Festnahme Wolf: Tipp aus der Bevölkerung

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Zugriff auf der Reeperbahn: Die FestnahmevonThomas Wolf ging blitzschnell.

Hamburg - “Er war völlig perplex“, sagte Polizeisprecher Ralf Meyer. Spezialkräfte der Polizei hatten den 56-Jährigen am Donnerstagabend auf der Hamburger Reeperbahn aufgespürt.

Wolf, einer der meistgesuchten Schwerverbrecher Deutschlands, war mit einer Plastiktüte auf der Amüsiermeile unterwegs, als plötzlich die Handschellen klickten.

Bei dem raschen Zugriff leistete er keinerlei Widerstand, eine Waffe hatte er nicht dabei. Neun Jahre war Wolf zuvor erfolgreich auf der Flucht, unter falschem Namen soll er lange in Frankfurt gelebt haben. In den Blickpunkt rückte er zuletzt, weil er Ende März in Wiesbaden die Frau eines Bankangestellten verschleppt und 1,8 Millionen Euro Lösegeld erpresst haben soll. Für Hinweise auf ihn war eine Belohnung von 100 000 Euro ausgesetzt.

Tipp aus der Bevölkerung

Der entscheidende Tipp kam nun Anfang dieser Woche: Jemand “aus der Bevölkerung“ habe sich an die Ermittler in Hamburg gewandt, sagte Polizeisprecher Meyer am Freitag in der Hansestadt. Am Donnerstagabend hatten die Zielfahnder Erfolg - die langjährige, internationale Suche nach dem Verbrecher war vorbei. Nach seiner Festnahme wollte Wolf zunächst nicht sagen, wer er ist - das tat er erst, als die Beamten seine Identität mit Hilfe von Fingerabdrücken zweifelsfrei geklärt hatten. Um 3.15 Uhr in der Nacht zum Freitag wurde er ins Hamburger Untersuchungsgefängnis gebracht.

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Festgenommen wurde Wolf nur wenige Autominuten entfernt von dem Tatort, an dem die intensive Fahndung begann: Im April 2000 soll er eine Bank im Hamburger Stadtteil Altona überfallen und fast eine halbe Million Mark erbeutet haben. “Er hatte eine Waffe und eine Bombenattrappe dabei, mit deren Fernzündung er gedroht hat“, berichtete der Sprecher der Hamburger Staatsanwaltschaft, Wilhelm Möllers. Seitdem hätten sich die Ermittler “hartnäckig und fortlaufend“ auf die Fährte des heute 56-Jährigen begeben.

Seit neun Jahren auf der Flucht 

Auf seiner Flucht soll Wolf dem Bundeskriminalamt (BKA) zufolge in den Niederlanden und in Belgien weitere Straftaten begangen haben. Auf seiner Internetseite warnte das BKA vor der großen Gewaltbereitschaft des Gesuchten: “Vorsicht! Thomas Wolf ist bewaffnet“ hieß es unter der Rubrik “Meistgesuchte Personen“. Einen Freigang hatte Wolf zur Jahreswende 2000 zur Flucht genutzt. Zuvor saß er im Gefängnis Moers-Kapellen in Nordrhein-Westfalen unter anderem wegen Bankraubs ein. Insgesamt war er zu einer Haftstrafe von 21 Jahren verurteilt worden.

Wolf war häufig mit dem Fahrrad unterwegs

Auf den Fahndungsfotos ist ein unauffälliger, unscheinbarer Mann mit Brille zu sehen. Sportlich soll er sein, berichtet das BKA: In Frankfurt war er häufig mit dem Fahrrad unterwegs, er ging oft Schwimmen und soll Kraftsport betrieben haben.

 Die Ermittler prüfen nun, ob Wolf nach Frankfurt überstellt wird. Fahnder aus der Mainmetropole waren bereits direkt nach Wolfs Festnahme mit einem Helikopter eingeschwebt, um den 56-Jährigen zu vernehmen. Ob und was Wolf den Ermittlern sagte, wollte Polizeisprecher Meyer zunächst nicht verraten. Auch wo das Lösegeld ist, blieb unklar.

dpa

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