Knallhart: Hütte muss weg

Arendseerin soll Gartenhaus inklusive Nistkästen abreißen

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Das Gartenhaus soll weg. Am morgigen Sonntag wird es ab 11.30 Uhr eine ökumenische Lesung geben.

Arendsee – Vilja Hanke aus Arendsee hielt gestern ein Schreiben des Bauordnungsamtes aus Salzwedel in den Händen.

Wieder mal, mag man meinen: Aber es hat Brisanz, denn die Arendseerin soll das von ihr errichtete Gartenhaus, das „ohne Genehmigung und im Außenbereich“ errichtet worden sei, zurückbauen. Inklusive der Terrasse und des Zaunes um das Grundstück. „Es wird von mir verlangt, dass Besucher auf das Grundstück und damit bis an den See gehen können“, sagte sie gestern der AZ. Das werde gefordert, um den Erholungswert zu garantieren. „Ich frage mich, warum die anderen Besitzer nicht aufgefordert werden, ihre Grundstücke für die Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen“, fragt sich die Arendseerin. Und erklärt im Beisein ihres Partners Jörg Dell-Missier, der das Grundstück gepachtet hat, dass sie beide nicht abreißen werden. Auch deshalb, weil auf dem Gelände von ihnen ein Biotop eingerichtet wurde, mit rund 30 Nistkästen, die zum großen Teil an dem Gartenhaus angebracht wurden und zur Zeit belegt sind. Dazu kommen Schwalbennester und Fledermausbehausungen.

Wenn der Altmarkkreis fordert, dass das Gelände begehbar für jedermann ist, dann hätten Vilja Hanke und ihr Partner das schon längst aus eigenem Antrieb ermöglicht: Denn am Wochenende sei das Gelände offen, auch zum Besuch des Gartenhauses, das als Friesische Kapelle eingerichtet wurde und ein Ruhepunkt für alle sein soll.

Das Gartenhaus sei nicht genehmigt und im Außenbereich entstanden, heißt es in dem Schreiben aus Salzwedel. Den Außenbereich zweifeln die beiden Arendseer schon lange an – denn es gibt eine Innenbereichssatzung, die das Seeufer definiert (wir berichteten). Deshalb werden schon seit Längerem Gerichte bemüht. „Wir haben in gutem Glauben gebaut, weil uns die Stadt damals noch unterstützt und uns Mut gemacht hat, das zu tun“, sagte Vilja Hanke. Es werde möglich sein, das im Nachhinein zu regeln – im Innenbereich wohlgemerkt, hieß es. „Wir werden uns wehren, wie wir es hier seit Langem machen müssen“, sagen beide. „Ich warte auf den Tag, da die Firma kommt und diese kleine Kapelle abreißt, die Vögel tötet und unser Biotop verwüstet“, so Vilja Hanke.

Unterdessen kündigten beide eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen eine Mitarbeiterin des Bauordnungsamtes an. „Es gibt Hinweise, dass in unserer Angelegenheit mindestens ein Arendseer Stadtrat massiv beeinflusst wurde“, erfuhr die AZ gestern.

VON HARRY GÜSSEFELD

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