Verkauf des Areals am Arendsee

Waldheim: Zuschlag an Investorengruppe aus der Einheitsgemeinde

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Die Ruinen des Waldheim werden samt Grundstück verkauft. Das Hauptgebäude (l.) wurde 1928 als „Stahlhelm Erholungsheim“ eröffnet, Träger war der Altmärkische Heimstätten-Verein Stendal.

Arendsee. Den Zuschlag für das „Waldheim“ hat eine Investorengruppe aus der Einheitsgemeinde Arendsee /Fleetmark erhalten. Nach AZ-Recherchen handelt es sich um die Unternehmer Pawlas und Stehr, die bereits im Oktober gegenüber der AZ Interesse bekundet hatten.

Somit wird das Feriendomizil bald nicht mehr im Besitz der Einheitsgemeinde sein. 

Der Stadtrat hatte am Montag nichtöffentlich entschieden, welcher der fünf Bewerber das 28 492 Quadratmeter große Grundstück bekommen soll. Das bestätigte Bürgermeister Norman Klebe gestern auf Nachfrage der AZ. Wer den Zuschlag erhalten hat, hatte Klebe nach Festlegung des Stadtrates nicht gesagt. Auch über den Kaufpreis wurde Stillschweigen bewahrt. Genauso wie über die Frage, mit welchem Konzept sich der Kaufinteressent durchsetzen konnte und was künftig mit dem Areal passiert – doch die AZ hatte im Vorfeld mit der Investorengruppe gesprochen. Diese möchte eine touristische Nutzung der Fläche, so hieß es im Oktober. Die Öffentlichkeit soll aber erst im März informiert werden, sagte gestern Bürgermeister Klebe.

Es folgt ein Notartermin, danach werde das Grundbuchamt tätig, erklärte Klebe. Die Stadt hatte dem künftigen Käufer Auflagen erteilt. In der Ausschreibung auf der Arendseer Internetseite hieß es unter anderem: „Mit dem Gebot soll ein Nutzungskonzept eingereicht werden. Der Erwerber verpflichtet sich außerdem zum Abriss der Gebäude und Beräumung des Grundstücks, gegebenenfalls zur Sanierung der Baulichkeiten, innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren ab Kaufdatum.“ Das heißt: Spätestens 2020 müsste der Schandfleck verschwunden sein.

Die Objekte stehen seit Jahrzehnten leer und wurden zu Ruinen. Es hat dort gebrannt, Unbekannte randalierten immer wieder und warfen Müll auf das Grundstück. „Das Waldheim hat der Stadt kein Glück gebracht“, resümierte der Bürgermeister gestern. Er sei froh, dass sich etwas bewege. Denn es könne nur besser werden: Vor Jahren wohnte ein potentieller Käufer auf dem Areal, der Geld aus den USA versprach, welches in Arendsee nie ankam. Für ein anderes Konzept wurden am Seehang Bäume gefällt, doch auch dieses Projekt wurde zur unerfüllten Idee.

Ausschreibung stößt in der Kommunalpolitik auf Kritik

Bevor der Verkauf des Waldheims im nichtöffentlichen Teil des Stadtrates mehrheitlich beschlossen wurde, bezog Thomas Schlicke Stellung. Er begründete sein frühes Verlassen der Sitzung im November mit den Entwicklungen rund ums Waldheim. Seiner Ansicht nach habe es bei einer Sitzung der Fraktionsvorsitzenden die Absprache gegeben, dass zunächst ein Expose erstellt wird, bevor die eigentliche Ausschreibung auf den Weg gebracht wird. Diese lief vier Wochen bis zum 30. Dezember. Dies sei, so Schlicke, zu kurz gewesen, um ein schlüssiges Konzept zu erarbeiten. 

Uwe Walter, ebenfalls Fraktionsvorsitzender, nahm zu den Vorwürfen Stellung. Er habe den Eindruck, dass er und Thomas Schlicke auf verschiedenenen Sitzungen waren. Auch Stadtratsvorsitzender Dieter Bolle erklärte: Die Ausschreibung wäre so gelaufen, wie vorher besprochen. 

Thomas Schlicke wiederum verwies auf einen früheren Stadtratbeschluss, der etwas anderes aussage und brach eine Grundsatzdiskussion vom Zaun. Dabei ging es nicht mehr unmittelbar ums Waldheim, sondern um die Frage, ob die Kommunalpolitiker immer zum Wohle der Stadt handeln. Der Arendseer ist der Ansicht: Dies sei bei einigen touristisch geprägten Entscheidungen 2016 nicht immer der Fall gewesen. Auch die Frage, ob die Abgeordneten immer vorbereitet zu den Sitzungen erscheinen, spielte ein Rolle. 

Stadtrat Hartmut Baier kann solche Aussagen nicht nachvollziehen. Nach einem weiteren verbalen Abschlag, der sich darum drehte, wer, wann, was gesagt haben soll, ging es am Montag wieder konstruktiver zu. Und: Es könnte künftig bei Sitzungen der Fraktionsvorsitzenden ein Protokoll geben, um mögliche Missverständnisse zu vermeiden. 

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurden dann in Sachen Waldheim Fakten geschaffen. Bürgermeister Norman Klebe zeigte sich gestern erleichtert, dass dieser „Brocken“ wohl bald nicht mehr auf den Schultern der Gemeinde ruht. Das Gelände wurde nicht immer als Last empfunden.

1928 eingeweiht, entwickelte es sich immer mehr zum touristischen Zentrum der Region. Zu Spitzenzeiten erholten sich dort bis zu 8 000 Urlauber pro Jahr, 80 Mitarbeiter waren beschäftigt. Im August 1994 war endgültig Schluss, die Gebäude verfielen. Verkaufsversuche, wie zum Beispiel an eine große Bank, die daraus ein Schulungsgebäude machen wollte, scheiterten. Der Stadt gelang es jahrzehntelang nicht, das Grundstück direkt am Arendsee zu vermarkten.

Von Christian Ziems und Harry Güssefeld

Die Ruine: Waldheim Arendsee

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