Bundesagentur rechnet für 2012 mit 2,7 Millionen Arbeitslosen

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Die Bundesagentur rechnet für 2012 mit 2,7 Millionen Arbeitslosen.

Nürnberg - Selten war die Bundesagentur so optimistisch: Nach ihrer Einschätzung geht der deutsche Jobaufschwung auch im Jahr 2012 weiter. Dafür spreche die stabile Konjunktur.

Trotz leichter saisonüblicher Eintrübung im Juli sieht die Bundesagentur für Arbeit (BA) derzeit keine Anzeichen für ein Ende des Job-Booms. Auch im Jahr 2012 werde die Zahl der Arbeitslosen noch einmal zurückgehen und auf 2,7 Millionen im Jahresdurchschnitt sinken, prognostizierte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt am Donnerstag in Nürnberg. “Die deutsche Wirtschaft hat sich auf hohem Niveau stabilisiert. Ich gehe davon aus, dass sich die positive Entwicklung fortsetzt.“ Dagegen erwarten mehrere Bankenvolkswirte ab dem Jahresende wieder steigende Arbeitslosenzahlen.

Im Juli waren nach BA-Angaben 2,939 Millionen Menschen offiziell als jobsuchend gemeldet. Das waren 46.000 Menschen mehr als im Juni, aber 247.000 weniger als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote legte um 0,1 Punkte auf 7,0 Prozent zu, nachdem sie vor einem Jahr noch bei 7,6 Prozent gelegen hatte.

Etwas verhalten fällt die Prognose von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) aus. Auch sie sieht zwar in der saisonüblichen Delle bei den Arbeitsmarktzahlen kein Alarmzeichen. Trotzdem mehren sich in ihren Augen die Hinweise, dass sich mit dem Wachstum auch der Jobaufbau am Arbeitsmarkt verlangsamt.

Bankenvolkswirte verweisen darüberhinaus auf die deutlichen Anzeichen für eine Eintrübung der Weltwirtschaft. Dem werde sich auch die deutsche Wirtschaft und mit gewisser Verzögerung auch der deutsche Arbeitsmarkt nicht entziehen können; gegen Jahresende könnte der Aufschwung zu Ende gehen.

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juli hat nach BA-Einschätzung jedoch allein jahreszeitliche Gründe. Viele Unternehmen zögerten während der Sommer- oder vor Beginn der Werksferien mit Neueinstellungen. Außerdem meldeten sich viele Jugendliche nach Abschluss von Schule oder Ausbildung vorübergehend arbeitslos. Dass sich an der grundlegend positiven Tendenz nichts geändert hat, zeige die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl. Ohne die jahreszeitlichen Besonderheiten wäre die Zahl der Jobsucher im Juli um 11 000 zurückgegangen - um 8000 im Westen und 3000 im Osten Deutschlands.

Auch beim Blick in die Beschäftigtenstatistik stehen die Zeichen derzeit noch auf Aufschwung. So stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nach den jüngsten Daten vom Mai um 86 000 auf 28,37 Millionen. Binnen Jahresfrist sind damit nach vorläufigen BA-Angaben 706 000 reguläre Jobs neu entstanden, darunter 415 000 Vollzeit- und 291 000 Teilzeitstellen.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sieht Deutschland derweil auf dem Weg in die Vollbeschäftigung. “Die saisonbereinigte Betrachtung zeigt, dass die Beschäftigung mit bemerkenswerter Beharrlichkeit weiter aufgebaut wird und die Arbeitslosigkeit entsprechend weiter sinkt“, erklärte Rösler in Berlin. Ungleich kritischer beurteilen hingegen die Grünen im Bundestag die aktuelle Arbeitsmarktlage. Sie fürchten, dass mit der Kürzung bei der Arbeitsmarktförderung Langzeitarbeitslose abgehängt werden. Diese Gruppe müsse stärker gefördert werden.

Vor einer “Spaltung des Arbeitsmarktes“ warnte am Donnerstag auch das DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Hartz-IV-Empfänger und Geringqualifizierte profitierten nur unterdurchschnittlich von der guten Entwicklung. Für diese müsse daher wieder mehr Geld für Fort- und Weiterbildung bereitgestellt werden. Dagegen warnte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) davor, die Arbeitsmarkterfolge mit populären Zerrbildern zu schmälern. Flexible Beschäftigung dürfe nicht als prekär diffamiert werden, heißt es in einer BDA-Mitteilung. Erst ein gesunder Mix von Vollzeit und Teilzeit habe das deutsche Jobwunder ermöglicht.

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