Bereit für den nächsten Schritt

Altmärkerin Franziska Brzezicha will in den Bundestag und tritt gegen Robert Habeck an

Franziska Brzezicha
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Franziska Brzezicha aus Vissum hat ihre neue Heimat im Norden von Schleswig-Holstein gefunden.
  • Jens Heymann
    VonJens Heymann
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Wenn am 26. September der nächste Deutsche Bundestag gewählt wird, will eine junge Frau aus Vissum mit der SPD den Einzug ins Parlament schaffen. Mit einer Besonderheit: Sie tut es nicht in der Altmark, sondern ganz im Norden der Republik, im Wahlkreis Flensburg-Schleswig.

Vissum / Schleswig – Dort ist Franziska Brzezicha die Direktkandidatin der Sozialdemokraten. Und dorthin haben das Leben und die Liebe die 28-Jährige geführt. Mit einem großen Schlenker vorher durch halb Europa.

Die junge Frau ist gerne forsch und direkt. „Franziska will nicht mehr warten“, heißt es selbstbewusst auf ihrer Internetseite. Dort spricht sie den Besucher sogleich mit Du an. „Schön, dass du hier bist und das mit mir zusammen machen willst“, heißt es über ihre Kandidatur. Keine Distanz; sie kommt schnell zur Sache. Den Weg in die Politik sieht sie als den nächsten logischen Schritt ihres Lebens an. Abwarten und noch mehr Erfahrung sammeln? Nein, nun sei der richtige Zeitpunkt, bestätigt sie gegenüber der AZ.

Prägendes Elternhaus

In der Altmark ist sie momentan eher selten, sagt sie. Mutter Esther und Vater Paul, die Geschwister und die Großeltern spielen aber dennoch eine große Rolle – nicht umsonst sind sie auf der Internetseite der SPD-Kandidatin präsent. Das Elternhaus habe sie geprägt. Und möglicherweise auch der ehemalige Salzwedeler Jugendstadtrat, dessen stellvertretende Vorsitzende Franziska Brzezicha von 2009 bis 2011 war. „Die Blonde mit dem Dauergrinsen“, sagt sie über sich selbst aus dieser Zeit.

Die Politik hat sie danach jedenfalls nie wieder losgelassen. Studium in Berlin und Frankfurt / Oder, Auslandsaufenthalte in Großbritannien, Irland, Lettland und Frankreich – und seit Mai 2019 wissenschaftliche Mitarbeiterin der SPD-Bundestagsabgeordneten Kerstin Griese in deren Berliner Büro. Das habe sofort gepasst: mit der Abgeordneten und der Partei. Da habe sie nämlich gemerkt, dass die Sozialdemokratie und ihre persönliche Einstellung gar nicht so weit voneinander entfernt lagen. Folglich gab es noch im selben Jahr den Parteieintritt. Rückblickend sieht Franziska Brzezicha diese Sache klarer: der richtige, logische Schritt. Kerstin Griese, auch parlamentarische Staatssekretärin für Arbeit und Soziales, zog schon mehrere Male in den Bundestag ein und ist gewiss keine schlechte Lehrmeisterin für die 28-Jährige.

Mit Biss gestartet

Die ersten parteilichen Hürden hat Franziska Brzezicha schon gemeistert. Denn ihre Bundestagskandidatur sei recht kurzfristig gekommen. Sie hatte sich im März bei der Abstimmung gegen zwei männliche Bewerber klar durchgesetzt, da kannten viele Genossen im Landes- bzw. Kreisverband sie noch gar nicht richtig. Das dürfte sich mittlerweile geändert haben. Die einstige „Blonde mit dem Dauergrinsen“ aus der Altmark ist kein politisches Leichtgewicht.

Sie selbst gibt zu: Es ist nicht die beste Phase in der Geschichte der SPD. Da kommt der frische, jugendliche Elan womöglich zum besten Zeitpunkt. Selbst denken, nicht dem Trend hinterherlaufen; Ideen haben, für die man einsteht, will sich die 28-Jährige im Gespräch mit der AZ etwa zu den derzeit angesagten Grünen abgrenzen.

Habeck als Wahlgegner

Stichwort Grüne: Deren Bundesvorsitzender Robert Habeck ist im Herbst ein direkter Gegenkandidat um das Direktmandat im hohen Norden. Ein spannender Aspekt, meint die junge SPD-Politikerin gegenüber der AZ. Und wer weiß: Wer gegen solch hochkarätige Konkurrenz antritt und sich gut schlägt, der empfiehlt sich in Zukunft möglicherweise für ganz andere Aufgaben.

Franziska Brzezicha kann auch Vergleiche ziehen – zwischen der Altmark und Schleswig-Holstein. Dort im Norden hätten die Menschen eine andere Zuneigung zur Politik; Parteien seien wesentlich präsenter. Den Leuten selbst bescheinigt sie eine ähnliche Gelassenheit.

Regionenvergleich

Beim Glasfaserausbau hätte das westdeutsche Bundesland die Nase vor, beim Mobilfunk hingegen nicht. Punkten könne die Altmark zudem mit dem öffentlichen Nahverkehr. In ihrer Wahlheimat sei doch alles auf Individualverkehr zugeschnitten. Die zuletzt in Arendsee diskutierten Mitfahrbänke sieht sie skeptisch: nette Idee, aber wenig planbar. In Corona-Zeiten würden die Leute außerdem nicht in fremde Autos einsteigen.

Weil ihr Wahlkreis groß ist, fährt die 28-jährige Direktkandidatin der SPD viel herum. Besuche in der Tagespflege, in der Kita oder eine Radtour mit einem Ortsverein sind solche Termine. Der Wahlkampf ist dennoch ein anderer als gewohnt. Videos, Facebook und Instagram gehören natürlich dazu. Für die junge Frau im Norden alltägliches Handwerk.

Längerfristiges Projekt

Eine Schattenseite gibt es aber doch: Reicht es bei der Bundestagswahl für Franziska Brzezicha nicht, habe sie keinen Plan B. Mit der Jobsituation auf dem Land sei es schwierig, gibt sie zu. Sie würde gerne in Schleswig-Holstein bleiben; ihre Kandidatur solle keine Eintagsfliege sein, sondern ein langfristiges Projekt. Notfalls müsste sie pendeln. Die Altmark würde sie gerne begrüßen.

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