August landet nicht im Topf

Arendsees bedeutendster Hahn humpelt nicht mehr und darf weiterleben

Hahn August in seinem Gehege.
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Darf leben: Hahn August in seinem Gehege ist weiter Herr im Haus. Foto: Güssefeld
  • Detlef Güssefeld
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Arendsee – Der wohl bedeutendste Hahn Arendsees, der August von der Alten Poststraße, sollte dieses Weihnachten eigentlich nicht mehr erleben. Im Sommer war es, als dessen Besitzer Wolfgang Schmidt erklärt hatte, August in den Topf zu stecken, weil er unheilbar krank sei.

August hatte sich, so berichtete die AZ, bei einem Kampf mit dem Zwerghahn so dermaßen am Fuß verletzt, dass der Schwedische Blumenhahn, einst stolz und Hahn im Korb, humpelnd durchs Gehege hüpfte. Er hatte sich eine Spore verletzt, es musste auch sehr weh getan haben.

Wolfgang Schmidt hatte sich im August 2018 – Hahn August war am 1. August durch eine Taube ausgebrütet worden – dazu entschieden, den Hahn niemals zu schlachten. „So ein hübsches Tier, das durch eine Taube ausgebrütet wurde, weil die Mutter das Ei in den Taubenschlag legte, wird bei uns auf dem Hof leben, bis ihn der liebe Gott holt“, so hieß es vor gut zweieinhalb Jahren. Doch es kommt immer anders als gedacht. Als es zu diesem besagten Hahnenkampf kam, bei dem es um die Vorherrschaft auf dem Hof ging, verletzte sich August derart, dass es das Versprechen nicht mehr gab. Und zu diesem Weihnachtsfest, das morgen begangen wird, sollte August schon als Festessen auf dem Tisch stehen. „Ob wir ihn gegessen hätten? Ich weiß nicht. Er ist doch so etwas Besonderes“, sagte Wolfgang Schmidt. Und im gleichen Atemzug erklärte er freudestrahlend, dass sein Hahn weiterleben darf. Die AZ besuchte den Bunten und vergewisserte sich: Ja, er ist gesund. Dass er nun angesichts der Auflagen (Geflügelpest) eingesperrt sein muss, das gefällt ihm nicht. Aber da geht es ihm ja wie den Menschen derzeit: wegen der Pandemie möglichst zu Hause bleiben.

Heute Abend, in der Heiligen Nacht, werden die Menschen zusammenrücken. In der Familie – und Hahn August wird mit seinen Hennen im Verschlag liegen. Und vielleicht auch darüber nachdenken, mit dem kleinen Zwerghahn doch Frieden zu schließen und sich schließlich die Hennen aufzuteilen: Da sind deine, hier sind meine. Es wäre zu schön, um wahr zu sein. Denn noch einen Kampf kann sich August nicht leisten. Sollte er wieder humpeln, könnte die Diskussion um Topf oder nicht Topf wieder aufkeimen.

Übrigens: Der Vater von August ist bereits gegessen. Die Mutter gibt es noch, und auch die Taube, die ihn ausgebrütet hat. Sicherlich wird August es nicht außergewöhnlich finden, dass er sein drittes Weihnachten feiern kann. Dass der Topf für ihn schon bereitstand, das wird er nie erfahren. Glück gehört zum Leben dazu. Und August hatte es wirklich.

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