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Arendseer unterstützen Untersuchung des Grundwassers

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Von: Detlef Güssefeld

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Arendsees Bürgermeister Norman Klebe (2.v.l.) holte sich einen Behälter für eine Wasserprobe ab, Horst Krünkelfeld brachte seine Probe an den Stand auf dem Marktplatz, den Studentinnen betreuten. © Güssefeld, Harry

40 Seestädter hatten bis Mitte der Woche Proben ihres Brunnenwassers zur Untersuchung an die Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) übergeben.

Arendsee – Ziel ist es, anhand der Analysen den Zustand des Grundwassers und eine damit verbundene mögliche Belastung des Seewassers bewerten zu können. Denn die Wissenschaftler gehen seit Jahren davon aus, dass die Nährstoffkonzentration des Sees zu hoch ist, wodurch es immer wieder zu Algenbildung und damit zu Badeverboten kommt.

IGB forscht seit mehr als 25 Jahren am und im Arendsee. Klar ist: Seeinterne Prozesse und die hohe Nährstoffmenge im See verhindern, dass sich die Situation schnell verbessert. Hinzu kommt, dass externe Einträge den See immer noch belasten.

Seit etwa zehn Jahren ist bekannt, dass die größten Nährstoffmengen über das Grundwasser in den Arendsee gelangen, vor allem aus Richtung der Stadt selbst. Grundwasseruntersuchungen sind nach Angaben der Forscher sehr aufwendig, weil man dafür teure Grundwasserbrunnen braucht. Einige Brunnen in Seenähe wurden in den Jahren 2010 und 2011 durch das Land Sachsen-Anhalt und das IGB errichtet. Aber für ein vollständiges Bild der Grundwasserbelastungen reiche das nicht aus.

Der Ökohydrologe Jörg Lewandowski vom Berliner IGB bedauert: „Leider kann man nicht mal eben dort bohren, wo wir an Grundwasser-Messwerten besonders interessiert sind. Das wäre viel zu teuer.“ Deshalb hatten er und seine Kollegen vor zehn Jahren die Idee, Bewohnerinnen und Bewohner von Arendsee um Mithilfe zu bitten.

Mehrere Quellen für die Belastung

„Wir waren wirklich beeindruckt von der Unterstützung der Arendseer bei der Ursachensuche“, freut sich Lewandowski. Im Rahmen einer großen Messkampagne waren vor zehn Jahren Flaschen für Grundwasserproben ausgegeben worden. 56 Anwohnerinnen und Anwohner beteiligten sich und stellten Wasserproben aus ihren privaten Hausbrunnen zur Verfügung.

Das Ergebnis war eindeutig: An vielen Stellen unter der Stadt Arendsee sind die Nährstoffkonzentrationen im Grundwasser sehr hoch, zum Teil mehr als 100 mal höher als natürlich zu erwarten wäre. Und: Die räumliche Verteilung der Belastungen zeige, dass es nicht eine einzige Quelle, sondern viele Quellen für die Belastungen geben muss.

Jetzt, zehn Jahre später, wird die Messkampagne wiederholt um herauszufinden, ob sich die Werte des Grundwassers verbessert oder verändert haben. Um ein genaueres Bild der grundwasserbedingten Nährstoffeinträge in den See zu bekommen, werden zusätzlich direkt am Seeufer Messungen durchgeführt.

Dazu werden vor allem auf dem schmalen Uferstreifen vor den Wassergrundstücken kurzzeitig Messgeräte installiert. „Die Unterstützung von Land und Stadt ist hervorragend. Und wir freuen uns, wenn wir viele Anwohnerinnen und Anwohner für das Messprogramm gewinnen können“, sagte Lewandowski vor Beginn der neuen Kampagne.

Kampagne auf dem Marktplatz

Studierende unterstützen die Kampagne, indem sie auf dem Arendseer Marktplatz Wasserproben von Arendseern entgegennahmen und Kanister an Bürger ausgaben, die die Aktion unterstützen wollten. Wer sein Brunnenwasser zur Verfügung stellt, bekommt die Ergebnisse schriftlich. Die Untersuchungen fließen in neues Kartenmaterial ein. Damit werden die Auswertungen von vor zehn Jahren auf aktualisiert.

Die Untersuchungen werden möglicherweise auch in die Entscheidung über eine Seesanierung einfließen. Seit Jahrzehnten mahnt die Wissenschaft eine Sanierung des landeseigenen Sees an. Der Stadtrat hatte sich bereits für eine Sanierung positioniert.

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