Wenn am Abend die Polizei kommt

Arendsee: KiEZ und Sportverein vermeintliche Ruhestörer

Kirsten Hohmeyer vom KiEZ und Martin Retzlaff vom SV Arendsee
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Kirsten Hohmeyer vom KiEZ und Martin Retzlaff vom SV Arendsee haben immer mal wieder mit der Polizei zu tun. Nachbarn ihrer Einrichtungen fühlen sich offenbar durch spätabendlichen Lärm belästigt.

Arendsee ein Tourismusort? Ein Eldorado für Urlauber jeden Alters? Das wäre zu schön, um wahr zu sein. Die AZ war dabei, als sich Kirsten Hohmeyer vom Kinder- und Jugenderholungszentrum (KiEZ) und Martin Retzlaff vom SV Arendsee zu einem Gedankenaustausch trafen.

Arendsee – Denn sie haben beide dasselbe Problem: Ihnen wird vorgeworfen, wiederholt für Lärm verantwortlich zu sein. Musik und Lachen nach 22 Uhr. So geschehen am vergangenen Freitag auf dem Sportplatz Arendsee. Die Fußballer und Zuschauer hatten noch gemeinsam ein Bier getrunken, als gegen 23 Uhr die Polizei anrückte. Unterstützt von Annette Wolter vom Ordnungsamt. Der Grund: Es habe Beschwerden gegeben wegen Lärm. Vor allem eine Urlauberunterkunft neben dem Sportplatz fühle sich immer wieder belästigt, hieß es. Ob vom Sportplatz oder vom KiEZ-Campinghotel.

Schluss um 22 Uhr

„Wir bekommen inzwischen gesagt, dass in Arendsee nach 22 Uhr nichts mehr genehmigt wird – außer einigen Ausnahmen, die aber nie definiert wurden“, so Martin Retzlaff. Ein Urlauberort, zudem mit einem Kinder- und Jugendferienlager, bringe es nun mal mit sich, dass es etwas lauter wird, ergänzt Kirsten Hohmeyer. Und wird nachdenklich: Wenn es dann so ist, dass man eine große Einrichtung, die hunderte Kinder beherbergt, derart beschneidet, dass es ab 22 Uhr tatsächlich völlig still sein soll, dann könnte das Ganze infrage gestellt werden.

Natürlich gibt es Regeln. Für das besagte KiEZ-Objekt am Harper Weg wurde sogar eine Mittagsruhe eingeführt. Auf Hinweis der Verwaltung. Doch zu einem Ferienlager gehören auch Nachtwanderungen oder mal eine Disco. Dadurch kann es lauter werden. So ist es seit Jahrzehnten. Arendsee liebte seine Kinderferieneinrichtungen.

Doch geht es auch denen, die abends nach der Polizei rufen, vielleicht doch um die Sehnsucht nach einer Schlafstadt? „Ich habe den Eindruck, dass sich angesichts der Pandemie die Menschen daran gewöhnt haben, dass nichts mehr passiert. Aber ein Ferienort, der für alle da ist, ist nicht unbedingt leise. Kinderlachen und Spiele waren einst etwas Positives. Heute verlangt man, dass Ruhe im Dom ist“, so Retzlaff.

Er nimmt nicht nur seine Fußballer vom Freitag in Schutz, sondern verweist auch auf die Riesenveranstaltung im kommenden Jahr, zu der rund 1000 Fußballer zu einem internationalen Turnier anrücken. Denen zu sagen, dass ab 22 Uhr Ruhe herrscht, sei unmöglich. Und von ihm auch nicht gewollt.

Ferienort für alle

Kirsten Hohmeyer und Martin Retzlaff wissen um die Gefahren, die dem Tourismus in Arendsee drohen, wenn diejenigen sich durchsetzen, die Arendsee als Seniorenresidenz sehen wollen.

„Ganz klar: Die Stadt hat sich einst dafür ausgesprochen, ein Ferienort für alle zu sein. Dann müssen auch alle damit leben“, so Retzlaff. Natürlich spreche er sich gegen permanenten Lärm in der Stadt aus. Aber wenn es durch den Tourismus etwas lauter wird, dann sei das so.

Und für ihn ist in Arendsee derzeit viel zu wenig los. Selbst Salzwedel, Seehausen und Osterburg versuchen, trotz der Corona-Pandemie Nischen zu finden, etwas auf die Beine zu stellen. Arendsee blockiere vieles. Meinungen, Musikveranstaltungen seien eines Luftkurortes nicht würdig, kämen immer öfter aus dem Rathaus. Indes vermissten die Seestädter und Urlauber das Lichterfest, die Schlagernacht, das Strandfest.

Für Kirsten Hohmeyer ist die Lärmdiskussion ein echtes Hindernis: Das KiEZ-Campinghotel am Harper Weg muss dringend saniert werden. Es soll ein Floriandorf mit überregionaler Bedeutung werden. Mit pädagogisch anspruchsvollem Inhalt. Kinder und Jugendliche sollen lernen, wie man sich bei Ernstfällen verhält, wie eine Notaufnahme funktioniert und wie Brände bekämpft werden. Die Kinder sollen auch Nachtwanderungen absolvieren und tanzen.

Konsens gesucht

„Wenn es keinen Konsens gibt, dann müssen wir umdenken“, macht Kirsten Hohmeyer klar. Doch noch sieht sie Chancen zu einem Miteinander in dem besagten Gebiet. KiEZ und Sportverein wollen in Kürze auf ihre Nachbarn zugehen und sie zu einem Gespräch einladen.

„Wir denken an den Dauercamperverein und die Personen, die immer wieder die Polizei bemühen“, hieß es. „Es gilt, hier am Harper Weg den Trainingsbetrieb mit dem Rundumprogramm, das Leben im Kinder- und Jugenderholungszentrum sowie das Ruhebedürfnis der Camper irgendwie in Einklang zu bringen“, hoffen Hohmeyer und Retzlaff.

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