Vattenfall hält Krümmel für sicher

Berlin - Trotz der Pannenserie im Atomkraftwerk Krümmel hält der Betreiber Vattenfall den Reaktor für absolut sicher und will ihn so schnell wie möglich wieder in Betrieb nehmen.

Jeden Zweifel an der Zuverlässigkeit als Betreiber und die Forderung aus der Politik nach einem schnellen Abschalten aller problematischen Reaktoren wies Europachef Tuomo Hatakka am Donnerstag zurück. “Mein Fazit ist klar und deutlich: Krümmel ist sicher“, sagte Hatakka. Alle Sicherheitssysteme hätten bei der Schnellabschaltung am Samstag wie vorgesehen funktioniert, betonte auch der für Krümmel zuständige Atommanager Ernst Michael Züfle, Geschäftsführer der Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH. “Es ist genauso gelaufen, wie es laufen sollte“, sagte er. Es habe “zu keinem Zeitpunkt irgendein Risikopotenzial gegeben“.

Am Samstag hatte sich nach Züfles Darstellung das Atomkraftwerk nach einem Kurzschluss in einem Transformator automatisch abgeschaltet. Die Meldung des Zwischenfalls an die Kieler Atomaufsicht wurde nicht wie vorgesehen vom Betreiber, sondern von der Polizei abgegeben. Anschließend gab es Probleme mit der Kühlung des Kraftwerks, wie Züfle einräumte. Darüber hinaus wurde nach der Abschaltung entdeckt, dass mindestens ein Brennstab kaputt sein muss und dass der zugesagte Einbau eines Überwachungssystems schlicht versäumt wurde.

Trotzdem sagte Hatakka: “Wir haben keinen Grund, unsere Kompetenzen im Nuklearbereich in Frage zu stellen.“ Zwtl: “Kleine Teilchen im Reaktorwasser“ Um nach dem oder den kaputten Brennstäben zu fahnden, wird nach Züfles Worten am (morgigen) Freitag der Reaktordruckbehälter geöffnet. Den Schaden, der durch Überwachungssysteme“detektiert“ worden sei, erklärte Züfle mit “kleinen Teilchen im Reaktorwasser“, die die Ummantelung der Brennstäbe angreifen könnten. Das komme “sehr, sehr selten“ vor. Es handele sich aber nur um einen oder wenige von rund 80.000 Brennstäben, versicherte der Atommanager. Der Schaden habe vermutlich nichts mit dem Transformator-Kurzschluss zu tun. Wie es zu dem Kurzschluss kam, ist nach Angaben von Vattenfall noch nicht geklärt.

2007 hatte ebenfalls ein Kurzschluss in einem baugleichen zweiten Transformator das Kraftwerk vom Netz geholt. Es musste für zwei Jahre stillgelegt werden und ging erst zwei Wochen vor dem Zwischenfall wieder in Betrieb. Nun sagte Züfle: “Es ist die gleiche Schadensursache.“ Der nun defekte zweite Transformator sei während des Stillstands geprüft worden, doch habe es keine Hinweise auf Probleme gegeben. Offenbar hätten beide Transformatoren “einen gewissen Defekt, den wir nicht finden konnten“. Er soll nun ausgetauscht werden.

Wie lange der Stillstand dauern wird, wollten Züfle und Hatakka nicht prognostizieren. Warum das zusätzliche Überwachungssystem - die sogenannte Körperschallinstrumentierung - nicht eingebaut wurde, wie den Aufsichtsbehörden zugesagt worden war, konnte Züfle noch nicht erklären. Die Zusage zum Einbau sei “eine Art Freiwilligkeit“ gewesen, und es sei auch kein sicherheitsrelevantes Element. Aber Fakt sei, dass der Einbau nicht geschehen sei. Der zuständige Kraftwerksleiter sei aber bereits auf eigenen Wunsch von seinen Aufgaben entbunden worden. Zwtl: Fehler eingeräumt Hatakka räumte Fehler ein seines Konzerns ein und sagte, er habe Verständnis für die Beunruhigung in der Bevölkerung. Er bezeichnete die Vorfälle in Krümmel als “herben Rückschlag für alle Anstrengungen, die wir in den vergangenen zwei Jahren bezüglich unserer Sicherheitskultur unternommen haben“.

Vertrauen sei verloren worden und müsse nun neu verdient werden. Er benannte zur Aufklärung einen Sonderbevollmächtigten, den Vattenfall-Netzexperten Stefan Dohler. Einen Boykottaufruf von Grünen- und SPD -Politikern gegen Vattenfall bewertete Hatakka gelassen. Letztlich zähle nur Wettbewerbsfähigkeit bei Qualität und Preis.

ap

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