Begleitopfer eines Hackerangriffs

Stadtchef berichtet von Systemausfällen im Rathaus

Das Arendseer Rathaus mit dem Brunnen auf dem Marktplatz davor
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Die Arendseer Stadtverwaltung ist offenbar am Wochenende Nebenopfer eines Hackerangriffs auf den IT-Dienstleister geworden. Bürgermeister Norman Klebe informierte die Öffentlichkeit über die jüngsten Ereignisse.
  • Jens Heymann
    VonJens Heymann
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Die Stadtverwaltung Arendsee ist offenbar Folgeopfer eines Angriffs auf die Infrastruktur ihres IT-Dienstleisters geworden. Bürgermeister Norman Klebe informierte gestern die AZ über das, was in den vergangenen Tagen innerhalb des Rathauses passiert ist.

Arendsee – Demnach ist am Montag festgestellt worden, dass das Anmelden bei den Computersystemen der Verwaltung nicht mehr funktionierte. Der IT-Dienstleister der Einheitsgemeinde meldete daraufhin einen, so Klebe, „massiven Systemangriff“ bei sich am vorangegangenen Wochenende. Dieser habe zu einem kompletten Stillstand geführt und sich bis nach Arendsee ausgewirkt. Bürgermeister Klebe geht davon aus, dass die Kommune lediglich ein Begleitopfer dieser Aktion geworden ist – sprich ein Kollateralschaden.

Wie die AZ weiter erfuhr, seien die betroffenen Server auf ihre Werkseinstellungen zurückgesetzt worden. Damit waren alle Daten weg, die nun in den vergangenen Tagen durch entsprechende Sicherungskopien (Backup) jedoch wiederhergestellt werden konnten. Den Diebstahl sensibler Daten von Arendseer Bürgern schließt Stadtchef Klebe nach Rücksprache mit dem Dienstleister aus. Auch soll es nach bisherigen Erkenntnissen keinen Datenverlust gegeben haben. Die Lage werde aber noch immer eruiert, so Norman Klebe.

Die Einheitsgemeinde wolle Strafanzeige stellen und den Vorfall an entsprechende Behörden weitermelden – sofern dies noch nicht geschehen ist, wie die AZ erfuhr. Die eigentliche Verwaltungsarbeit im Rathaus laufe weitgehend wieder normal, teilte der Bürgermeister weiterhin mit. Zwei Baustellen gebe es noch; die beträfen allerdings interne Bereiche.

In seiner über zehnjährigen Amtszeit sei es das erste Mal, dass es zu einem derartigen Vorfall gekommen sei, sagt Klebe. Viel Schadsoftware werde bereits durch Sicherheitsvorrichtungen unwirksam gemacht, und auch die Mitarbeiter seien angehalten, keine ungewöhnlichen Nachrichten bzw. deren Anhänge zu öffnen. Dennoch soll nun die Struktur der Datensicherung überprüft werden – denn ohne EDV (elektronische Datenverarbeitung) gehe mittlerweile gar nichts mehr, erklärt der Bürgermeister.

In Sachsen-Anhalt gibt es mit dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld einen aktuellen Präzedenzfall. Dort legten Hacker nahezu die komplette Verwaltungssoftware lahm. Was in der Folge zu massiven Problemen etwa beim Auszahlen von Sozialleistungen und beim Zulassen von Fahrzeugen führte. Andere Vorfälle wurden im Oktober aus der Stadtverwaltung Schwerin und aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim gemeldet.

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