Katastrophe oder Kultur-Urknall?

1200 Jahre Seeeinbruch: Unterschiedliche Ansichten zu geplanten Festlichkeiten

Der Arendsee mitsamt Stadt aus der Luft
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Der Arendsee mitsamt Stadt aus der Luft: Vor knapp 1200 Jahren soll es den ersten Seeeinbruch gegeben haben. Während erste Ideen für angemessene Feierlichkeiten entstehen, gibt es auch kritische Stimmen, die lieber das gleichzeitige Kurstadt-Jubiläum im Vordergrund sähen.
  • Jens Heymann
    VonJens Heymann
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Im kommenden Jahr soll in der Einheitsgemeinde Arendsee der 1200. Jahrestag des ersten Seeeinbruchs von 822 gefeiert werden. Dazu hat der städtische Sozialausschuss am Dienstag in Mechau die ersten Überlegungen bezüglich der Organisation getroffen.

Arendsee – Einige Stadträte sowie Mitarbeiter der Verwaltung und natürlich interessierte Vereine sollen sich ins Festkomitee einbringen. Denn das vermutlich größte Fest seit dem 825. Geburtstag von Arendsee im Jahr 2009 muss sorgfältig und rechtzeitig geplant werden.

Die Schwierigkeiten beginnen dabei eher, als so mancher gedacht hätte. Nämlich schon ganz grundsätzlich. Stadtrat Uwe Walter (CDU / SPD), für den frisch zurückgetretenen René Schackert anwesend, fragte sich während des Sozialausschusses, ob denn wirklich eine Katastrophe gefeiert werden sollte. Ein passender Rahmen wäre für ihn das ebenfalls im nächsten Jahr anstehende 150. Jubiläum Arendsees als Kurort. Der Seeeinbruch könnte dann in eine wissenschaftlichere Richtung gebracht werden.

Die Widerrede ließ nicht lange auf sich warten. Jens Reichardt (Arendsee-Land / Freie Liste), seinerseits für den verhinderten Hartmut Baier dabei, formulierte es recht griffig: „Arendsee wäre nicht Arendsee, wenn der Arendsee nicht wäre.“ Der Seeeinbruch also gewissermaßen als kultureller Urknall der Region. Den Katastrophenaspekt sehe Reichardt nicht so problematisch. Personen- oder Materialschäden seien ihm nicht bekannt. Im Ergebnis habe sich die Stadt entwickelt, und das könne gefeiert werden.

Wie dem auch sei: Arendsees Bürgermeister Norman Klebe zog besagte 825-Jahr-Feier als Blaupause heran. So ähnlich sollte die Organisation laufen. Möglicherweise könnte sich daraus auch etwas Dauerhaftes entwickeln. Bei der Planung sollte auf jeden Fall auf Ferien und andere Feste in der Region geachtet werden.

Einige Ideen gibt es mittlerweile: Bürgermeister Klebe hatte bereits im Mai-Stadtrat von einer Veranstaltung des Landesamts für Geologie und Bergwesen am 18. September 2022 berichtet. Zu diesem Tag des Geotops soll es unter anderem eine See-Exkursion geben. Geplant sei außerdem eine Infotafel über den Salzstock Arendsee. Auch das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie habe sich laut Klebe gemeldet. Details umfassen nach Aussagen aus dem Stadtrat etwa eine dreidimensionale Erfassung des Seeeinbruchs, einen Unterwasserfilm und das Bergen eines mittelalterlichen Fährschiffs. Da müsse jedoch noch einiges abgestimmt werden, so der Stadtchef später gegenüber der AZ. Arendsee selbst müsste wohl rund 10 000 Euro investieren, hatte Klebe schon im Mai über mögliche Kosten geredet.

Die Arbeitsgemeinschaft „Der Arendsee“ wolle ein Symposium, also eine wissenschaftliche Konferenz veranstalten, hieß es seinerzeit. Zwei damals von Thomas Schlicke (Linke) eingereichte Anträge wurden nun im Sozialausschuss in Mechau nicht behandelt: So schlägt die Links-Fraktion etwa vor, im Zuge der 1200-Jahr-Feier den Kunst- und Kulturpreis für 2021 und 2022 zu vergeben. Dieses Anliegen ist nach AZ-Informationen schlicht vergessen worden.

Übrigens: Der Seeeinbruch von 822 kann nach so langer Zeit nicht mehr zweifelsfrei nachgewiesen werden. Er gilt aber als Übergang vom Flachwasser- zum Tiefwassersee.

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