nichts mit der Altmark, dem toten Vogel und den Blutspritzern auf dem Auto zu tun hat.

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