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VW-Streit mit Zulieferer: Was wir wissen - und was nicht

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Volkswagen befindet sich im Streit mit zwei Zulieferern.

Wolfsburg - Es ist ein beispielloser Machtkampf zwischen dem Weltkonzern Volkswagen und zwei Zulieferern. Die Folgen des Lieferstopps werden immer deutlicher, vieles in dem Konflikt aber ist noch unklar.

Fehlende Teile für Getriebe und Sitze bringen die Produktion des mit Abstand wichtigsten Volkswagen-Modells Golf zum Erliegen. Ab Montag ruhen die Bänder in Wolfsburg, teils auch in Zwickau. Der Streit mit den Zulieferern ES Automobilguss und Car Trim, die zur Prevent-Gruppe gehören, hat spürbare Konsequenzen. Mehr Kurzarbeit ist möglich, Mitarbeiter und Kunden sind verunsichert.

VW-Streit: Was wir wissen

  • Weil zwei Zuliefererfirmen wichtige Teile nicht liefern, ruht bei Volkswagen die Produktion mancher Modelle. Betroffen sind nach Konzernangaben mehrere VW-Werke - alle voran das Stammwerk Wolfsburg mit der gestoppten Produktion des wichtigsten Modells Golf. Für insgesamt 27 700 Mitarbeiter seien „Flexibilisierungsmaßnahmen bis hin zu Kurzarbeit“ ergriffen worden.
  • Bei den Zulieferern handelt es sich um die sächsischen Firmen ES Automobilguss und Car Trim. ES stellt Getriebeteile her, Car Trim Sitzbezüge. Sie gehören zur Prevent-Gruppe.
  • VW ist bei den Komponenten, die nun nicht mehr geliefert werden, offensichtlich von den Zulieferern abhängig - vor allem bei dem wichtigen Getriebeteil. Nach dpa-Informationen hat sich VW bei dem Teil für das Erfolgsmodell Golf in weiten Teilen auf nur einen Zulieferer verlassen. Das Prinzip ist in der Branche bekannt als „Single Sourcing“ (Einzelquellenbeschaffung).
  • Volkswagen hat vor Gericht bisher Erfolge errungen. Das Landgericht Braunschweig erließ einstweilige Verfügungen, welche die Lieferanten zur Wiederaufnahme der Belieferung verpflichten. Im Fall des Getriebe-Lieferanten findet am 31. August eine Verhandlung über einen Widerspruch der Firma statt
  • Trotz der ersten Erfolge könnte VW allerdings mit den einstweiligen Verfügungen in der Hand frühestens Ende dieser Woche seine Ansprüche per Gerichtsvollzieher durchsetzen und die Teile holen lassen. Vorher steht nämlich noch eine finale Entscheidung des Gerichtes aus, das aktuell auf eine Stellungnahme der VW-Gegenseite wartet.
  • Für Kunden kann es laut VW zu Verzögerungen bei der Auslieferung ihrer bestellten Fahrzeuge kommen - Einzelheiten sind nicht bekannt.

VW-Streit: Was wir nicht wissen

  • Wie lange der Streit noch andauert, ist nicht vorauszusagen. Es laufen Verhandlungen über eine gütliche Einigung - Ausgang offen.
  • Die genauen Ursachen des Streits sind unklar. Die Absage eines Zukunftsprojektes mit Car Trim soll zumindest eine Wurzel der Querelen sein. Nach dpa-Informationen war VW dabei prinzipiell zu einem finanziellen Ausgleich bereit. Aber die Forderungen des Zulieferers sollen unrealistisch gewesen sein. Beide Parteien wollen sich offiziell nicht äußern. Warum die Lage eskalierte, ist unklar.
  • Die Zulieferer argumentieren, VW zwinge sie zu dem Lieferstopp, da der Autobauer „frist- und grundlos“ Aufträge gekündigt habe und einen finanziellen Ausgleich dafür ablehne. Es geht dabei um einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Der Lieferstopp geschehe zum Selbstschutz und im Kampf um die Zukunft der eigenen Mitarbeiter.
  • Ob hinter dem Konflikt eigentlich ein Preiskampf steht, ist unklar - darüber wird aber spekuliert. Wegen der immensen Belastungen durch den Abgasskandal muss der Konzern einen Sparkurs vor allem bei der renditeschwachen Konzern-Kernmarke VW verschärfen.
  • Unklar ist die Höhe des Schadens für Volkswagen durch den Produktionsstopp. Dies hängt wesentlich davon ab, wie lange der Konflikt noch andauert. Welche mittel- und langfristigen Folgen der Streit für die Komponentenstrategie bei VW hat, ist offen.

dpa

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