Sehnsucht nach positivem Stress

Im KiEZ Arendsee wird geplant, verworfen – und weiter gehofft

Kirsten Hohmeyer vor dem Plan.
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Kirsten Hohmeyer vor dem Plan. Immer wieder muss geändert werden.

Dort, wo ansonsten über 500 Kinder toben und laute Musik aus den Lautsprechern dröhnt, ist fast Totenstille. Wie ein Kulturdenkmal präsentiert sich derzeit das KiEZ in Arendsee dem Betrachter.

Arendsee (von Harry Güssefeld) – Traurig alles. Doch das kann sich Geschäftsführerin Kirsten Hohmeyer nicht leisten, traurig zu sein. Sie hat enorme Verantwortung. Für ein neun Hektar großes Gelände, aber mehr noch für insgesamt 21 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. „Sie bei der Stange zu halten, ihnen zu sagen, dass sie mit mir wieder durchstarten können, wenn es erlaubt ist, das ist wichtig“, so Kirsten Hohmeyer. Und sie erzählt auch, dass sie ihren Leuten in Kurzarbeit ans Herz legt, etwas für sich zu tun. „Sie können diese Zeit nutzen, sich Zähne machen zu lassen oder ein neues Knie. Aber sie sollen fit sein, wenn wir uns alle wieder brauchen“, sagt die Chefin und schmunzelt etwas dabei. Man weiß aber genau, wie sie es meint.

Vor dem großen Plan, an dem die Durchgänge von Kindern und auch Erwachsenen üblicherweise vermerkt sind, muss immer wieder etwas verändert werden. „Wir hatten geplante Durchgänge auf dieses Frühjahr gelegt. Alles Makulatur“, heißt es. Aber dennoch melden sich Gruppen an – doch bis Ende des Schuljahres, das ist Mitte Juli, sind Klassenfahrten in Sachsen-Anhalt nicht erlaubt.

Die Situation ist mehr als bescheiden. „Wir wissen nicht, wann und welche Veränderungen es gibt. Wir stehen in den Startlöchern, und haben dadurch natürlich auch erheblichen Aufwand“, sagt Kirsten Hohmeyer. Man könne niemandem sagen, dass man derzeit keine Anmeldungen annimmt, weil nichts erlaubt sei. „Das versteht sich allein aus der Konkurrenzsituation. Kunden, die gern zu uns wollen, gehen dann woanders hin, wenn wir sie nicht berücksichtigen. Es ist wie eine Gleichung mit mehreren Unbekannten“, so die Chefin.

Ja, es gibt diese finanzielle Unterstützung. Wichtiges lasse sich damit bezahlen und wenn diese Zeit vorbei ist, könne man sagen, man sei mit dem blauen Auge davongekommen. Doch der Ehrgeiz ist da, das größte Erholungszentrum weit und breit am Leben zu halten. Nach der Wende sind viele Millionen in das Objekt geflossen. Auch dank der ständigen Bemühungen – aus dem alten Betriebsferienlager „Maurice Thorez“ ist eine moderne Erholungsstätte geworden. Mit 300 Ganzjahresplätzen.

Doch mit einem Problem kämpfen die Macher im KiEZ auch weiterhin – und das ist nicht unbedingt coronabedingt. Der Internetanschluss mit 16 Mbit/s reicht nicht mehr aus, den Erfordernissen einer modernen Einrichtung zu entsprechen. „Wir haben ein Angebot im November, eine Firma möchte ein Seminar durchführen, mit wenigen Teilnehmern. Und die übrigen, die vielleicht ohne Corona gekommen wären, möchten das alles von zu Hause verfolgen“, erzählt Kirsten Hohmeyer. Sie ist etwas geknickt, weil ihre Einrichtung nicht von der Breitbandinitiative profitieren kann. „Die Telekom ist unsere Hoffnung. Wir haben die Information bekommen, ein Glasfaserkabel von der Lindenstraße legen zu lassen. Aber auf unsere Kosten“, erfährt die AZ. Derzeit sei das aber nicht zu stemmen – und angesichts der weiter voranschreitenden Digitalisierung und der Wünsche der Kunden komme man schon ins Schwimmen. Aber Kirsten Hohmeyer will kämpfen, wie einst ihre Mutter Irmela Spöttle. Durch Beharrlichkeit wolle man ans Ziel kommen.

Es gibt noch eine Tasse Kaffee. Das Gespräch in ruhiger Atmosphäre war nur möglich, weil die ansonsten übliche Geschäftigkeit ausbleibt. Gern würde Kirsten Hohmeyer wieder in den positiven Stress wechseln und gegen Ungewissheit und Nachdenken tauschen. „Aber es wird. Ich weiß es“, sagt sie.

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