1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Arendsee

Auch das letzte Gefecht verloren: Abriss der Seetribüne von Arendsee

Erstellt:

Von: Detlef Güssefeld

Kommentare

Im Sonnenuntergang brennen auf einer treppenartigen Seetribüne verschiedenfarbige bengalische Lichter.
Ein Feuerwerk auf der Seetribüne – solch eindrucksvolle Szenen werden die Arendseer so wohl nie wieder erleben. Dieses Bild wird bald im Heimatmuseum an das umstrittene und verkannte Bauwerk erinnern. © Harry Güssefeld

Er wollte sie noch einmal ansprechen: Die Seetribüne, für die eigentlich schon die letzte Stunde geschlagen hat. Stadtrat Bernd Jagodzinski (Die Linke) hätte sie, auf Nachfrage der AZ, gern erhalten. Doch während der Bauausschusssitzung am Dienstag in Arendsee musste er feststellen, dass es nicht mehr um das Suchen nach Lösungen für den Erhalt der Tribüne geht, sondern um offene Ablehnung eines Bauwerkes, das vor gut 14 Jahren für über 900 000 Euro gebaut wurde.

Arendsee – Vermeintliche Baufehler, von Jagodzinski angesprochen, wurden von der Verwaltung nicht gesehen. Zum damaligen Zeitpunkt sei die Bauweise entsprechend den Vorgaben erfolgt, hieß es. Ob man es heute wieder so machen würde, so Bauamtsleiterin Jasmin Scheffler, sei fraglich. Der Baufachmann Jagodzinski hatte die Holzverbíndungen kritisiert, die im Zusammenspiel mit Wasser so nicht überleben konnten. Dass es bislang keinen Gutachter gab, der die Brücke in Augenschein nimmt, wurde zur Kenntnis genommen. Allein der Projektant und der damalige Erbauer der Tribüne hätten Aussagen dazu gemacht. „Wir brauchen aber auch kein Gutachten, was uns sagt, dass die Tribüne kaputt ist. Das wissen wir“, so Stadtrat Jens Reichardt. Er hatte am Dienstag beim Bürgermeister Norman Klebe noch einmal nachgefragt und erfahren, dass der Abbau der Tribüne recht bald und die Errichtung der geplanten Plattform nach einer Ausschreibung erfolgen könne. „Im Frühjahr“, lautete die Antwort der Verwaltung.

Zuvor hatte Stadtrat Uwe Walter den touristischen Wert der Tribüne in Frage gestellt. „Was nützt es uns, wenn man uns sagen würde, wir könnten die Tribüne für 80 000 oder 100 000 Euro sanieren?“, fragte er. Und begründete seine Meinung mit dem verschwundenen Wasser. Von dem er glaubt, dass es nie wieder kommt. Dann würde das Bauwerk irgendwann ganz auf Land stehen. Dass die Plattform, auf der eine gastronomische Einrichtung entstehen könnte, auch nicht mehr über dem Wasser stehen würde und somit einen Teil der Attraktivität schon vor dem Bau einbüßen würde, wurde am Dienstag nicht weiter kommentiert. Klar ist, dass Bernd Jagodzinski ein letztes Mal die Tribüne ins Feld führte – wohl wissend, dass der Ausgang für ihn nicht positiv ist. Denn Arendsees Stadtparlament hatte, sozusagen als letzte Instanz, bereits vor Monaten mehrheitlich für den Abriss des Holzbauwerkes gestimmt. Das war am Dienstag jedoch wohl noch einmal kurz verdrängt worden.

Auch interessant

Kommentare