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Arendsee soll in einem Papier seine Zukunft planen, aber die Resonanz ist lückenhaft

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Von: Jens Heymann

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Das Willkommensschild der Stadt Arendsee an der Bahnhofstraße
Die Einheitsgemeinde Arendsee soll sich ein Zukunftskonzept geben. © Heymann, Jens

Kämmerin Sigrid Lüdecke hat es jüngst im Arendseer Finanzausschuss auf den Punkt gebracht: In der Stadt müsse sich angesichts der wohl wieder knapper werdenden Geldmittel überlegt werden, was und wo man etwas haben will, wie Prioritäten und Strukturen der Einheitsgemeinde aussehen sollen. Was kurios erscheinen mag: Dieser Prozess ist längst angestoßen worden, verbirgt sich aber hinter einem sperrigen Begriff – IGEK (Integriertes Gemeindliches Entwicklungskonzept).

Arendsee – Und so wenig zugänglich die fachliche Formulierung sein mag, so holprig scheint auch der Start in diese groß angelegte Selbstfindung verlaufen zu sein. Nur rund die Hälfte aller Arendseer Ortschaften nahm nach AZ-Informationen an den IGEK-Gesprächen Mitte Juli teil. Beim Treffen der übergeordneten Lenkungsgruppe in der vergangenen Woche soll es in den Reihen der ehrenamtlichen Vertreter aus dem Stadtrat ebenfalls große Lücken gegeben haben. Er sehe die Notwendigkeit für ein stärkeres Bewerben des Prozesses, meinte Stadtrat Jens Reichardt (Arendsee-Land / Freie Liste) bereits vorher. Er hofft auf eine umfassendere Beteiligung gesellschaftlicher Gruppen – von Kirche, Jägerschaft, Vereine usw. Die bisher mangelhafte Resonanz sieht er jedoch zu Teilen auch im „Terminkauderwelsch“ der Stadtverwaltung begründet. Denn die Juli-Treffen für die Ortsgespräche (mit Ortsbürgermeistern und je einem weiteren Vertreter) waren bereits Ersatztermine für frühere Ansetzungen und fielen in die Urlaubszeit. Bürgermeister Norman Klebe informierte unterdessen über geplante Fachgespräche im Oktober.

Alle sprechen von IGEK – aber was ist das eigentlich?

Ein Integriertes Gemeindliches Entwicklungskonzept (IGEK) ist die Gesamtstrategie für die zukünftige Entwicklung einer Gemeinde und ihrer Ortsteile. Im IGEK wird ein Orientierungsrahmen aufgezeigt, der als Planungs- und Steuerungsinstrument dient. Es bildet Rahmen und Leitlinie für künftige Entscheidungen. Entsprechend der im IGEK definierten Entwicklungsziele können zukünftig die Fördermittel des Bundes und Landes für die Gemeinde nachhaltig eingesetzt werden. In diesem Sinne ist ein IGEK auch Zugangsvoraussetzung für zahlreiche Förderprogramme, nicht nur für den öffentlichen Sektor, sondern auch für Vereine, Bürger und Unternehmen in der Gemeinde. Aus diesem Grunde muss der IGEK-Prozess von der ganzen Breite getragen werden. Das IGEK bildet eine Richtschnur für die künftige Haushalts- und Investitionsplanung in der Gemeinde, die mittelfristig eher restriktiv geprägt sein wird. Das bedeutet, dass sich die Gemeinde auf bestimmte Kernaufgaben entsprechend den Entwicklungszielen konzentrieren und dabei auch die Investitionen in die eigene (soziale) Infrastruktur auf den Prüfstand stellen muss. Die Gemeinde muss darlegen, wo sie selbst und wo Bürger oder Unternehmen an ihrer statt Aufgaben der Daseinsvorsorge übernehmen soll. Im besten Fall ist ein IGEK also ein Fahrplan in die Zukunft; im schlimmsten Fall viel Papierarbeit für die Schublade.

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