Twitter enttäuscht Börsianer

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Vor allem die Werbeerlöse fielen niedriger aus als erhofft. Foto: Jörg Carstensen

Keine Trendwende bei Twitter: Die Werbeeinnahmen sprudeln nicht mehr wie erhofft, Umsatzwachstum und Prognose fallen enttäuschend aus. Anleger schicken die bereits arg gebeutelte Aktie auf Talfahrt.

San Francisco (dpa) - Anleger warten weiter vergeblich auf Erfolgsmeldungen von Twitter. Im vergangenen Quartal schwächelte das Werbegeschäft, die Erlöse blieben deutlich unter den Erwartungen der Wall Street - die Aktie stürzte im vorbörslichen Handel um rund 14 Prozent ab.

Zwar legte der Umsatz in den drei Monaten bis Ende März im Jahresvergleich um 36 Prozent auf 594,5 Millionen Dollar (526,4 Mio Euro) zu, wie der Kurznachrichtendienst nach US-Börsenschluss am Dienstag mitteilte. Analysten hatten jedoch mit einem wesentlich höheren Wert gerechnet.

Besonders enttäuschend aus Sicht der Anleger: Die Werbeerlöse, Twitters wichtigste Geldquelle, wuchsen nur noch um 37 Prozent auf 595 Millionen Dollar. Im Vorquartal hatte es hier noch ein Plus von 48 Prozent gegeben. Twitter erklärte, die Nachfrage von großen Marken, die Produkte per Tweet bewerben, sei schwächer gewesen. Sie setzten stattdessen stärker auf Video.

Zudem wurden die Prognosen der Analysten beim Ausblick auf das laufende Vierteljahr massiv verfehlt. Twitter stellt Erlöse zwischen 590 und 610 Millionen Dollar in Aussicht. Finanzprofis waren von erheblich mehr ausgegangen.

Zumindest beim Nutzerwachstum konnte Mitgründer Jack Dorsey, der im letzten Jahr an die Firmenspitze zurückgekehrt war, Fortschritte vermelden. Die Zahl der aktiven Nutzer, die sich mindestens einmal pro Monat einloggen, stieg binnen drei Monaten von 305 auf 310 Millionen. Zugleich erklärte Twitter selbst dieses magere Wachstum mit "saisonalen Faktoren" wie die Oscar-Verleihung sowie einer Marketing-Offensive.

Im Schlussquartal 2015 hatte Twitter erstmals aktive Nutzer verloren. Das einst rasante Wachstum hatte sich bereits im vergangenen Jahr drastisch verlangsamt. Allerdings betonte Twitter zuletzt, man müsse eigentlich auch die rund 500 Millionen Internet-Nutzer dazurechnen, die Tweets zu sehen bekommen, ohne bei dem Dienst eingeloggt zu sein.

Dorsey will das Ruder durch einfachere Nutzbarkeit und neue Angebote wie Live-Übertragungen über die hauseigene Streaming-App Periscope herumreißen. So experimentiert Twitter in seien hauseigenen Apps mit einer individuellen Sortierung der Nachrichten per Algorithmus statt der bisherigen chronologischen Reihenfolge. Nur zwei Prozent der Nutzer hätten diese neue Funktion abgeschaltet, erklärte Twitter. Sie war vor einigen Wochen als Standard-Ansicht eingeführt worden und stieß auf heftige Kritik bei vielen eingefleischten Twitter-Nutzern.

Dorsey deutete in einer Telefonkonferenz mit Analysten nach Vorlage der Zahlen an, dass auf den Deal zur Übertragung von zehn Donnerstag-Spielen der American-Football-Liga NFL weitere ähnliche Vereinbarungen folgen könnten.

Das Unternehmen bleibt in den roten Zahlen, auch wenn der Verlust deutlich verringert wurde. Unter dem Strich ergab sich im ersten Quartal ein Minus von 79,7 Millionen Dollar. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es noch 162,4 Millionen Dollar gewesen.

Nutzer können über Twitter bis zu 140 Zeichen lange Nachrichten absetzen, die auch Links zu Websites, Bildern oder Videos enthalten können. Der vor gut zehn Jahren gestartete Dienst etablierte sich damit als Medium für die Verbreitung schneller Nachrichten.

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