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Angst vor dem Spinner in den Kirchen-Eichen

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Grit Krispin und Töchterchen Pia-Lotta (4) auf dem Binder Grundstück unter den Eichen. Die Bäume auf dem ehemaligen Friedhof nebenan sind vom Prozessionsspinner befallen.
Grit Krispin und Töchterchen Pia-Lotta (4) auf dem Binder Grundstück unter den Eichen. Die Bäume auf dem ehemaligen Friedhof nebenan sind vom Prozessionsspinner befallen. © Güssefeld

Binde. Dass der Eichenprozessionsspinner fast jede Eiche in der Region befallen hat, ist hinlänglich bekannt. Hinweisschilder sollen die Menschen sensibilisieren.

Doch dort, wo befallene Eichen direkt neben den Wohngebäuden stehen, sind die Bewohner den Schädlingen ausgeliefert. Oder, der für die Bäume Verantwortliche handelt. In Binde hat die Familie Krispin Sorgen mit dem Schädling. Befallenene Eichen neben ihrem Haus stehen zum einen auf kommunalem Grund, zum anderen aber auf dem Gelände des ehemaligen Friedhofes in Binde. „Wir haben mit Hilfe der Stadträtin Petra Hennigs alle Seiten darauf aufmerksam gemacht, dass wir diesen Zustand nicht dulden wollen“, erklärte Grit Krispin gegenüber der AZ. Von kommunaler Seite kam sofort Hilfe. Die Eichenprozessionsspinner wurden abgesaugt. „Das ging ziemlich schnell, von einem Tag auf den anderen“, erinnern sich die beiden Frauen gestern. Da waren dann aber noch die Eichen der Kirche. Und damit begann das Problem. „Erstmals habe ich am 18. Mai in Salzwedel beim Kreiskirchenamt angerufen“, so Petra Hennigs. Die Reaktion dort sei nicht befriedigend. Inzwischen hatte Grit Krispin auch den Gemeindekirchenrat um Hilfe gebeten, gleichzeitig war Pastor Holst in Fleetmark informiert worden. „Der Pfarrer hatte uns an das Amt in Salzwedel verwiesen“, hieß es gestern. Weitere Anrufe, so am 5. Juni und am 10. Juni folgten. „Man werde sich bemühen. Aber mit wenig Hoffnung auf Abhilfe“, gab Petra Hennings den Inhalt der Gespräche wieder. Beim letzten Telefonat hatte die Stadträtin gar eine Anzeige wegen der Untätigkeit des Kirchenamtes in Aussicht gestellt. „Man sagte mir dann, dass das dann eben so sei“, erklärte Petra Hennigs.

Grit Krispin sieht sich als Opfer. Weniger sie selbst ist direkt betroffen, aber ihr Mann Olaf und Tochter Pia-Lotta (4) haben bereits Hautirritationen. „Wir leben direkt unter den Bäumen, das geht hier gar nicht“, so die Binderin. Auch die Hinweise aus dem Gemeindekirchenrat, „damit müssen auch andere leben“, kann sie nicht nachvollziehen. Sie macht sich Sorgen um die Tochter, und es könne ja niemand verlangen, dass sie für die Zeit des Eichenbefalls aus ihrem Elternhaus auszieht.

Im Kreiskirchenamt war die Thematik bekannt. „Wir wollten, dass die Firma, die die kommunalen Bäume säubert, auch unsere Bäume absaugt“, erklärte Ines Kurzweg gestern. Das sei aber technisch nicht möglich gewesen. „So sind uns derzeit die Hände gebunden“, sagte sie am Telefon. Es sei nicht so, dass man nicht wolle, man sehe aber derzeit keine Möglichkeit, die Situation zu entschärfen.

Von Harry Güssefeld

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