Ärztestreik: Patienten müssen viel Geduld aufbringen

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Ausnahmezustand an vielen kommunalen Kliniken in Deutschland: Mit dem Streik der Ärzte sollen die Tarifforderungen der Mediziner durchgesetzt werden.

Berlin /München - Für viele Patienten in deutschen Kliniken heißt es jetzt, sich in Geduld zu üben. Der Ärztestreik sorgt an den betroffenen Häusern in mehreren Bundesländern für gewaltige Störungen des Betriebs.

Rund 15 000 Ärzte haben sich am Montag nach Gewerkschaftsangaben an den bundesweiten Streiks in kommunalen Kliniken beteiligt. Mehr als 200 der rund 700 Krankenhäuser in kommunaler Trägerschaft seien betroffen, sagte der Bundesvorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke, am Montag in München.

“Die Krankenhäuser werden auf Wochenend-Niveau heruntergefahren.“ Henke bekräftigte die Tarifforderung der Ärzte, vor allem die Forderung nach besserer Vergütung der Nacht- und Bereitschaftsdienste. Die Arbeitgeber müssten dafür sorgen, dass die Arbeitsbedingungen für die Mediziner wieder attraktiver würden. Ansonsten drohten - bei weniger Ärzten - irgendwann “schwere Versorgungsengpässe“, warnte er.

Mit unbefristeten Streiks in mehreren Bundesländern wollen Ärzte kommunaler Kliniken für ihre Tarifforderungen Druck machen. Seit Montagmorgen müssen Klinikpatienten deswegen mit längeren Wartezeiten rechnen.

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Den Medizinern geht es um mehr Gehalt und eine bessere Bezahlung von Bereitschaftsdiensten. “Nach den Rückmeldungen aus unseren Landesverbänden sind etwa 200 kommunale Krankenhäuser betroffen - bundesweit, aber mit unterschiedlicher Intensität in den Ländern“, sagte Hans-Jörg Freese, Sprecher der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, der Nachrichtenagentur dpa.

Spürbare Auswirkungen mit Ärztestreiks an knapp 40 Krankenhäusern hatte der Arbeitskampf beispielsweise in Baden-Württemberg. Auch aus Rheinland-Pfalz wurden am Vormittag Streiks in zahlreichen Krankenhäusern gemeldet. Sachsen, Thüringen und Mecklenburg- Vorpommern waren nach ersten Rückmeldungen des Marburger Bundes am Montag noch nicht betroffen.

Zum Auftakt der Streikwoche der Klinikärzte ist am Nachmittag auch eine zentrale Kundgebung in München geplant (15.00). Für Patienten bedeutet der Streik, dass die Versorgung der Notfälle gesichert ist, planbare Operationen aber verschoben werden. Die Gewerkschaft will am Freitag entscheiden, ob der Ausstand fortgesetzt wird. Nicht gestreikt wird in Hamburg und Berlin, wo Tarifverträge mit den kommunalen Arbeitgebern vereinbart wurden.

Die Tarifverhandlungen für etwa 55 000 Ärzte an rund 700 kommunalen Krankenhäusern waren Anfang April gescheitert. In einer Urabstimmung hatten daraufhin 93 Prozent der Mitglieder des Marburger Bundes für den Ausstand gestimmt. Die Gewerkschaft fordert 5 Prozent mehr Gehalt. Die Arbeitgeber hatten zuletzt 2,9 Prozent mehr Geld für 33 Monate bei höheren Vergütungen für Bereitschaftsdienste angeboten.

Der Deutsche Städtetag warnte vor den Folgen des Ärztestreiks und forderte die Gewerkschaft Marburger Bund zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Hauptgeschäftsführer Stephan Articus erklärte am Vormittag, die Streiks seien unnötig, weil ein unterschriftsreifes Angebot der Arbeitgeber mit deutlichen Gehaltserhöhungen für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern vorliege. “Ich appelliere an die Kompromissbereitschaft der Gewerkschaft. Der Tarifkonflikt darf nicht auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden.“

dpa

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