Nach Insolvenz

Weltbild und Hugendubel gehen getrennte Wege

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Augsburg - Sechs Wochen nach der Insolvenz der Weltbild-Verlagsgruppe beendet das Unternehmen die Kooperation mit der Buchhändlerfamilie Hugendubel.

Die etwa 300 bislang betriebenen Buchhandlungen werden unter den beiden Unternehmen aufgeteilt, berichtete Weltbild am Freitag. Für den Insolvenzverwalter wird es damit einfacher, Geldgeber für Weltbild zu finden, weil nun auch das Filialgeschäft wieder allein in der Hand des Verlages liegt. „Die Entflechtung der Gesellschafterstruktur erhöht die Chance, eine Gesamtsanierung von Weltbild zu erreichen“, sagte der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Rund 3100 Mitarbeiter in ganz Deutschland sind von dem Schritt betroffen.

Bislang konnte Geiwitz nicht uneingeschränkt über die unter dem Namen „Weltbild“ betriebenen Filialen verfügen, weil das Gemeinschaftsunternehmen DBH zwischengeschaltet war. Dies wurde nun geändert. Die Filialtochter mit etwa 220 Weltbild-Geschäften und 1400 Beschäftigten sind nun wieder direkt an die seit Januar von der Insolvenz bedrohte Konzernmutter angeschlossen. Dazu gehören auch die Restpostenmärkte, die unter der Marke „Jokers“ betrieben werden.

Außerdem wurde die Filialtochter vom Augsburger Amtsgericht unter ein Schutzschirmverfahren gestellt, wie das Unternehmen berichtete. Das relativ neue Verfahren ermöglicht die Sanierung eines Unternehmens mit den aus dem Insolvenzrecht bekannten Methoden, ohne den Schritt bis zum eigentlichen Insolvenzantrag zu gehen.

Beim Weltbild-Verlag selbst mit seinem Onlinehandel bangen in Augsburg zusätzlich rund 2200 Beschäftigte um ihre Jobs. Geiwitz hatte von Anfang an betont, dass er den Konzern möglichst erhalten möchte und keinen Einzelverkauf von Betriebsteilen an Investoren anstrebe.

Obwohl DBH bislang nicht direkt von der Pleite betroffen war, wurde befürchtet, dass die Filialkette im Strudel der Insolvenz mit in die Tiefe gerissen wird. Hugendubel hatte mit dem Erzbistum München als Weltbild-Gesellschafter deswegen schon in den vergangenen Wochen verhandelt, um frisches Geld zu erhalten. Die Diözese will Hugendubel, das künftig DBH alleine betreibt, mit bis zu 20 Millionen Euro unterstützen. Die Hälfte des Geldes ist bereits geflossen.

Die Familie Hugendubel ist insbesondere für ihre großflächigen Buchhandlungen bekannt. Der Fortbestand des 120 Jahre alten Unternehmens mit etwa 2000 Mitarbeitern sei nun gesichert, teilte Hugendubel mit. Das Unternehmen ist längst nicht mehr nur in Bayern präsent, Hugendubel-Filialen gibt es auch in Berlin, Hamburg, Hannover, Stuttgart oder Frankfurt am Main.

Künftig werden der Weltbild-Konzern und die Hugendubel-Gruppe nur noch bei dem E-Book-Großhändler Pubbles direkt zusammenarbeiten. Beide Unternehmen halten künftig je ein Viertel der Pubbles-Anteile. Zudem ist der Bertelsmann-Club an dem E-Book-Händler, der Inhalte für den E-Book-Reader Tolino bereitstellt, beteiligt.

dpa

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