Abholzung unterhalb des Waldheims

Kahlschlag – oder doch keiner?

Ufer des Arendsees unterhalb des Waldheims
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Das Ufer des Arendsees unterhalb des Waldheims

Krach im Bauausschuss des Arendseer Stadtrates. Wieder einmal geriet Stadtrat Jens Reichardt ins Visier von Amtskollegen und Bürgermeister. Der Vowurf: Reichardt würde nicht im Sinne der Stadt handeln. Er würde mit seinem Wirken Unruhe stiften.

„Doch kann man das jemandem vorwerfen, der Fragen hat?“, fragte gestern Reichardt, als die AZ ihn nach den Vorwürfen befragte. „Es fordert mich jemand auf, Dinge hinzunehmen, die zu hinterfragen sind“, sagt Reichardt der AZ.

Es gehe, um sein Bemühen, Akteneinsicht in den Vorgang Abholzaktion am See unterhalb des Waldheimes zu bekommen. Diese wurde den Kreistagsmitgliedern der Grünen, der Freien Liste sowie der AfD am 8. April im Rahmen einer Kreistagssitzung zugesagt.

Klebe äußerte sich wiederholt zum Thema. „Die im Oktober durchgeführte Unterholzentfernung auf der Stadtfläche unterhalb des Waldheims ist aus hiesiger Sicht möglich gewesen. Eine Fachfirma hat im Zuge der Maßnahme Stubbenaustrieb und Strauchwerk entfernt und geschreddert. Einzelne geschädigte Bäume wurden im Zuge der Verkehrssicherungspflicht gefällt und entsorgt“, sagte er gestern. Höherstehende alte Stubben seien zurückgeschnitten, schwere Fälltechnik sei nicht eingesetzt worden. Die Arbeiten seien außerhalb der Brutzeit erfolgt und dazu Müll entsorgt worden. Derzeit befänden sich rund 40 Bäume und Baumgruppen auf der Fläche von 2 000 Quadratmetern. Die Investoren vom Waldheim hätten die Unterholzentfernung im Stadtbauamt beantragt und die Kostenübernahme erklärt. „Die Fläche der Stadt befindet sich außerhalb des FFH-Gebietes. Die Arbeiten sind deshalb möglich gewesen“, so Klebe.

Die Ereignisse um die Fällaktion überschlagen sich. Stadträtin Vilja Hanke erhielt vor wenigen Tagen ein Schreiben der unteren Naturschutzbehörde, datiert vom 26. November (!). Darin wird erklärt, dass es sich bei der Fällaktion am See um einen Kahlschlag handelt. „Vor Ort wurde massiver Holzeinschlag ... festgestellt, wobei einzelne Erlen und wenige unterständige Weichlaubhölzer ... belassen wurden. Der Bestockungsgrad wurde mit 0,3 ermittelt. Damit unterliegt der Uferbereich einem Kahlhieb im Sinne des Waldgesetzes“, heißt es. Die Behörde bezeichnet die Aufforstung als dringend notwendige – auch aus artenschutzrechtlichen Gründen. Dabei benennt sie unter anderem die Fledermäuse.

Nun liegt ein neues Gutachten vor. Gefertigt von einem Vermessungsbüro und bezahlt von den Waldheim-Investoren, hieß es. Das Gutachten habe ergeben, dass es sich nicht um Kahlschlag handele, sagte Klebe. Dafür seien zu viele Bäume stehen geblieben. Das Vermessungsbüro habe jeden Baum und jeden Baumstumpf berücksichtigt und sei unabhängig, unterstrich Klebe. „Wenn im Zuge des Verfahrens dennoch Ersatzpflanzungen gefordert werden, dann ist es so“, machte Klebe deutlich.

„Die Akteneinsicht in der Kreisverwaltung soll die Diskussion versachlichen. Sie soll klären, ob und inwieweit die Stadt bei der Zustimmung zum Entfernen von Bäumen und Gehölzen auf dem stadteigenen Ufergrundstück neben den forstwirtschaftlichen Grundsätzen auch den Natur- und Artenschutz hätte berücksichtigen müssen“, so Reichardt. Der am 17. Dezember 2018 vom Stadtrat beschlossene Umweltbericht sehe das jedenfalls vor. Ohne eine vollumfängliche Information könne der Stadtrat nicht richtig entscheiden. Das sei zukünftig zu beachten. „Das Waldheim ist ein anderes Grundstück mit einem anderen Eigentümer. Die Umsetzung des ,Projektes Waldheim-Resort’ betrifft ein ganz anderes Rechtsgebiet. Der Antrag auf Akteneinsicht betrifft daher nicht das laufende Planverfahren“, so Reichardt.

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