Anwohner der Kleinen Straße erleben Verfall der Nummer 7 hautnah mit

Auch der Bürgermeister muss nun passen

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Kleine Straße 7 in Arendsee. In dem Loch, das durch die herausgefallenen Ziegel entstanden ist, verschwinden am Abend die Marder. Die Nebengebäude sind feucht, weil die Dachrinnen defekt sind.

Arendsee. Niemand will sich für das Grundstück an der Kleinen Straße 7 verantwortlich fühlen, keiner zahlt dafür Grundsteuer. Doch eine Möglichkeit, dass das Grundstück an einen Interessenten verkauft wird, gibt es auch nicht.

Das musste inzwischen auch Arendsees Bürgermeister Norman Klebe zugeben. Dieser hatte sich auf seine Fahnen geschrieben, mittels umfangreicher Recherche und Kontakt mit Grundbuch- und dem Kreis-Bauordnungsamt eine Lösung herbeizuführen. Anwohner hatten in den der vergangenen Zeit immer wieder die Stadt um Hilfe ersucht. Nicht nur, weil das Bild der Kleinen Strasse durch das Objekt mehr als verschandelt wird, sondern auch, weil die Nachbargrundstücke durch das Haus in Mitleidenschaft gezogen wurden. Vor allem kaputte Dachentwässerung hat am Objekt rechts neben der Nummer 7 schon erhebliche Schäden verursacht. Auch werden die Nachbargrundstücke nicht gerade aufgewertet.

Die Altmark-Zeitung erfuhr, dass es ein Gutachten gibt, dass dem Grundstück einen Wert von einem Euro bescheinigt. Die Unterlagen dafür liegen in der Hand einer Familie, die schon vor Jahren als Mitglied einer möglichen Erbenkette auf eine Erbschaft verzichtet hatte. Hilferufe an den Landkreis blieben nicht unerhört, aber auch Mitarbeiter des Bauordnungsamtes zucken mit den Schultern. Bei einem Vor-Ort-Termin war zur Sprache gekommen, bei Belästigung durch das verfallende Haus einen Anwalt einzuschalten. Doch dafür fehlt den Nachbarn der Mut, die Kosten bleiben möglicherweise bei den Klägern hängen.

Es gibt Interessenten für das Grundstück. Aber nur dann, wenn das Gebäude abgerissen werden darf und die Baulücke eine Baulücke bleibt – mit Carports und einem aufgewerteten Schuppen. Aussagen oder gar Zusagen für eine solche Maßnahme gibt es nicht – die Klärung müsse voranschreiten, aber angesichts der Lage kann das noch Jahre dauern.

Ob das Haus solange durchhält, ist fraglich. Inzwischen sind einige Ziegel aus dem Baukörper auf die Straße gefallen. In dem Loch, das entstand, wurden bereits Marder gesichtet. Auf dem unbebauten Grundstück fühlen sie sich inzwischen wohl. Die Anwohner befürchten gar, dass sich Waschbären ansiedeln könnten.

Die Stadt hat sich auf Schadensbegrenzung verständigt. Steht das Unkraut zu hoch, kommt der Wirtschaftshof und säbelt die Melde ab. Sind wieder einmal Fenster offen, werden sie vernagelt. Doch befriedigen kann die Situation nicht. Dass es keine Handhabe gibt, das Haus zu beschlagnahmen, weil sich kein Erbe findet, wundert die Einwohner der Kleinen Straße schon lange.

Von Harry Güssefeld

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