Bessere Preise, aber Qualitätseinbußen

Rolf Lehmann zur Ernte in diesem Jahr 2021

Porträt Mann
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Rolf Lehmann berichtet über die Ernte.
  • VonArno Zähringer
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Die Ankaufspreise für Getreide und Raps liegen 2021 zwar deutlich über dem Niveau der Vorjahre, doch Rolf Lehmann, seines Zeichens Geschäftsführer der Landwirtschaftsgesellschaft (LGA) Arendsee, ist nur bedingt optimistisch.

Herr Lehmann, wie bewerten Sie die Qualität der diesjährigen Ernte?
Die bisher abgerechneten Getreidelieferungen weisen erhebliche Qualitätsmängel auf. Bei Gerste führt ein hoher Anteil Kleinkorn zu niedrigen Hektolitergewichten. Beim Weizen ist der für Brot- oder Qualitätsweizen notwendige Rohproteingehalt nicht und das Hektolitergewicht nur knapp erreicht worden. Beim Roggen ist ebenfalls ein extrem hoher Kleinkornanteil zu verzeichnen. Die Rapsernte ergab gute Ölgehalte, allerdings auf Einzelschlägen auch hohen Fremdbesatz durch Unkrautsamen.
Wie stark hat mangelnder Regen die Ernte in diesem Jahr beeinflusst?
Es gab im Mai ausreichend Regen. Die zweiwöchige Hitzeperiode Anfang Juni hat die Bestände von der Ähre her vertrocknen lassen, sodass die zwar vorhandenen Körner verkümmert sind. Der nach den Dürrejahren nicht wieder aufgefüllte Grundwasserstand macht sich noch bemerkbar.
Welche Getreide sind inzwischen geerntet worden
Die Winter- und Sommergerste ist ja inzwischen bereits vollständig geerntet. Bei Wintertriticale befinden wir uns auf der Zielgerade. Es sind in unserem Betrieb aber noch 30 Prozent der Weizenfläche und noch 50 Prozent des Roggens zu ernten.
In welchen Bereichen sieht es nicht so gut aus?
Die auf fast 100 Hektar abgebauten Futtererbsen sind stark verunkrautet und werden nur schwer oder gar nicht zu ernten sein.
Stichwort Preise: Wie ist die Entwicklung im Vergleich zu den Vorjahren?
Die vom Landhandel zurzeit gebotenen Ankaufspreise für Getreide und insbesondere für Raps liegen deutlich über dem Niveau der Vorjahre. Da zunächst bereits im Winter und Frühjahr abgeschlossene Kontrakte – allerdings zu geringeren Preisen – beliefert werden, können die Landwirte nur begrenzte Mengen zu den aktuell hohen Preisen verkaufen. Zudem führen die genannten Qualitätsprobleme zu deutlichen Preisabzügen.
Wie viel Hektar Land bewirtschaftet die Landwirtschaftsgesellschaft, wo liegen die Schwerpunkte?
Unser Betrieb bewirtschaftet aktuell 1545 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Davon sind 507 Hektar Grünland. Auf den Ackerflächen – circa. 200 Einzelschläge – wurden auf 875 Hektar Feldkulturen zum Verkauf angebaut wie Roggen, Triticale, Gerste, Raps, Erbsen, Weizen, Mais, Zuckerrüben, Lupinen. Die restlichen 163 Hektar Acker teilen sich auf in ökologische Vorrangflächen – davon sind 52 Hektar als Pflicht und weitere freiwillig – sowie aktiv angelegte Grünbrachen, Wildäsungs- oder Blühflächen sowie Gewässerschonstreifen.
Wie bewerten Sie die angelegte Bienenweide und welche Ziele werden damit verfolgt?
Die von uns seit einigen Jahren an verschiedenen Stellen angelegten Blühflächen haben verschiedene Funktionen. Mit den örtlichen Jägern wurde ein Teil der Flächen als Wildäsung mit einer Saatmischung des Landesjagdverbandes bestellt und bleibt über Winter erhalten. Für weitere Flächen konnten wir Blühpflanzensaatgut einsetzen, das uns durch Pflanzenschutzmittelhersteller zur Verfügung gestellt wurde. Wir wählen dafür insbesondere Flächenabschnitte aus, die wegen ihres Zuschnitts oder der Umgebung sowieso nur eingeschränkt genutzt werden könnten. Zum Beispiel wegen Abstandsauflagen bei der Düngung und dem Pflanzenschutz an Gewässern oder stark frequentierten Rad- und Fußwegen. Eine zusätzliche Förderung beantragen wir hierfür allerdings nicht, um auch weiterhin flexibel agieren zu können.

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