Günstige geologische Bedingungen unterhalb von Lüge

Bundesgesellschaft für Atommüll-Endlagerung hat auch Arendsee im Visier

Die Region südwestlich des Arendsees aus der Luft gesehen.
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Die Region südwestlich des Arendsees aus der Luft gesehen. Die Bundesgesellschaft für Atommüll-Endlagerung hat dieses Areal aktuell als geologisch geeigneten „Kandidaten“ im Visier.
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Die Bundesgesellschaft für Atommüll-Endlagerung (BGE) hat auch Arendsee als möglichen „Kandidaten“ im Visier.

Arendsee / Lüge (von Kai Zuber) – Denn: Geologisch günstige Bedingungen für die Lagerung von Wärme entwickelndem, radioaktivem Abfall wurden laut dem aktuellen Zwischenbericht „Teilgebiete“ der BGE unterhalb von Lüge, also südlich etwa in der Mitte zwischen Salzwedel und Arendsee entdeckt.

Das entsprechende unterirdische Gebiet besteht aus dem Wirtsgestein Steinsalz in steiler Lagerung, es handelt es sich um ein Zechsteinsalinar. Es liegt in der Salzstruktur Lüge-Liesten-Arendsee. Das Areal hat eine Fläche von 26 Quadratkilometern und eine Dicke von maximal 840 Metern. Die minimale Teufe des identifizierten Gebietes liegt bei 660 Metern unter Geländeoberkante. Acht der elf Kriterien wurden nach dem Referenzdatensatz Steinsalz bewertet, dabei sind sechs Kriterien mit „günstig“ und zwei Kriterien mit „nicht günstig“ bewertet.

Den gebietsspezifisch bewerteten Kriterien kommt, im Vergleich zu den Referenzdatensätzen, in der jetzigen Phase des Standortauswahlverfahrens eine besondere Bedeutung zu. Das „Kriterium zur Bewertung der Konfiguration der Gesteinskörper“ sowie das „Kriterium zur Bewertung der räumlichen Charakterisierbarkeit“ wurden mit „günstig“ bewertet.

Das „Kriterium zur Bewertung des Schutzes des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs durch das Deckgebirge“ wurde mit „bedingt günstig“ bewertet. Die Anwendung der geowissenschaftlichen Abwägungskriterien lässt daher laut der Bundesgesellschaft für Endlagerung eine günstige geologische Gesamtsituation für die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle erwarten.

Hintergrund: Bei der Standortauswahl bis zum Jahr 2031 gibt es laut der zuständigen Bundesgesellschaft für Endlagerung drei Phasen. Im ersten Schritt werden ungeeignete Gebiete ausgeschlossen. Wird eines der sechs Ausschlusskriterien erfüllt, kommt eine Region oder ein Ort als Endlager nicht mehr in Frage. Im Gegensatz müssen Mindestanforderungen erfüllt sein, um eine prinzipielle Eignung des geologischen Untergrundes festzustellen.

Die BGE erkundet dann in „Phase zwei“ die durch Bundesgesetz ausgewählten Standortregionen übertägig nach den standortbezogenen Erkundungsprogrammen. Auf der Grundlage der Erkundungsergebnisse gibt es „weiterentwickelte vorläufige Sicherheitsuntersuchungen“. Die Gesellschaft erstellt in den Standortregionen sozioökonomische Potenzialanalysen. Die Arbeiten münden in begründete Vorschläge zu den untertägig zu erkundenden Standorten.

Daraufhin werden Erkundungsprogramme und Prüfkriterien festgelegt. Erneut entscheiden Bundestag und Bundesrat, welche Standorte untertägig wie erkundet werden sollen. An dieser Stelle ist auch eine gerichtliche Überprüfung vor dem Bundesverwaltungsgericht möglich.

In „Phase drei“ gibt es dann eine ausführliche Untertage-Erkundung, bevor dann im Finale nach allen vorliegenden Erkenntnissen Bundesrat und Bundestag den Standort für wärmeentwickelnde radioaktive Abfälle bestimmen. Das noch zu bestimmende Endlager soll spätestens 2050 in Betrieb gehen und Sicherheit für eine Million Jahre bieten. Einige Kommunen im Altmarkkreis Salzwedel haben bereits Petitionen verabschiedet, wonach ein Atommüll-Endlager in der Altmark nicht zu akzeptieren ist.

Weitere Informationen und eine detaillierte Karte gibt es im Internet unter www.bge.de.

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