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Arendsees Bürgermeister Norman Klebe zieht seine Jahresbilanz und blickt voraus

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Von: Jens Heymann

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Bürgermeister Norman Klebe, fotografiert auf dem Arendseer Marktplatz Anfang Mai.
Bürgermeister Norman Klebe, fotografiert auf dem Arendseer Marktplatz Anfang Mai. © Heymann, Jens

Bürgermeister Norman Klebe blickt auf das bald endende Jahr 2022 zurück und auf das, was auf die Einheitsgemeinde Arendsee in den nächsten zwölf Monaten zukommt.

Arendsee – Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

wieder neigt sich ein Jahr seinem Ende zu. Der Lateiner sagte immer: „Tempus fugit“ – „Zeit verrinnt“. Zeit ist, neben der Gesundheit und Liebe, eines der wertvollsten Güter, die uns gegeben sind. Und man sollte die einem gegebene Zeit nutzen. Für das ablaufende Jahr kann ich sagen, wir haben unsere Zeit gemeinsam genutzt und im Jahr 2022 wieder großartige Sachen zusammen auf die Beine gestellt. Es macht mich stolz, Ihr Bürgermeister sein zu dürfen. Aber schauen wir noch einmal kurz in den Rückspiegel und rufen uns ins Gedächnis, was alles so „los“ war.

Der Jahresstart wurde immer noch durch das Thema Corona bestimmt und hatte maßgeblichen Einfluss auf alle Lebensbereiche. Insbesondere die Herausforderungen für unsere heimische Wirtschaft wurden nicht einfacher. Da man derzeit sowieso das Gefühl hat, dass wir von einer Krise in die nächste rutschen, ließ diese auch nicht lange auf sich warten. Am 24.02.2022 startete ein Konflikt in einer Größenordnung, die wir uns alle für unseren Kontinent im 21. Jahrhundert so nicht hätten vorstellen können. Russland marschierte in der Ukraine ein. Es begannen Kettenreaktion, welche unsere gesamte bisherige Weltordnung auf den Kopf stellte. Dies führte und führt zu unsäglichem menschlichem Leid auf beiden Seiten der Konfliktparteien. Darüber hinaus gab es maßgeblichen Einfluss auf unsere Wirtschaftsordnung, da die Sanktionsspiralen bisher sicher glaubte Lieferketten durcheinander würfelten. In der Folge sahen und sehen wir uns einer Inflationsrate gegenübergestellt, die in dieser Größenordnung lange nicht gesehen wurde. Auf Bundesebene wurde der Begriff „Zeitenwende“ gebraucht.

Trotz all dieser negativen Nachrichten und Änderungen unserer Lebensumstände konnten wir gemeinsam vor Ort positive Lichtpunkte setzen. Hierbei ist mir deutlich in Erinnerung die überwältigende Hilfsbereitschaft von Ihnen in Sachen Ukrainehilfe. Nach kurzem Aufruf kamen Güter von Decken, Kleidung, Taschenlampen, Essen usw. zusammen, die 3 Lieferwagen füllten. Am 18.03.2022 bis 19.03.2022 organisierten wir spontan einen Hilfskonvoi zu unserer polnischen Partnerstadt Wydminy, welche wiederum die Güter in ihre weitere Partnerstadt in der Westukraine nach Klevan lieferten. Die Fahrzeuge wurden von Firma Jens Freimann Fliesen & Naturstein Design GmbH gestellt und Martin Retzlaff, Uwe Walter, Marek Weiß, Till Eitner, Matthias Goyer und meine Wenigkeit fuhren die Sachen nach Polen. Für die Einsatz- und Hilfsbereitschaft möchte ich mich an dieser Stelle im Namen der Stadt und persönlich bedanken. Dies hat mich sehr beeindruckt. Auch in der Folgezeit wurde mit der Aufnahme von geflüchteten Familien aus dem Kriegsgebiet die Solidarität und das Mitgefühl hier bei uns vor Ort zum Ausdruck gebracht.

Eine weitere positive Nachricht ereilte uns mit der Nachricht, dass die Stadt Arendsee (Altmark) und das IDA Arendsee mit ihrer gemeinschaftlichen Bewerbung um eine Hosttown (Gastgeberstadt) im Rahmen der Special Olympics World Games 2023 den Zuschlag für die Beherbergung der syrischen Sportlerdelegation mit über 60 Personen erhielten. Neben Arendsee wurden nur 215 weitere Städte in Deutschland nominiert. Die Special Olypmics World Games sind die weltweit größte inklusive Sportveranstaltung, bei der tausende Athletinnen und Athleten mit geistiger und mehrfacher Behinderung miteinander in 26 Sportarten antreten. Vom 17. bis 25. Juni 2023 finden die Spiele in Berlin und damit erstmals in Deutschland statt. In der Vorbereitungszeit vom 12. bis 15. Juni 2023 können wir unsere Gastgeberqualitäten unter Beweis stellen. Teil dieser internationalen Veranstaltung sein zu dürfen, ist eine große Ehre für unsere Gemeinde.

Aufgrund der nach und nach erfolgten Coronalockerungen konnten wir nach langer „Durststrecke“ endlich wieder miteinander feiern. So gaben sich verschiedene Jubiläen ihr Stelldichein bzw. wurden nachgeholt. Unsere Dörfer Leppin, Kraatz und Zühlen/Thielbeer konnten stolze 700 Jahre feiern. Neulingen holte seinen Geburtstag mit der 751-Jahr-Feier und die DRK-Mutter-Kind-Klinik Arendsee ihren 25. + 1. Geburtstag nach. Das KiEZ Arendsee und das Fahrgastschiff „Queen Arendsee“ begingen ihren 30. Geburtstag. Die Jugendfeuerwehr Binde wurde 30 Jahre alt. Höhepunkt für uns alle war mit Abstand aber die Festwoche und das Festwochenende zum Anlass von 1.200 Jahre Seeeinbruch und 150 Jahre Kurwesen. Es war eine rundum gelungene Sache, an die sich viele von uns gerne zurückerinnern. Gerade vom Freitag bis zum Sonntag war die Stadt durchgängig mit Einwohnern und Besuchern gefüllt. Tief bewegt hat mich auch im Rahmen der Vorbereitung, dass sowohl das kulturelle Programm als auch die Kulinarik und diversen Marktstände von Bürgerinnen und Bürgern unserer gesamten Region gestemmt wurden. Es war ein einzigartiges Zusammenhaltsgefühl – getreu dem Motto: „Wir arbeiten und feiern zusammen“. Dies zeigt für mich nach über einem Jahrzehnt, dass unsere Stadt Arendsee mit samt seinen Ortsteilen von Nord nach Süd und West nach Ost eine starke Gemeinschaft ist. Das macht mich persönlich sehr stolz und glücklich. All dies wäre natürlich nicht ohne die großzügige Unterstützung unserer Sponsoren gegangen, bei welchen ich mich nochmals ganz herzlich im Namen der Stadt bedanken möchte. Ebenfalls Dank gilt dem Organisationsteam um unser Festkomitee, allen Ehrenamtlichen und unseren Partner Norman Witych von Eventservice Witych.

Des Weiteren feierte der Klädener Karneval 70 Jahre, genau wie der Sportverein Rot-Weiß Sanne e.V. Das Jugendfilmcamp sowie das Simsonrennen konnten in gewohnten Vor-Corona-Varianten durchgeführt werden. Viele weitere kulturelle Veranstaltungen waren wieder möglich und gaben uns ein Stück Normalität zurück. Letztlich zeigte uns zum Jahresende noch der „Lebendige Adventskalender“, welcher von Katrin Goyer ins Leben gerufen wurde, dass zusammen viel möglich ist. Der Kalender war über das ganze Gemeindegebiet verteilt und alle machten mit. Es ist ein schönes Zeichen und zeigt für mich, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Ich denke zusammen können wir vieles schaffen, also lasst uns voranschreiten.

Wie hoch das Ehrenamt bei uns im Kurs steht, zeigt auch die Bürgerpreisverleihung an Ronald „Pitt“ Krüger und Matthias Goyer aus Arendsee für ihren Einsatz im Rahmen der Männertruppe AFA (Aktiv für Arendsee). Dies wird altmarkweit anerkannt.

Was geschah sonst noch so? Anfang März 2022 wählten wir einen neuen Landrat für den Altmarkkreis Salzwedel, Herrn Steve Kanitz. Der Altmarkkreis Salzwedel unterstützte unsere Feuerwehr nicht nur mit der Stationierung eines Einsatzleitwagen 2 (ELW 2) für den Katastrophenschutz, sondern auch mit einer hochmodernen Feuerwehrdrohne.

Apropos Katastrophenschutz - zusammen mit der Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst, Verwaltung, freiwilligen Helfern, Landkreis und dem Bombenentschärfungskommando des Landes Sachsen-Anhalt führten wir die erste große Bombenräumung einer alten britischen 220-Pfund-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg in Arendsee durch. Aufmerksame Beobachter hatten den ungewöhnlichen Gegenstand am Süduferbereich des Sees entdeckt und es wurde sofort professionell und mit aller Ruhe gehandelt. Für den reibungslosen und gefahrlosen Umgang sowie das Verständnis möchte ich mich bei allen Beteiligten bedanken.

Bei den Feuerwehren an sich kamen unsere Kameradinnen und Kameraden in Sachen gefahrene Einsätze an neue Höchstwerte. Allein die Freiwillige Feuerwehr Arendsee steht derzeit bei 74 Einsätzen. Für die Einsatzbereitschaft gilt unser aller Dank. Für die Feuerwehr Fleetmark sind wir immer noch im Rennen um eine Förderung für das neue Gerätehaus. Hier heißt es zusammen weiter Daumen drücken. Des Weiteren ist eine Verbesserung der Löschwasserversorgung durch neue Löschbrunnen und Löschteiche oberste Priorität. Auf Stadtwehrleiterebene konnten wir Kamerad Hans-Joachim Hinze für seine langjährige Tätigkeit auf der Position danken. Der von den Freiwilligen Feuerwehren organisierte großen Zapfenstreich mit fast allen Einsatzfahrzeugen unserer Gemeinde war ein schöner und beeindruckender Abschied. Der Staffelstab wurde an seinen Nachfolger, Kamerad Marek Weiß, übergeben.

Bei dem Thema „Großbaustellen“ konnte nach 4 Jahren endlich die Bauleitplanung für das „Waldheim“-Projekt rechtskräftig abschließen. Die Baugenehmigung ist beantragt. Vor diesem Hintergrund hoffe ich, dass wir im kommenden Jahr Zeugen der Grundsteinlegung werden. Zudem nimmt die A14 nach und nach Gestalt an. Bis Ende 2025 sollten eine durchgängige Verbindung von Stendal an bestehen. Auch der wichtige Breitbandausbau ist in seinem Endspurt. Die geförderten Bereiche, was fast unsere gesamten Ortsteile betrifft, sollten bis Sommer 2023 fertiggestellt sein. Noch im Frühjahr rechne ich mit der Inbetriebnahme der Verteilerstationen (POP-Standorte) in Zehren, Sanne und Friedrichsmilde. Für die nicht geförderten Bereiche konnten wir zusammen die Firma DNS/Net gewinnen, welche auf eigene Kosten in der Folge noch Arendsee, Kleinau, Fleetmark und Binde ausbauen wird. Damit kommt die Datenautobahn flächendeckend in unsere Ortsteile und legt das Fundament für das digitale Zeitalter vor Ort.

Auch unsere beiden Grundschulen in Arendsee und Fleetmark sind mit Glasfaseranschlüssen, digitalen Tafeln und Tablets auf dem aktuellen technischen Stand. Es ist wichtig, gerade unsere Kleinsten früh mit dem Umgang der Technik und deren Verwendung zu üben.

Eine erfreuliche Nachricht waren auch die neun bewilligten Spielplatzförderungen für Arendsee, Genzien, Mechau, Zießau, Kleinau, Ritzleben, Harpe, Thielbeer und Kaulitz. Die meisten Geräte sind zwischenzeitlich geliefert worden. Die Errichtung ist in den ersten Monaten des neuen Jahres geplant.

Bei dem Thema Sonnenenergie gab es viele Vorstellungen und Beratungen. Derzeit arbeitet die Stadt an der Erstellung eines gesamträumlichen Solarkonzeptes, welche die Vor- und Nachteile für jede Ortschaft separat betrachtet und bewertet. Mit der Fertigstellung ist dann eine räumliche Ordnung unter Abwägung aller Gesichtspunkte erfüllt. Hier bieten sich für die Stadt verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten. Außerdem ist noch die Aufstellung des gemeindlichen integrierten Entwicklungskonzeptes ein Ankerpunkt, welcher die künftige Gemeindestrategie herauskristallisieren soll.

Mit der Gründung des Bildungsnetzwerks „Stark vor Ort“ konnten wir in 2022 die Bildungseinrichtungen von Kita, Hort, Grund- und Gemeinschaftsschulen sowie weiteren Sozialpartner zusammenführen, um die Kommunikation untereinander zu stärken und die Angebote für unsere Kinder zu verbessern.

Ein großes Lob muss unseren Firmen zuteil kommen, da sie den Krisen getrotzt haben und großartige Betriebsergebnisse liefern konnten. Diese waren die Säulen für die erfolgte Haushaltsgenehmigung im Jahr 2022. Wie potent und innovativ unsere heimische Wirtschaft ist, zeigten die Verleihung der Wirtschaftspreise für die IDA Arendsee GmbH (Tourismuspreis) und den Campingplatz „Zum Grünen Elsebusch“ (Existenzgründerpreis). Zur Belebung der Innenstadt führte zudem die Neueröffnung einer Filiale der Biagio-Guzzo-Eiskette. Auch unsere stadteigene GmbH samt Eigenbetrieb konnten in diesem Jahr viele Meilensteine in Sachen Modernisierung hinter sich lassen. Demnächst steht unter anderem der Umbau der Tribüne und des Strandbades an. Von den weiteren Neuerungen lassen Sie sich gerne in 2023 überraschen.

Mit Besorgnis und weiterer Achtsamkeit müssen wir auf den Rückgang unseres Seewassers beobachten. Die entsprechenden Stellen wurden angeschrieben und zu Handlungen aufgefordert. In Sachen Wasserentnahme im wendländischem Bereich wird nunmehr ein Gutachten erarbeitet.

In diesen Tagen gilt meine Anerkennung den Bürgerinnen und Bürgern in unserer Gemeinde, die nicht im Kreise der Familie Weihnachten feiern konnten, sondern ihre Zeit und Arbeitskraft in den Dienst der Allgemeinheit stellen, bei der Feuerwehr, der Polizei, im Rettungsdienst, in Krankenhäusern und Pflegeheimen sowie in sozialen Einrichtungen.

Nicht zuletzt nutze ich die Möglichkeit, um mich bei den Mitgliedern des Stadtrates, der Ortschaftsräte, den Ortsbürgermeistern, den Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gemeinde für die gute Zusammenarbeit zu bedanken. Ich hoffe, dass Sie ein erholsames und besinnliches Weihnachtsfest feiern konnten und wünsche einen guten Jahreswechsel sowie ein friedliches, erfolgreiches neues Jahr, aber vor allem viel Gesundheit.

Ihr Bürgermeister Norman Klebe

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