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„Wasser-Räuber“ aus dem Wendland?

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Von: Detlef Güssefeld

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Ein Bootsanleger ohne Wasser.
Blick vom Zießauer Anleger auf den See: Die Seebrücke liegt fast vollständig auf dem Trockenen. © Harry Güssefeld

Rein wissenschaftliche Erklärungen für den Grundwasserschwund in der Altmark reichen nicht aus. Nachdem im Sommer im Altmarkkkreis die Wasserentnahme aus offenen Gräben und Flüssen drastisch reglementiert wurde, aber im Nachbar-Landkreis Lüchow-Dannenberg die Wasserentnahme vor allem für die Bewässerung nie reduziert wurde, scheint dieses Problem auch auf politischer Ebene angekommen zu sein. Sogar im Fernsehen war zu sehen, dass zwar vor den Kameras Vertreter der beiden Landkreise Gesprächsbereitschaft signalisierten. Aber ob die Nachbarn im Westen tatsächlich ihre Bauern anweisen, den Wasserverbrauch zu senken, daran glaubt so richtig niemand. „Wer sich mit den Bauern anlegt, bekommt an der Wahlurne die Quittung“, so Arendsees Stadtrat Jens Reichardt.

Durch eine Fensterscheibe ist ein auf dem Trockenen liegendes Segelboot erkennbar.
Aus dem Führerhaus der „Queen Arendsee“ ist das fehlende Wasser im See deutlich sichtbar. © Harry Güssefeld

Arendsee – Das Prinzip funktioniere im Westen noch. Aber seine Betrachtungen konzentrieren sich auch auf das Verhalten in der Region Arendsee. „Die Millionen Liter Trinkwasser, die jährlich verbraucht werden und über das Abwasser nach Thielbeer gelangen, werden dort geklärt und in einen Vorfluter wieder entlassen“, erklärt Reichardt. Verfolgt man den Weg des Wassers, landet man in Lüchow-Dannenberg. „Das Wasser bekommt keine Chance, hier in der Region zu bleiben“, macht er deutlich. Das zu organisieren sei eine der wichtigsten Aufgaben. Fakt ist: Die natürlichen Gräben und Flüsse fließen immer in den Norden. Die Folgen sind dramatisch: Sichtbar wird das unter anderem an dem Wasserstand des Sees, der nun gut einen Meter niedriger steht als unter normalen Verhältnissen. Der Verlust des Grundwassers macht der Landwirtschaft zu schaffen, die Bürger werden reglementiert. Die Politik fordert ein Haushalten mit dem wichtigen Nass. Doch mehr als Mahnungen gibt es nicht. Eingreifen in den Wasserverbrauch der Haushalte sei notwendig: Je nach Anzahl der Bewohner könnte eine jährliche Verbrauchs-Obergrenze festgelegt werden. Damit ist ein Anreiz geschaffen, diesen Wert nicht zu übersteigen. Wer es dennoch tut, könnte für den Kubikmeter Trinkwasser viel stärker zur Kasse gebeten werden. Doch das sind Ideen, die einmal formuliert wurden und dann in der Versenkung verschwanden, so Reichardt.

Arendsees Bürgermeister Norman Klebe (CDU) hat nun reagiert und sich mit einem Schreiben an Land und Kreis gewandt, in dem er um Hilfe in der Angelegenheit bittet. Sinngemäß etwa, dass in der Altmark strikte Regularien über die Wasserentnahme herrschen und anderswo Wasser scheinbar nach Belieben entnommen werde. Eine Antwort aus Magdeburg liegt vor: In einem Schreiben aus der Staatskanzlei heißt es, dass die Situation mit Sorge betrachtet wird. Man gehe davon aus, dass der Grundwasserspiegel rund 70 Zentimeter tiefer liege als normal. Eine Aussage darüber, dass das Verhalten der Niedersachsen für den niedrigen Wasserstand auch im See verantwortlich ist, gab es aber nicht. Aber man werde sich für ein länderübergreifendes Grundwasserströmungsmodell stark machen, heißt es weiter in dem Schreiben. Ungeachtet dessen kommt auf niedersächsischer Seite Bewegung in die Sache, denn nun soll das Wassermanagement im Wendland deutlich schärfer reguliert werden, um der Versteppung des Landkreises entgegenzuwirken. Vor Veröffentlichung eines neuen Erlasses Anfang 2023 sollen die Behörden zudem keine neuen Genehmigungen für die Wasserentnahme in dem kritischen Bereich mehr erteilen. Ob das durchgesetzt werden kann, oder ob sich sich die Betroffenen Wasserentnehmer auf das Wasserrecht berufen können, bleibt fraglich. Sich ist aber, dass es in einem erneuten heißen Sommer wieder Verbote der Wasserentnahme in der Altmark geben wird. Da ist sich Arendsees Bürgermeister mehr als sicher. Der These, dass Niedersachsen der Altmark das Wasser stiehlt, will er sich aber auf keinen Fall anschließen. Dazu fehlten die fachlichen Untersuchungsergebnisse.

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