Sanierer Whitacre übernimmt Ruder bei General Motors

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Ed Whitacre den Autobauer für nur einen Übergangszeitraum führen.

Detroit - Der als harter Sanierer bekannte GM-Verwaltungsrats-Chef Ed Whitacre übernimmt das Ruder beim Opel-Mutterkonzern. Vorstandschef Fritz Henderson war zuvor überraschend zurückgetreten.

Der 68-jährige Whitacre, vormals Chef des Telekommunikationsriesen AT&T, erklärte: “Alle Beteiligten stimmen darin überein, dass Veränderungen notwendig sind.“ Genral Motors (GM) müsse zur Profitabilität zurückkehren und die US-amerikanischen und kanadischen Staatshilfen so schnell wie möglich zurückzahlen. Mit Blick auf dieses Ziel müsse der Autokonzern sein Tempo beschleunigen.

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Whitacre will den Autobauer für nur einen Übergangszeitraum führen. Er kündigte an, der GM beginne nun international mit der Suche nach einem neuen Vorstandschef. Nach Angaben von Insidern war der GM-Verwaltungsrat aufgebracht darüber, dass der kriselnde Konzern nicht schneller in die Gewinnzone zurückkehrte. Am Dienstag hatte das Unternehmen die Zahlen für November vorgelegt, aus denen hervorging, dass der Absatz gegenüber dem Vorjahr um zwei Prozent gesunken war.

Am Verwaltungsrat gescheitert

Henderson soll nach Angaben von Vertrauten frustriert gewesen sein, weil er über zu wenig Rückhalt im Verwaltungsrat verfügte und sich von der US-Regierung bedrängt fühlte, den Wandel bei GM zu beschleunigen.

Der GM-Boss war zudem mit dem Verkauf von Opel an den kanadischen Zulieferer Magna am Widerstand des Verwaltungsrats gescheitert. Auch in Schweden musste Henderson eine Niederlage hinnehmen. Der Verkauf der defizitären schwedischen Tochter Saab an den skandinavischen Sportwagenbauer Koenigsegg platzte in letzter Sekunde geplatzt. Koenigsegg zog Ende November das Kaufangebot zurück.

Der 51-jährige Henderson war erst Ende März an die Spitze von General Motors gerückt, nachdem der damalige Konzernchef Rick Wagoner auf Druck der US-Regierung gehen musste. Henderson sollte GM wieder auf Kurs bringen. Er steuerte GM im Juni und Juli in Rekordzeit durch ein Insolvenzverfahren, mit dem GM von einer milliardenschweren Schuldenlast befreit wurde. Seitdem gehört GM mehrheitlich dem amerikanischen Staat.

US-Regierung an Entscheidung nicht beteiligt

Ein Sprecher der US-Regierung erklärte, der Wechsel an der Spitze sei eine alleinige Entscheidung des GM-Verwaltungsrates gewesen: “Die Regierung war in die Entscheidung nicht eingebunden.“

Vor seiner Berufung auf den Chefposten war Henderson als Chief Operating Officer im GM-Vorstand für das Tagesgeschäft verantwortlich. Bis 2005 war er Chef von GM Europe mit den Marken Opel, Vauxhall und Saab. In seine Zeit fällt der Umbau des Europageschäfts verbunden mit Kostensenkungen und dem Abbau von allein 9.500 Stellen bei Opel.

Nach Einschätzung von US-Branchenexperten braucht GM einen personellen Neuanfang, Henderson war seit 1984 bei GM. “Die Insolvenz ist nicht Folge der Wirtschaftskrise, die Schwierigkeiten deuteten sich bereits seit Jahren an. GM braucht einen Manager an der Spitze von außen“, sagte Ken Elias von der Beratungsfirma Maryann Keller und Associates.

Allerdings dürfte es nicht leicht werden, einen neuen Vorstandschef zu finden. Denn die US-Regierung entscheidet mit über die Vergütung von Top-Managern bei Unternehmen, die Staatshilfe erhalten haben. Bis es soweit ist, führt der Whitacre den Autokonzern. Der Wirtschaftsingenieur aus Texas war im Juli an die Spitze des GM-Verwaltungsrats berufen worden.

AP

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