Vereitelter Anschlag: Spur in den Jemen erhärtet sich

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Sicherheitsbeamte überwältigen in einer Szene aus einem Video am 25.12.2009 in Detroit einen Nigerianer an Bord eines Flugzeugs der US-Gesellschaft Delta. Der vereitelte Anschlag war offenbar von langer Hand geplant.

Washington - Nach dem vereitelten Flugzeug-Attentat von Detroit mehren sich Hinweise auf ein von langer Hand im Jemen vorbereitetes Terrorkomplott unter Beteiligung ehemaliger Guantánamo- Häftlinge.

Zwei von insgesamt vermutlich vier Drahtziehern des Anschlages sollen einem US-Fernsehbericht zufolge Ex-Insassen des Gefangenenlagers auf Kuba sein. El Kaida bekannte sich zu den Anschlagsplänen und drohte außerdem mit neuer Gewalt gegen amerikanische Ziele. Präsident Barack Obama unterstrich seine Entschlossenheit, Terrorgruppen ungeachtet ihres Aufenthaltsorts ohne Zögern zerschlagen zu wollen.

Unterdessen wächst bei Union und FDP die Bereitschaft, an deutschen Flughäfen Körperscanner zur Passagierkontrolle zuzulassen. Voraussetzung sei aber, dass die Intimsphäre der Fluggäste gewahrt bleibe, erklärten Vertreter der Regierungsparteien und verwiesen auf Fortschritte bei den laufenden Tests mit den Geräten. Grüne und Linke lehnten den Einsatz von Scannern als Verstoß gegen die Menschenwürde strikt ab.

Die aus Saudi-Arabien stammenden Häftlinge Nummer 333, Muhamad Attik al-Harbi, und Nummer 372, Said Ali Shari, seien Anfang November 2007 an ihr Heimatland überstellt worden, berichtete der Fernsehsender ABC am Dienstag unter Berufung auf amerikanische Regierungsbeamte und Dokumente des US-Verteidigungsministeriums. Beide hätten später Führungsrollen im Terrornetz El Kaida im Jemen übernommen. In einem im Januar 2009 veröffentlichten Propagandavideo der Organisation seien sie mit dem mutmaßlichen Ex-Privatsekretär von Osama bin Laden, Abu Basir Naser al-Wahishi, erschienen.

In Saudi Arabien hätten sie dann zunächst an einer “Kunsttherapie zur Rehabilitierung“ teilgenommen, bevor sie auf freien Fuß gesetzt worden seien, meldete der Fernsehsender weiter. Nach einem Bericht der Zeitung “Wall Street Journal“ untersuchen US-Ermittler, ob frühere Guantánamo-Insassen aus dem Jemen und Saudi-Arabien an den Planungen für den Detroit-Anschlag beteiligt waren.

In dem Bekennerschreiben des Terrornetzes zu den Anschlagsplänen von Detroit kündigte die Organisation von Osama bin Laden weitere Anschläge an. “Ihr werdet bekommen, was ihr fürchtet“, heißt es in der Internet-Botschaft, die amerikanische Anti-Terror-Ermittler nach US-Medienberichten vom Dienstag für glaubwürdig halten. Der Botschaft des im Jemen ansässigen Regionalzweiges der Organisation “El Kaida auf der arabischen Halbinsel“ war ein Foto des aus Nigeria stammenden verhinderten Attentäters Umar Farouk Abdulmutallab beigefügt. Der 23-Jährige soll am 8. Januar im US-Staat Michigan vor Gericht erscheinen.

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In seinen ersten öffentlichen Äußerungen seit dem versuchten Anschlag drohte Obama internationalen Terrorgruppen. Seine Regierung werde nicht ruhen, bis alle an den Plänen Beteiligten zur Verantwortung gezogen seien, sagte er am Montag in seinem Urlaubsort auf Hawaii. Die USA würden “jedes Element unserer Macht als Nation“ nutzen, um Extremisten zurückzuschlagen, die die USA bedrohen - “ob sie aus Afghanistan oder Pakistan, dem Jemen oder Somalia sind, oder von wo auch immer sie Attacken auf US-Boden planen“.

Derweil wurden die Sicherheitsmaßnahmen an deutschen Flughäfen nochmals verschärft. Die Passagier- und Handgepäckkontrollen seien “zielgerichtet“ erhöht worden, erklärte das Bundesinnenministerium. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bat die Fluggäste um Verständnis für die intensiveren Kontrollen und riet ihnen, möglichst wenig Handgepäck mitzunehmen. Zugleich betonte er, es gebe keinen Anlass für unnötige Panik. Die Behörden in Kanada legten fest, dass bei Flügen in die USA bis auf weiteres kein größeres Handgepäck mehr mitgenommen werden darf.

Nach Ansicht von Experten wäre der Detroit-Attentäter mit einem Körperscanner wohl erwischt worden. Jedoch böten auch die neuartigen Ganzkörperscanner keine hundertprozentige Sicherheitsgarantie, erklärte der Betriebsdirektor des Amsterdamer Airports Schiphol, Ad Rutten, nach Angaben der Zeitung “de Volkskrant“.

Die Bundespolizei testet verschiedene Prototypen von Körperscannern seit einem Jahr unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Lübeck. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums sagte, es gebe nun eine Software, die ein Oberflächenbild erzeuge, ohne intime Details zu zeigen. Jedoch reichten die Sprengstofferkennung der Geräte und die Geschwindigkeit ihrer Kontrollen noch nicht aus. Man sei aber zuversichtlich, 2010 erste Ergebnisse präsentieren zu können.

Die Grünen und die Linkspartei lehnen die Geräte weiter ab. “Nacktscanner verletzen die intimste Privatsphäre und damit die Menschenwürde von Passagieren“, sagte die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth der “Leipziger Volkszeitung“ (Mittwoch). Auch der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, äußerte sich in der Zeitung “Die Welt“ (Mittwoch) skeptisch.

dpa

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