Gewerbegebiet bleibt außen vor

Breitband und Irritatione:n Arendsees Stadtrat beklagt Wirrwarr

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Mit Breitband wird geworben – aber nicht alle profitieren davon.

Arendsee – Die Telekom baue das Breitbandangebot in der Seestadt aus. So hieß es kurz vor Weihnachten im Arendseer Rathaus (wir berichteten). Verschiedene Orte sollen davon profitieren, manche, wie Zießau aber nicht.

„Was sich für viele Internetnutzer in Arendsee gut anhört, blieb im Bauausschuss vor Weihnachten nicht ohne Kritik“, so Stadtrat Jens Reichardt. Wie ein Schildbürgerstreich, bezeichnete Reichardt das Vorhaben der Telekom, die ihre „abgeschriebene Infrastruktur nur ertüchtigt und damit einen echten zukunftsfähigen Breitbandausbau über den Zweckverband behindert“, machte er deutlich. Und stand damit kontrovers zur Meinung des Bürgermeisters Norman Klebe, der die Initiative der Telekom als „Glück für Arendsee“ betitelt hatte.

„Das Netz der Telekom wird bei der absehbaren technischen Weiterentwicklung trotz der Ertüchtigung in wenigen Jahren völlig überholt sein“, sagte Reichardt der AZ. Es wäre sinnvoll, wenn alle Anbieter, also auch die Telekom, mit dem Zweckverband an einem Strang ziehen würden, also unter einen Hut gebracht werden. Vor allem müsse eine Erschließung für jeweils den gesamten Ortsteil und dann die gesamte Gemeinde in gleicher Qualität erfolgen. Denn wie bekannt ist, spricht der Zweckverband Breitband Altmark von weißen und schwarzen Flecken. Von Regionen, in denen der ZBA aktiv werde und in welchen nicht. Was Reichardt ebenfalls aufstößt, ist, dass die Erschließung des Gewerbegebietes nicht geplant sei. „Unternehmer im Arendseer Gewerbegebiet werden weiter auf schnelles Internet warten oder selbst aktiv werden müssen. Da die Telekom das Gewerbegebiet nicht erschließen will, ist eine Alternative über die Avacon Connect GmbH im Gespräch, wie die AZ auch von betroffenen Gewerbetreibenden erfuhr. Diese Alternative kostet aber 7000 Euro einmalige Anschlussgebühr und monatlich 299 Euro für einen 250 M-Bit- oder 499 Euro für einen 500 M-Bit-Anschluss. Dafür müssen sich mindestens fünf Interessenten im Gewerbegebiet finden. Kommen neun oder mehr Interessenten zusammen, wird der Anschluss billiger. Dann sind es einmalig 3.500 Euro, der monatliche Preis würde dann aber gleich bleiben. „Damit hängen wir die Region endgültig ab“, so Reichardt, „mit den vollmundigen Versprechungen zur Breitbanderschließung werden die Menschen im ländlichen Raum nur veralbert. Nur heiße Luft von den Politikern in Bund und Land.“ Jedermann tummele sich auf dem Markt, versuche die Menschen für sich einzunehmen und bringe sie damit nur in Unruhe.

Deutschland gehört zu den Entwicklungsländern in Sachen Internet, so die Kritiker. „Es fehlt eine klare Linie. Entscheidungen, die uns weiterbringen“, so Reichardt.

VON HARRY GÜSSEFELD

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