Nagel-Brief gefunden / 17 Tage vor seinem Tod in Uchtspringe geschrieben

„... dann braucht man nur di hände zu falten“

Als Appell, demütig und gottesfürchtig zu sein, könnte der Brief verstanden werden, den Nagel am 29. Januar 1952 in der Nervenheilanstalt Uchtspringe schrieb. Der Adressat ist unkenntlich gemacht. Der Brief wurde in einem Nachlass bei Uchtspringe gefunden.

Arendsee. Große Freude beim Förderverein Kloster Arendsee: Johann Albrecht Müller präsentierte gestern einen Original Nagel-Brief, den der Arendseer Wanderprediger und Naturapostel am 29. Januar 1952, also gut zwei Wochen vor seinem Tode am 15.

Februar, in der Nervenheilanstalt Uchtspringe geschrieben hat. Der Adressat des Briefes, der mit dem Titel „das gute gewissen“ überschrieben ist, ist ausgekratzt worden. Auch auf dem Briefumschlag ist der Empfänger unkenntlich gemacht worden. Der Brief wurde vom Ehepaar Pramme aus Altbrandsleben bei Oschersleben an den Förderverein übergeben. Barbara Pramme hatte das Schriftstück im Nachlass ihres Großvaters in Börgitz gefunden. Der Großvater hatte als Pfleger in Uchtspringe gearbeitet. Wer der Adressat ist und wie er nach Börgitz gekommen war, ist so aber nicht mehr nachvollziebar.

Der Brief ist vier Seiten lang und vom Inhalt her ein zumeist religiöses Schreiben. Lebensweisheiten wie „... darum ist ein gut gewissen auch ein sanftes ruhekissen“ sind zu lesen – es scheint, so Johann Albrecht Müller, dass Nagel mit dem Brief einen Aufruf an die Nachwelt sandte, und seine Treue zu Gott und dem deutschen Vaterland, mit „...drum lasst euch läutern hir, gehorsam gottes kinder werden“, unterstrich.

Nagelforscherin Christine Meyer nahm bereits am Mittwoch den Brief unter die Lupe und bescheinigte dem Verein die Echtheit. „Es besteht kein Zweifel, dass der Brief handschriftlich von Nagel stammt“, freut sich Müller – auch darüber, dass dem Brief ein Bild beilag, das Nagel im hohen Alter zeigt. Eine genaues Datum des Bildes mit dem am Tisch sitzenden Nagel kann nicht angeben werden. Die Schriftweise im Brief ist die typische Nagel-Schreibweise. Fast alles klein, geschrieben wie gesprochen.

Das kostenlos übergebene Dokument des großen Arendsees Sohnes wird in der Museumsecke, die extra für Gustav Nagel eingerichtet wurde, einen Platz finden.

Nagel war am 15. Februar 1952 in Uchtspringe gestorben und Tage später auf dem städtischen Friedhof in Arendsee beigesetzt worden. Hunderte gaben dem Arendseer, der zu Kaiser- und Hitler-Zeiten sowie auch in der DDR umstritten war, das letzte Geleit. Neben dem Grab gibt es eine Schautafel mit Informationen.

Von Harry Güssefeld

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