GmbH will sich in Zukunft eigene Konzerte aus Kostengründen sparen

Arendsee: „Es kommt einfach kaum einer“

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Die Band gab alles, doch erlebt haben es nicht viele: Die Besucher blieben am Sonnabend einfach weg.

Arendsee – Wer kann sich noch erinnern? Konzerte in Arendsee am Strand, nach der Wende. 1000 Besucher keine Seltenheit. Bei Six, Keimzeit – später auch Karat im Festzelt auf Parkplatz II.

Meistens war Strandwirt Reinhard Heidemann, viel zu jung verstorben, der Organisator.

Er musste hoffen, dass die Leute kommen, um ihm das Geld wiederzugeben – um die Band zu bezahlen. Manchmal hat es nicht geklappt, wenn es geregnet hatte. Dann musste er zuzahlen. Aber er tat es für sich und für die Arendseer. Und die ließen ihn nur selten im Stich.

Für Michael Meyer von der Luftkurort-Arendsee-GmbH muss sich das anhören wie eine Geschichte aus dem Wunderland. Denn was er in der jüngsten Zeit erlebt, das macht ihn nachdenklich. Oder auch wütend. Doch kann man Arendseer zu Konzerten verpflichten? Nein, natürlich nicht, sagt Meyer. Aber er will es einfach nicht mehr hören, dass in Arendsee nichts mehr passiere. „Wenn jemand etwas macht und dann auf eigenes Risiko, muss er aktuell entsetzt feststellen, dass die Leute einfach nicht mehr da sind“, sagte Meyer der AZ. Die hatte ihn gefragt, ob er mit der Resonanz auf den Abend nach dem Drachenbootrennen zufrieden ist.

„Es war kaum noch jemand da“, sagte Meyer. In Arendsee kämen nur noch Leute zu Veranstaltungen, wenn diese keinen Eintritt zahlen müssen und wenn es Freibier gibt. Da sich aber Veranstalter das nicht mehr leisten können, stünden, wie in Arendsee am Sonnabend, nur noch wenige vor der Bühne, auf der die Showband Xtrawild aufgebaut hatte. Für diese Band musste die GmbH rund 3000 Euro inklusive Technik bezahlen. Auf dem Großteil der Kosten bleibt sie nun sitzen.

Angesichts der finanziellen Lage der GmbH könne man sich das nicht mehr leisten. Jeder Euro werde gebraucht, um die Anlagen der GmbH instand zu halten. So auch die Tribüne, bei der großflächig die Holzbeplankung ersetzt werden muss.

Meyer erinnert auch an das Konzert von Krähe. Dieser hatte auf eigenes Risiko aufgebaut, hatte sich auch um den Versorger gekümmert. Ob es so etwas noch einmal geben wird, sei fraglich. Denn auch dort waren Besucher Mangelware. „Wir lassen solche Bands auf die Bühne und geben auch die Versorgung ab, um den Arendseern etwas bieten zu können. Und die kommen nicht“, so Michael Meyer.

Übrigens haben ihm Versorger bereits signalisiert, dass sie keine Lust auf derartige Veranstaltungen haben. „Es wird immer schwieriger, Leute zu finden, die wissen, dass kaum etwas zu verdienen ist“, so Meyer. Wie gesagt: Der GmbH-Chef will niemanden nötigen, die Veranstaltungen zu besuchen. Aber er verweist darauf, dass in einer Zeit, wo Geld eine große Rolle spielt und Bands nicht mehr von der Abteilung Kultur bezahlt werden, ohne Besucher nichts zu machen ist. „Wir verdienen mehr, wenn wir kein Risiko eingehen“, sagt Meyer. Schlimm. Aber ehrlich.

VON HARRY GÜSSEFELD

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