Fischer Wilfried Kagel gießt mit der rot-braunen Brühe sein „Topfhausen“

Blutburgunder-Alge sorgt für Freude bei Touristen

+
Fischer und Hobbygärtner Wilfried Kagel pflegt sein Topfhausen und gießt die Blumen mit Blutburgunder-Alge.

Arendsee. Fast unbeachtet von den Anwohnern und Gästen hat der Arendsee bereits seine erste schwere Prüfung des Jahres überstanden. Die Blutburgunder-Alge sorgte für trübes Wasser, braun sah das Wasser aus. Das war vor gut vier Wochen.

Einer, dem es nicht entgangen ist, ist der Fischer Wilfried Kagel. Die Alge verschmutzte seine Maränennetze. „Das ist so, als wenn man Mehl und Blut zusammenrührt, so klebt das an den Netzen und macht sie zeitweise unbrauchbar“, so der Fischer. Doch der Seekenner sichert sich mit dem Auftreten der Blutburgunder-Alge, die ansonsten die Tourismuswirtschaft in Arendsee zum Kollabieren bringen kann, einen Vorteil. Wie das geht? Kagel nimmt die verschmutzten Netze und wäscht sie aus, zurück bleibt diese braune Brühe. Noch etwas mit Wasser versetzt, düngt er damit seine Pflanzen auf dem Hof. In seinem „Topfhausen“ wachsen und blühen vor allem Hostas oder auch Funkien. Ganz stolz präsentierte Kagel gestern die Blumenpracht. „Die Alge ist der beste Dünger, den ich mir vorstellen kann. Er ist organisch, aus Eiweiß und natürlich Phosphor“, erklärt der Hobbygärtner. Er sei einfach zu gewinnen und schone seinen Geldbeutel, hieß es. Und dass er aus einer Hosta nun mittlerweile fast 40 Töpfe werden ließ – die Anfangsinvestition lag bei 3,99 D-Mark – macht ihn noch stolzer. Touristen erfreuen sich an den Blumen und erschrecken, wenn der Fischer erzählt, dass sie nur so gut gedeihen, weil sie mit Blutburgunder-Algen gedüngt werden.

Bei ihm sei übrigens immer Tag der offenen Gärten. „Ich verkaufe keine dieser Pflanzen“, macht Kagel deutlich. Auch deshalb nicht, weil er dafür Mehrwertsteuer abrechnen müsste. Und weil die Verantwortlichen, die derzeit die Macht haben, nicht ordentlich mit den Steuergeldern umgehen, will er auch keine Blumen verkaufen. So einfach sei das.

Die Blumen sind gut für die Seele, meint der Hobbygärtner. Zwar sei das auch alles mit Arbeit verbunden, aber „Arbeit ist mein Hobby“, erfuhr die AZ von dem Mann, der während des Gesprächs mit der AZ die Maränen aus den Netzen drückt.

„Ich will Dir einfach mal sagen, dass wir nicht in allen Dingen immer überreagieren sollten“, so der Fischer, „die Blutburgunder-Alge war wieder da, fast unbeachtet, weil es zu kalt war und niemand baden wollte.“ Gestern war die Sichttiefe schon wieder fast normal. „Es ist eben ein Kommen und Gehen“, philosophiert Wilfried Kagel wie gewohnt.

Von Harry Güssefeld

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare