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100-jähriges Bestehen der Feuerwehr Neulingen gefeiert

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Beim Umzug durch den Ort waren nicht nur die Freiwillige Feuerwehr aus Neulingen, sondern auch die Gastwehren aus Zehren, Gagel und Leppin dabei. Die Gastwehren nahmen auch den Wettkämpfen teil, bei denen das Team aus Zehren den Wanderpokal gewann. © Eckehard Schwarz

„Uns kommt es bei den heutigen Wettkämpfen weniger auf die Zeiten an, sondern vielmehr darauf, dass die herrliche alte Technik hier einmal in Aktion gezeigt werden kann“, betonte Ortsbürgermeister und Feuerwehrmann Axel Tiemann bei der Begrüßung der Gastwehren aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr am Sonnabend, 1. Oktober, in Neulingen.

Neulingen. Als pünktlich um 10.30 Uhr dann im Ort die Sirene aufheulte, kam nicht etwa die moderne Technik aus den verschiedensten Arendseer Ortsteilen zum Einsatz, sondern über 100 Jahre alte Löschpumpen aus Leppin, Zehren und Gagel.

Was die Gastwehren an nutzbarer alter Technik mitbrachten, war für die Technikfreunde sehr sehenswert. Da war der kleine, überraschend leistungsfähige Handlöschwagen aus Gagel aus dem Jahre 1898 der Firma H. Bräunert, der von den Kameraden um Johannes und Otto Benecke und ihren fleißigen Helfern liebevoll restauriert wurde.

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Die alte Löschtechnik kam zum Einsatz, sehr zur Freude der Besucher, denn so etwas sieht man heute selten. © Eckehard Schwarz

Doch auch die Handdruckpumpe aus dem Jahre 1913 der Firma Metschner aus Wittenberge der Feuerwehr Leppin sowie der gleichaltrige Wagen aus Zehren begeisterten die Besucher. „Leider haben wir keinen eigenen alten Löschwagen mehr, und wir wissen auch nicht, wo er abgeblieben ist“, bedauerte Ortswehrleiter Christian Vogt, und Axel Tiemann, der den Wettkampf der Handspritzpumpen auch gekonnt wieder moderierte, stimmte ihm zu.

Dass diese nicht nur zum Betrachten da waren und auch heute noch fachmännisch bedient werden können, zeigten die Brandbekämpfer dann bei ihren Löschangriffen und beim anschließenden Weitspritzen. Dabei erreichten die jeweiligen Teams bei doch recht kräftigem Wind an allen Pumpen und sechs Mann Besatzung sogar weit über 20 Meter.

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Christian Vogt (2.v.l.) überreichte den Wanderpokal an Tobias Abel von der Wehr aus Zehren. © Eckehard Schwarz

Sieger dieses Wettbewerbes um den Wanderpokal der Feuerwehr Neulingen wurde das Team aus Zehren, vor den gastgebenden Neulingern sowie den Teams aus Gagel und Leppin. Zur Pokalübergabe war auch der Arendseer Stadtwehrleiter Marek Weiß erschienen, der die Glückwünsche der Stadt zum Jubiläum der Neulinger Wehr überbrachte und gemeinsam mit Christian Vogt den großen Pokal an die Sieger überreichte.

Am Nachmittag standen dann noch einige kleine Spaßwettkämpfe der Wehren im Vordergrund, bevor dann am Abend mit einem sehr informativen Vortrag zu 751 Jahre Neulingen von Axel Tiemann fortgesetzt wurde.

Er berichtete unter anderem vom Brand der Kirche am 6. Oktober 1912, als der Kirchturm komplett ausbrannte und die Glocke und das Turmdach einstürzten.

Angesichts des Kirchturmbrandes und mehrerer Brände im Ort, darunter 1915 der Backhausbrand auf dem Hof Ollendorf / Paul Tiemann und eines großen Waldbrandes im Kapermoor, bei dem die Neulinger mit ihrer Handdruckspritze zur Feuerbekämpfung dabei waren, fasten die Neulinger Einwohner am 15. Januar 1922 den Entschluss, eine eigene Feuerwehr zu gründen.

Da zu einer Wehr damals immer 20 einsatzfähige, gesunde Bürger im Alter über 18 Jahren benötigt wurden, jedoch nur 18 Bürger im Ort waren, wurden Emil Zander und Walter Mertens, die zu diesem Zeitpunkt erst 17 Jahre alt waren, ebenfalls in die Feuerwehr berufen. Erster Brandmeister in Neulingen wurde Landwirt Walter Ollendorf, sein Stellvertreter Landwirt Fritz Abel, Schriftführer Lehrer Görges. Spritzenmeister der Schmiedemeister Wilhelm Nüse.

Die Wehr wurde, wie Axel Tiemann berichtete, durch die befreundete Feuerwehr in Leppin aktiv unterstützt und ausgebildet, sodass sie bereits Anfang September 1922 voll einsatzbereit war.

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