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Altmärkische Senioren erlebten eine schöne Tagestour nach Mecklenburg

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Von: Detlef Güssefeld

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Kleinauer und Arendseer Senioren nach einer Schiffsfahrt auf der Müritz
Nach der Schiffsfahrt gab es das Gruppenfoto für das Album. 38 Senioren waren beim Ausflug nach Mecklenburg mit dabei. © Freier Mitarbeiter

Der Bus war fast voll – 38 Frauen und Männer jenseits der 60 – machten sich vor wenigen Tagen auf eine Reise nach Mecklenburg. Der Kleinauer Ortschaftsrat hatte grünes Licht gegeben und einen Teil des Geldes für die Busfahrt seiner Senioren aus Kleinau, Lohne und Dessau zur Verfügung gestellt.

Arendsee / Kleinau – Gundula Kurzweg aus Mahlsdorf, die im Auftrag der beiden Seniorenbeauftragten Michaela Franzl und Iris Preuhs die Reise geplant hatte, traf damit voll ins Schwarze. Allein schon die Fahrt in den Morgennebel hinein mit Sonnenaufgang war ein Riesenbeginn.

Der Bus der PVGS, der von Frank Kadecki gelenkt wurde, glitt seinem Ziel entgegen. Während einer Pause konnten die Kaffeebecher gefüllt und die Blasen geleert werden. Und weil die Autobahnauffahrt gesperrt war, ging es über Dörfer dem Ziel entgegen.

Als Waren erreicht war, stand die Stadtrundfahrt auf dem Plan. Aber ein großer Bus darf nicht in die Stadt, und so hatte Stadtführerin Brigitte Steinborn die Idee, den Speckgürtel Warens zu entdecken. Also ringsherum, durch Gewerbe- und Wohngebiete, durch ein Villenviertel und kleine Dörfer.

Waren hat rund 21 000 Einwohner, eine Arbeitslosigkeit von rund sieben Prozent und jährlich rund 1,5 Millionen Besucher. Ziel der Touristen ist natürlich der größte Binnensee Deutschlands. Dass der Bahnhof zu einem Ärztehaus wurde, erfuhren die Fahrgäste ebenso wie die Tatsache, dass das Haus, in dem Theodor Fontane lebte, von einem im Westen gekauft worden war, aber schon Jahre nichts passiert ist. Traurig steht das Haus da, und gerade mit dem Schriftsteller könnte man noch mehr punkten.

Waren ist ein Heilbad, und dass die Häuser zumeist alternativ geheizt werden, interessierte die Gäste im Bus schon sehr. Erdwärme genießen rund 4000 Einwohner. Dann gibt es Biogas, Solarenergie und einen kleinen Teil klassische Heizmethoden. Der Altersdurchschnitt beträgt rund 50 Jahre. Wer sich entscheidet, nach Waren zu ziehen, der wird Probleme bekommen. Nur rund ein Prozent der Wohnungen stehen leer. Und die sind auch als Reserve für eigene Notfälle gedacht.

Dass die Gegend um Waren auch von Einheimischen als „Klein Kanada“ bezeichnet wird, war vielen im Bus neu. Gründe sind die geringe Einwohnerdichte und die weiten Landschaften, die Wiesen und Wälder. Und so wird die Zeit des Spätsommers auch als „Indian Summer“ wie in Nordamerika bezeichnet.

Die Stadtrundfahrt war ein erster Höhepunkt, und das Mittagessen wurde im „Reusenhaus“ eingenommen. Im Bus sollten sich alle aus drei Gerichten für eines entscheiden, aber das müssen einige schnell wieder vergessen haben. Und so bekamen die Letzten im Saal das, was noch da war. Aber es schmeckte, und alle lachten schließlich über die Sache, die auf vielen Busfahrten passiere, wie die AZ erfuhr.

Eine Stunde Innenstadt mit einem kurzen Regenschauer war auch dabei. Übrigens: Ein Besuch der Stadtkirche lohnt sich, bringt kurz Ruhe in den täglichen Wahnsinn. Manchmal ertappt man sich, dass der da oben gebeten wird, wieder Ordnung zu schaffen in dem teils aus dem Gleichgewicht gekommenen Leben.

Dann ging es aufs Schiff. Zwei Stunden Müritz und angrenzende Seen; die Kanäle waren spektakulär. Es war eine Fahrt in die pure Natur, mit Brücken, bei denen man den Kopf einziehen musste, wenn man sich gerade auf dem Oberdeck aufhielt. Kaffee und Kuchen mit einem Klecks Sahne gab es auch. Die eine Seite bekam Sahnecremetorte, die andere Blechkuchen. Beides mundete; der Kaffee war so stark, dass man glaubte, das Herz gerät aus dem Gleichgewicht. Es war gemütlich auf dem Schiff und die zwei Stunden mit vielen Informationen des Kapitäns schnell vorbei. Dann war die Abfahrt nahe.

Es ging noch schnell an einen Fischstand. Eingeschweißt konnten die Wassertiere auch mitgenommen werden. Tschüss, sagten die Kleinauer. Übrigens: Die, die nicht aus Kleinau, Lohne oder Dessau waren, mussten etwas mehr bezahlen. Völlig in Ordnung, meinten die Betroffenen. Denn man saß ja in einem von Kleinau gesponserten Bus.

Nach gut zwölf Stunden kamen die Reisenden wieder zu Hause an. Mit vielen Eindrücken und dem Gefühl, etwas Gutes für sich getan zu haben. Wenn man die Reiseveranstalter und Busunternehmen richtig verstanden hat, dann sollte man das noch so lange nutzen, wie es geht. Es scheint schwieriger zu werden, auch am Reisehimmel.

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