Verbrecherjagd rund um den Arendsee

Krimiautorin Sina Kongehl-Breddin entfesselt mit einem Mord eine Kette von Ereignissen

Sina Kongehl-Breddin mit einer Ausgabe ihres neuesten Romans „Zorn der Vergangenheit“. Der Segelverein am Schramper Eck ist Inspiration für einen Teil der Handlung.
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Sina Kongehl-Breddin mit einer Ausgabe ihres neuesten Romans „Zorn der Vergangenheit“. Der Segelverein am Schramper Eck ist Inspiration für einen Teil der Handlung.
  • Jens Heymann
    VonJens Heymann
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Ruhig liegt der Mann an einer Badestelle irgendwo in der Nähe des Klosters, als plötzlich ein Schrei ertönt: Eine Frau ist gerade von der vorbeifahrenden „Queen Arendsee“ gestürzt. Der Mann, Marc Boldt, hat es gesehen und rettet die Frau aus dem Wasser. Was wie ein Unfall aussieht, wirft später Fragen auf.

Arendsee / Stendal – Viel mehr will Sina Kongehl-Breddin, die Autorin des neu erschienenen Arendsee-Krimis „Zorn der Vergangenheit“ (ISBN-13: 978-3-98527-230-3), an dieser Stelle gar nicht verraten. Mit der AZ ist sie in der Nähe des Schauplatzes zum Gespräch verabredet. Es ist die dritte Station einer Krimi-Wanderung. Die „Queen“ fährt leider gerade nicht vorbei.

Zentrales Handlungselement ist ein Mord beim fiktiven Segelsportverein am Schramper Eck. Obwohl sich Sina Kongehl-Breddin an echten Örtlichkeiten orientiert, hat sie natürlich die Details verändert.

Wo im Buch das junge Salzwedeler Ermittlerduo bald erste Spuren aufnimmt, suchen in der Realität noch immer die Mitarbeiter eines Spezialräumdienstes nach alter Munition. In der Sonne wird es schnell warm – der in „Zorn der Vergangenheit“ beschriebene Hochsommer ist allerdings schon vorbei.

Der Ermordete in der Romanhandlung war ein bekannter Mensch. Aufbrausend hat ihn die Autorin angelegt; der hatte also möglicherweise seine Feinde, und einer stach ihn mit dem Messer tödlich nieder. Oder war es doch eine Beziehungstat? Das Ermittlerduo, das auch untereinander seine Reibereien hat, steht ganz am Anfang.

Sina Kongehl-Breddin, die 46-Jährige aus Stendal, ist ganz anders. Ruhig, fast ein wenig schüchtern. Arendsee kennt sie gut. Sie hat bereits einige Bücher geschrieben, Schauplätze sind etwa Bismark, wo sie aufgewachsen ist, Stendal oder Orte an der Elbe. Seit 2014 ist sie freischaffende Autorin. Neben Krimis schreibt sie auch Kinderbücher und unternimmt Lesungen in Schulen.

Während die Polizisten im Roman mit der Arbeit beginnen, erreicht sie ein Anruf. Bei Fischer Pohl sind die Netze manipuliert worden. Dort, zwischen Schrampe und Zießau, geht die polizeiliche Detektivarbeit weiter. Der Leser ahnt es schon: Dort bilden sich bald Zusammenhänge.

Auch die AZ besucht mit der Autorin diesen Ort. Fischer Wilfried Kagel nickt kurz auf die Frage, ob sein Steg betreten werden darf. Das Zießauer Urgestein ist zweifelsohne ein literarisches Vorbild für Sina Kongehl-Breddin gewesen. Auf dem Weg zum Steg treffen AZ und die Autorin tatsächlich auf Absperrband. „Achtung Wasserleitung“, steht drauf. Mit einem Verbrechen hat es also nichts zu tun. Fischer Kagel kennt allerdings Vandalismus und Diebstahl – da steht die Realität der Fiktion in nichts nach.

80 Prozent der Handlung seien Fantasie, sagt die 46-jährige Stendalerin. Die restlichen zwanzig Prozent speisten sich aus der Erfahrung. 2006, beim Kriminalfestival in Tangerhütte, belegte sie mit der Geschichte „Wenns dunkel wird in Bismark“ den dritten Platz. „Seitdem ging es immer weiter“, blickt sie zurück. Hartnäckig müsse ein Autor sein und bleiben, erklärt sie. Konzentration, ein kleiner Leitfaden und ein klares Tagespensum seien ebenfalls wichtig. Selbst für ein eher knappes Buch wie „Zorn der Vergangenheit“ mit 222 Seiten schreibt sich nicht von selbst.

Direkt, ohne Umschweife, keine langen Szenen – so beschreibt Sina Kongehl-Breddin ihren Schreibstil. Der scheint ihrer wachsenden Fangemeinde zu gefallen. Und die will sie auch bedienen – mit neuen Werken jedes Jahr im Spätsommer. Vielleicht spielt der nächste Roman ja wieder in Arendsee und Umgebung.

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