1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Arendsee

30 Jahre Kinder- und Jugenderholungszentrum Arendsee

Erstellt:

Kommentare

1951 waren die Kinder im damaligen Pionierlager „Maurice Thorez“ noch in Zelten untergebracht.
1951 waren die Kinder im damaligen Pionierlager „Maurice Thorez“ noch in Zelten untergebracht. Seitdem hat sich die Ferienanlage in Arendsee stark weiterentwickelt. An Ideen mangelt es nach wie vor nicht. © Freier Mitarbeiter

Das Kinder- und Jugenderholungszentrum in Arendsee, kurz KiEZ, feiert am Donnerstag, 10., und Freitag, 11. November, sein 30-jähriges Bestehen. Doch das 90 Hektar große Areal im Lindenpark hat eine weitaus längere Geschichte.

Arendsee – Bereits vor dem 2. Weltkrieg wurde es von der Hitlerjugend (HJ) als Zeltlager und unter anderem für Luftschutzübungen und Ähnliches genutzt. Danach blieb das Gelände bis 1950 weitgehend ungenutzt.

In diesem Jahr wurde das Pionier-Zeltlager „Maurice Thorez“, das in der Bevölkerung nur „Mau-Mau“ genannt wurde, als eines der ersten seiner Art in der Seestadt gegründet. 1953 wurde es zum Zentralen Pionierlager „Maurice Thorez“ ausgebaut und erweitert. Als Trägerbetrieb war der VEB Schwermaschinenbau „Karl Liebknecht“, später Schwermaschinenbau-Kombinat „Karl Liebknecht“ (SKL) Magdeburg, für alle wirtschaftlichen Belange des Ferienobjektes bis zur Wende 1990 zuständig.

Das Pionierlager war anfangs ein reines Sommerlager, und die Unterkünfte für die Kinder und Jugendlichen bestanden aus großen Zelten, in denen die Doppelstockbetten teilweise noch mit Stroh gestopft waren. Gegessen wurde in einer Wirtschaftsbaracke.

Ab 1960 wurden dann die ersten Bungalows auf dem Gelände errichtet und neue Sanitäranlagen gebaut. Im selben Jahr besuchten zum Abschluss der Wische-Aktion der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht mit Frau Lotte sowie der damalige FDJ-Vorsitzende Erich Honecker das Ferienobjekt in Arendsee. In den 70er-Jahren wurde das „Mau-Mau“ zum Internationalen Pionierlager mit Gästen aus den sozialistischen Ländern sowie aus Frankreich, Italien und der BRD.

Die Teilnahme an einem der drei 14- bis 18-tägigen Durchgängen während der Sommerferien war für die bis zu 1000 Pioniere und FDJ-ler in der Regel eine Auszeichnung und zumeist kostenlos – oder es wurde nur ein geringer Kostenanteil verlangt. In den 80er-Jahren diente das Pionierlager außerhalb der Saison auch für die GST (Gesellschaft für Sport und Technik) zur Ausbildung der 9. Klassen sowie für die vormilitärische Ausbildung der Jugendlichen vor Beginn ihrer Lehrzeit.

Nach der Wende begann eine schwere und ungewisse Zeit für das Pionierlager. Um das 90 Hektar große Areal für die Kinder und Jugendlichen zu erhalten, wurde der Verein Kinder und Jugenderholungszentrum Arendsee mit 23 Gründungsmitgliedern am 10. November 1992 ins Leben gerufen. Zur ersten Vorsitzenden wurde Irmela Spöttle gewählt, dem ersten Vorstand gehörten weiterhin Werner Woytek, Christiane Meyer, Otto F. Goyer und Christiane Ludwiozak an.

Das Gelände des ehemaligen Pionierlagers gehörte zunächst zum gemeinnützigen Träger Kindervereinigung Magdeburg, bevor dann im Mai 1994 eine Objektübergabe (Pachtvertrag) an den Arendseer Verein erfolgte.

1998 konnte dieser das Gelände für 850 000 D-Mark kaufen und mit der eigentlichen Modernisierung der Einrichtung beginnen. Nach dem Erwerb, bei dem der KiEZ-Verein vor allem vom Magdeburger Ministerium für Soziales sowie dem Altmarkkreis unterstützt worden war, konnten zahlreiche Bau- und Sanierungsarbeiten ausgeführt werden. So wurden unter anderem mehrere alte Holzbungalows abgerissen und durch sechs neue, ganzjährig nutzbare Bungalows ersetzt. 2003 wurde die Spiel- und Sporttenne, 2007 das Freizeitzentrum umgebaut und eingeweiht. Jüngste Bauprojekte waren das Turmhaus, das 2017 für zirka 800 000 Euro errichtet wurde, sowie die Außensanierung des alten Duschhauses im Jahr 2019.

Zum 1. Januar 2020 übergab Irmela Spöttle die Geschäftsleitung des KiEZ, die sie im Sommer 1990 von Kerstin Paul übernommen hatte, an Kirsten Hohmeyer. Für die etwa 50 000 Übernachtungen im Jahr stehen 300 Betten ganzjährig und weitere 200 Betten für den Sommerbetrieb zur Verfügung. Damit ist das KiEZ ein wichtiger Werbeträger und Botschafter für die Seestadt und den Tourismus in der Altmark. Mit seinen 28 Beschäftigten und mehreren Saisonkräften ist es weiterhin ein bedeutender Arbeitgeber in der Stadt.

Auch interessant

Kommentare