Kreditnehmer und Nullzinspolitik

EU-Wohnungsimmobilien-kreditrichtlinie: Es war doch nur gut gemeint

Berlin – Eine Immobilie als Geldanlage ist in Zeiten des Niedrigzinses keine schlechte Idee. Doch wer über eine Neuanschaffung oder Renovierung nachdenkt, hat es neuerdings schwerer, die nötige Finanzspritze von der Bank zu bekommen. Grund ist eine neue EU-Richtlinie.

Seit dem 21. März diesen Jahres ist die Kreditvergabe nun wesentlich strenger geregelt als zuvor. Schuld ist die Umsetzung der EU-Wohnungsimmobilienkreditrichtlinie in deutsches Recht. Banken müssen die Bonität des Kreditnehmers genauer prüfen, Einkommen und Vermögen spielen eine wesentlich größere Rolle. Berät die Bank falsch, kann sie neuerdings zur Haftung gezogen werden. Auch deshalb wird vor allem die Wahrscheinlichkeit berechnet, ob sich der Antragsteller den Kredit langfristig leisten kann.

Die Grundidee dieser neuen Vorgaben: Verbraucher vor Finanzierungen zu schützen, die am Ende doch nicht getragen werden können. Die Änderungen bewirken aber leider auch, dass die Banken aus Angst vor Haftung bei der Kreditvergabe nun deutlich vorsichtiger sind: Viele Darlehen, die noch im Winter letzten Jahres mit Sicherheit gewährt worden wären, hätten inzwischen keine Chance mehr auf eine Bewilligung. Ein niedriges Einkommen kann dazu führen, dass die Kreditwürdigkeit heruntergestuft wird. Für manche Interessenten ist die Kreditaufnahme so zum Ding der Unmöglichkeit geworden.

Einzelne Personengruppen haben es schwerer

Vor allem betroffen sind ausländische Immobilieninteressenten, Rentner und der ärmere Teil der Bevölkerung. Sie haben geringe bis gar keine Chancen mehr bei der Kreditvergabe. Europäischen Immobilieninteressenten, die ihr Geld in Ländern wie Schweden oder Polen – also außerhalb des Euroraums – verdienen, bleibt nur eine sehr komplizierte Möglichkeit um an ein Darlehen zu kommen: Betroffene müssten eine GmbH im Inland gründen, welche dann die Immobilie erwerben soll. Grund für diese Benachteiligung sind Fremdwährungsrisiken, wie Kursschwankungen, für die Banken nun ebenfalls haften müssen.

Rentner sehen sich gleich zwei Problemen gegenübergestellt: Zwar wohnen sie oft in abbezahlten Häusern, können aber zum einen kein großes Einkommen verzeichnen. Zum anderen sieht das neue Gesetz vor, dass ein Kredit innerhalb der „statistischen Lebenserwartung“ zurückgezahlt werden muss – je älter der Kreditnehmer, umso unrealistischer aber die Rückzahlung innerhalb dieser Zeit. Somit wird der Kredit zur altersgerechten Renovierung des Hauses in den meisten Fällen nicht mehr gewährt.

Wenn bei jungen Eltern nicht fest gesagt werden kann, ob der Beruf nach der Elternzeit wieder aufgenommen werden kann, ist ein langfristiges Einkommen aus Sicht der Bank nicht gesichert. Da gerade auf den Punkt wert gelegt wird, schwinden die Aussichten auf das Darlehen.

Dennoch: Immobilien bleiben eine geeignete Geldanlage

Auch wenn sich die Rahmenbedingungen zur Kreditvergabe scheinbar zu Ungunsten des Verbrauchers geändert haben, fährt man mit Immobilien als Anlagestrategie gleichbleibend gut. Wem Aktien zu spekulativ und Sparbücher zu renditeschwach sind, der sollte in Zeiten des Niedrigzinses diese Alternative in seine Überlegungen mit einschließen.

Trotz des horrenden Nullzinses gibt es dennoch Möglichkeiten auf dem Finanzmarkt zu profitieren: Gewinner der aktuellen Geldpolitik der EZB sind die Kreditnehmer. Noch nie war es so günstig sich zu verschulden, wie heutzutage – auch wenn die Kreditaufnahme durch die EU-Richtlinie schwieriger wird. Umso wichtiger wird die Vorbereitung und Planung bei der Kreditaufnahme; sei es ein Ratenkredit oder zu Baufinanzierungszwecken, je vollständiger die Unterlagen und umso durchdachter der Finanzierungsplan, desto wahrscheinlicher wird die Kreditbewilligung. Die gängigen Tipps in dieser Sache reichen zusätzlich von möglichst viel Eigenkapital, über das Vereinbaren von Sondertilgungen bis zum Involvieren eines zweiten Kreditnehmers.

Schätzen Sie unbedingt den Kreditbedarf realistisch ein und vereinbaren Sie eine Laufzeit mit Monatsraten, die Sie auch tilgen können. Oft vernachlässigt, aber umso wichtiger: Vorher eine Schufa-Auskunft anzufordern und gegebenenfalls Fehler korrigieren zu lassen. Die Eigenauskunft können Sie einmal im Jahr kostenlos beantragen.

Günstige Kredite sind also die Strategie, mit der in Zeiten von Draghis Nullzins-Politik profitiert werden kann. Umso bedauernswerter ist es, dass diese Möglichkeit nun durch die Richtlinienumsetzung für einige extrem eingeschränkt wurde.

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