Fünf Gemälde, keine Nutztiere

46-seitige Eröffnungsbilanz offenbart das Vermögen der Einheitsgemeinde

Die Arendseer Weltzeituhr
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Die Weltzeituhr findet in der neuen Eröffnungsbilanz von Arendsee Erwähnung. Alle 24 Denkmäler der Einheitsgemeinde zusammen hatten zu Beginn des Jahres 2013 einen Wert von knapp 37 000 Euro.
  • Jens Heymann
    vonJens Heymann
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Wie viel ist die Einheitsgemeinde Arendsee eigentlich wert? Seit einigen Wochen lässt sich diese oberflächliche Frage mit einem kleinen Haken ziemlich genau beantworten. Es sind laut Eröffnungsbilanz rund 44,3 Millionen Euro. Der Haken an der Sache: Diese Zahl bezieht sich auf den Stichtag 1. Januar 2013.

Arendsee – Wer sich die Mühe macht, in der Bilanz zu blättern, der kann sich ein gutes Bild von der Einheitsgemeinde (von vor acht Jahren) machen. So befanden sich damals gut sechs Millionen Quadratmeter Boden in öffentlichem Besitz. Ein Quadratmeter Wald wird beispielsweise mit zehn Cent bewertet; Grünflächen sind mit 1,50 Euro deutlich wertvoller. Hinzu kommen 152 Gebäude bzw. Vordächer. Alles zusammen rund elf Millionen Euro wert.

Diskussionen um den Verkauf von Dorfgemeinschaftshäusern können nun mit Zahlen unterlegt werden. 2013 hatten diese mit den Außenanlagen noch einen Wert von rund 1,9 Millionen Euro.

Den größten Batzen des Vermögens machen Straßen, Plätze, Beleuchtung, Entwässerung usw. aus. 18,4 Millionen Euro verbuchte die Stadtverwaltung dafür. Darunter befindet sich nicht ein einziger Euro für Gleisanlagen. Mit der Bilanz wird außerdem klar: Die Stadt betreibt keine Landwirtschaft. Nutzpflanzen oder -tiere befinden sich nicht in öffentlichem Eigentum. Dafür aber fünf Gemälde, die aber allesamt nur einen Liebhaberwert von jeweils einem Euro haben.

Weil diese Auflistungen den Stand von Anfang 2013 wiedergeben, sind Diskrepanzen zwangsläufig. Längst etablierte Einrichtungen wie die Kita „Seeperle“ oder die Grundschule „Auf Zack“ tauchen in der Eröffnungsbilanz allenfalls am Rande auf; dafür spielen teilweise längst abgerissene Gebäude wie die alte Kita „Zur Mühle“ noch eine größere Rolle.

Kurios mutet zudem der Hinweis auf die Beteiligung der Einheitsgemeinde an der Jeetze-Landschaftssanierung an. Die Gesellschaft ist durch die Stadt Salzwedel bereits liquidiert worden.

Transparent geht es ebenfalls bei den Konten zu. Am 1. Januar 2013 hatte die Stadt keinen Cent in der Barkasse, dafür 2800 Euro auf einem Giro- und 580 Euro auf einem Tagesgeldkonto. Das kann also mal jeder mit seinen privaten Beständen vergleichen.

Jahrelang ist im Arendseer Rathaus fleißig an dieser Bilanz, eine Art Generalinventur samt Bewertung, gearbeitet worden. Allen Grundstücken, allen Straßen und Gebäuden, allen Beteiligungen ist ein Preisschild verpasst worden. In vielen Zweier- oder Dreierteams sind sämtliche Etagen des Rathauses, alle Gerätehäuser, alle Dorfgemeinschaftshäuser, Trauerhallen und Kitas durchleuchtet worden – mit Ansager und Aufschreiber.

Dass so viele Jahre mittlerweile vergangen sind, verdeutlicht den Aufwand. Und alles neben dem Tagesgeschäft, betonte Bürgermeister Norman Klebe während der jüngsten öffentlichen Präsentation. Eine Wahl hatten die Arendseer nicht – die Eröffnungsbilanz ist Bestandteil der Haushaltsführung.

„Es ist doch so, als ob ich in ein Märchenbuch schaue“, kommentierte Stadtrat Uwe Walter bei der Vorstellung. Ihm und anderen Lokalpolitikern macht die Diskrepanz von mittlerweile mehr als acht Jahren doch ein wenig zu schaffen. Logisch, dass an die Stadtverwaltung schnell die Frage ging, wann denn aktuelle Zahlen vorliegen. 2023 soll der Jahresabschluss 2021 vorliegen. Ein sportliches Ziel, gab die Kämmerei von sich aus zu.

Wer sich das 46 Seiten starke Dokument einmal selbst anschauen will, wird online im Bürgerinfoportal der Stadt fündig. Sämtliche Unterlagen lassen sich im Finanzausschuss vom 4. Mai finden.

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