„Werden einen guten Sommer bekommen“

Arendsees Hotelier Burghard Bannier hofft auf schnelle Erholung nach Corona-Lockdown

Burghard Bannier unterweist Thi Nhat Minh Nguyen. Koch-Azubi Rumesh Weththimuni Nishantha passt ebenfalls auf.
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Burghard Bannier unterweist Thi Nhat Minh Nguyen. Koch-Azubi Rumesh Weththimuni Nishantha passt ebenfalls auf.
  • Jens Heymann
    vonJens Heymann
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Ein leckerer Duft zieht durch die Räume. Heute ist Soljanka-Tag. Eine größere Bestellung des Traditionsgerichts wird bald abgeholt. Gut gelaunt schwingt Koch-Azubi Rumesh Weththimuni Nishantha die Kelle. Dass er alle Hände voll zu tun hat, ist momentan die Ausnahme. Denn auch im „Deutschen Haus“ bleibt in diesen Tagen oft die Küche kalt.

Arendsee (von Christian Wohlt) – Malerisch liegt das Flair Hotel am „altmärkischen Meer“, im gleichnamigen Städtchen Arendsee. Im Jahr 1838 nach einem Stadtbrand wiederaufgebaut und viele Jahre lang als Preußische Poststation genutzt, zählt das markante Gebäude zu den wichtigsten touristischen Anziehungspunkten. Das Gewölbe aus dem 15. und 16. Jahrhundert verweist auf eine noch viel längere Vergangenheit. Mit 20 Beschäftigten, 26 Hotelzimmern, 170 Restaurant- und Saalplätzen ist es eines der wichtigsten Unternehmen der Region.

Wegen der Corona-Beschränkungen darf das Hotel derzeit nur Geschäftsreisende beherbergen und beköstigen. Das seien etwa zehn Prozent der sonst üblichen Gäste, berichtet Hotelchef Burghard Bannier. Außerdem ist Außerhausverkauf aus der Küche erlaubt. Der werde zwar rege genutzt, könne den Umsatzeinbruch im Gastronomiebereich jedoch nur zu einem Bruchteil ausgleichen. Die meisten seiner Mitarbeiter musste er daher in Kurzarbeit schicken. Die neun Azubis (vier in der Küche, fünf im Service) sind weiterhin abwechselnd im Dienst. An ihrem Lehrprogramm lässt der Chef keine Abstriche zu.

Auszubildende aus anderen Ländern gehören für Bannier seit Langem zur Selbstverständlichkeit. Er hat mit ihnen – wie auch den deutschen Jugendlichen – in seinem Betrieb fast ausschließlich positive Erfahrungen. Normalerweise wären Januar und Februar die Monate gewesen, in denen die Azubis ihre Heimatländer besuchen. Das fiel in diesem Jahr pandemiebedingt aus. Doch was machen junge Leute in einem fremden Land nach Feierabend, wenn sie sich nicht mit anderen treffen dürfen, Sportstätten, Kinos und andere Freizeiteinrichtungen geschlossen sind, außer vielleicht Computerspiele?

„Ich habe mehr Zeit zum Lernen“, sagt Rumesh, der aus Sri Lanka stammt, und es klingt kein bisschen ironisch. Für ihn steht im Sommer die Abschlussprüfung an. Dafür büffelt er trotz oder gerade wegen des Lockdowns besonders hart. Seine vietnamesische Kollegin Thi Nhat Minh Nguyen, die den Beruf der Restaurantfachfrau erlernt hat, ist schon fertig. Neben der Arbeit im Betrieb ist sie wie Rumesh alle zwei Wochen zur Berufsschule nach Salzwedel gefahren, die für die Azubis des 3. Lehrjahres Präsenzunterricht abhält. Im vergangenen Jahr stand größtenteils Online-Unterricht auf dem Programm. Besonders für Thi war das eine große Herausforderung, weil es besonders schwer ist, Lektionen in einer fremden Sprache am Bildschirm zu verfolgen. Nun hat sie ein neues Ziel – den Führerschein.

Wer die beiden erlebt, hat aber keinen Zweifel, dass sie Theorie und Praxis mit Bravour meistern. Die anschließende Anstellung im „Deutschen Haus“ ist ihnen gewiss, verriet Chef Bannier schon zu Jahresbeginn.

Doch sie haben sich noch mehr vorgenommen, und so muss er wohl noch eine Weile auf seine Fachkräfte warten. Beide wollen studieren. Auch dafür steht ihnen Bannier zur Seite, der dabei an die Zukunft denkt. „Ich werde auf keinen Fall weniger ausbilden“, sagt der Unternehmer trotz der aktuellen Probleme. Gut ausgebildete Fachkräfte seien in seiner Branche schon heute rar und werden, wenn es wieder aufwärtsgeht, gefragt bleiben.

Wenn es wieder aufwärtsgeht ... „Viele Betriebe werden wohl den Bach runtergehen“, weiß Bannier, der ehrenamtlich in der IHK und dem Fachverband DEHOGA aktiv ist. Sein Unternehmen habe die Corona-Krise dank Rücklagen und staatlicher Soforthilfe bisher verhältnismäßig gut gemeistert. Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 verzeichnete das Haus sogar einen Besucheransturm. Ein Glück, dass ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt die neue Küche zur Verfügung stand. Die Investition zum richtigen Zeitpunkt hatte sich gelohnt. „Wir werden einen guten Sommer bekommen“, hofft Bannier dieses Jahr auf einen ähnlichen Effekt und blickt für sein Haus optimistisch nach vorn.

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