Gewässer hat mit dem Abfluss in den See so seine Probleme

Arendsee: Beim Stadtgraben tröpfelt es nur

Fast unsichtbar fließt der Stadtgraben unterhalb der Steinbrücke in den Arendsee.  
+
Fast unsichtbar fließt der Stadtgraben unterhalb der Steinbrücke in den Arendsee.  

Arendsee – Würde man den Stadtgraben in Arendsee mit einem gestandenen Mann vergleichen, würde man ihm raten, einen Urologen aufzusuchen. Prostatabeschwerden würde der Mediziner diagnostizieren. Und diese Beschwerden hat auch der Stadtgraben am Einfluss in den Arendsee.

Dieser befindet sich unterhalb der Steinbrücke. Es geht nicht um das große Betonrohr neben der Brücke – das gehört zu der Überlaufanlage von der Kanalisation und hat mit dem Stadtgraben nichts zu tun, musste sich gestern auch die AZ eines Besseren belehren lassen. Die AZ wollte wissen, was es mit dem Graben auf sich hat. Und erfuhr aus sicherer Quelle, dass es das Endstück eines komplizierten Grabensystems in der Ortslage Arendsee ist, mit dem bei Nässe das Stadtgebiet entsorgt wurde. Früher, so hieß es, waren auch die Kleinkläranlagen an dieses System angeschlossen.

Schaut man sich den Auslauf an, muss man schon zweimal hinsehen, um genau zu erkennen, wo das Wasser aus dem Rohrsystem austritt. Steine und Geröll lassen einen normalen Ausfluss nicht zu, versperren ihn direkt. Warum man dem System in diesem Bereich so wenig Aufmerksamkeit schenkt, ist die Frage. Zumal nur wenige Meter weiter Schächte gesetzt wurden. Ziemlich neu, wie es zu erkennen ist.

Das gesamte Grabensystem, dass manchmal offen und teilweise auch verrohrt ist, wieder auf einen normalen Stand zu bringen, dürfte enorme Anstrengungen kosten. Wie die AZ erfuhr, ließen im Zuge des Verlaufs, so auch im Bereich der Molkereistraße, Absenkungen vermuten, dass die Rohrleitungen eingebrochen sind.

Ungeachtet bei diesen Betrachtungen bleibt die Tatsache, dass Wissenschaftler seit Jahren erforschen, in welchem Umfang Nitrate in den Arendsee gespült werden. Die dann wieder für den Algenbefall verantwortlich sind. Dennoch. Insider fragen sich, was mit dem Grabensystem werden soll: Soll es weiterhin Wasser in den See laufen lassen, dann müsse der Ausgang unterhalb der Steinbrücke ordnungsgemäß hergestellt werden. Würde er verschlossen werden, müssen man darüber nachdenken, wohin das anfallende Oberflächenwasser bei Regen ablaufen soll. Klar ist aber auch, dass jeder Liter Wasser, der aktuell in den See fließt, dazu beiträgt, den Wasserspiegel wieder anzuheben. Es fehlen immer noch rund 70 Zentimer vom Normalwert.

Der Arendsee hat neben dem Stadtgraben noch weitere Zuflüsse, die in einem nicht so guten Zustand sind. So der Werftgraben im Bereich der Sauna, der Kanalgraben im Bereich des Strandbades und die „Quelle“ im Bereich des Bungalowgebietes. Werden diese Gräben stiefmütterlich behandelt, weil man ihnen keine Bedeutung mehr beimisst? Oder ist der Aufwand zu hoch, diese Gräben in einen guten Zustand zu versetzen? Oder will man gar auf diese Zuflüsse verzichten, um Möglichkeiten des Nitrateintrags auszuschließen? Diese Fragen sollten in Zukunft beantwortet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare