Schütze wohl selbst ein Schüler

Schießerei an US-Schule: Lehrer greift ein

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Sanitäter bringen einen verletzten Schüler aus der San Joaquin Valley High School im kalifornischen Taft.

Taft - Wieder eine Schießerei an einer US-Schule mit Verletzten, aber ohne Tote: Ein Lehrer hat beherzt eingegriffen und Schlimmeres verhindert. Der 16-jährige Schütze ergab sich.

Wenige Wochen nach dem Massaker von Newtown ist es erneut an einer US-Schule zu einer Schießerei gekommen. Ein 16-Jähriger kam am Donnerstag (Ortszeit) mit einer Schrotflinte in ein Klassenzimmer der Union High School in der kleinen kalifornischen Ortschaft Taft und eröffnete das Feuer auf seine Mitschüler. Einer von ihnen wurde angeschossen, er befindet sich in kritischem, aber stabilem Zustand. Zwei Schulangestellte konnten den Schützen zur Aufgabe überreden, wenige Minuten später nahm ihn die Polizei fest.

Der Täter habe angegeben, dass er von zwei Mitschülern, auf die er geschossen habe, seit mehr als einem Jahr gehänselt worden sei, sagte Sheriff Donny Youngblood am Abend. Neben dem angeschossenen Jugendlichen wurden mehrere weitere Personen verletzt. Der Klassenlehrer trug eine leichte Wunde am Kopf davon. Eine Schülerin wurde wegen eines möglichen Gehörschadens ins Krankenhaus gebracht, ein anderes Mädchen wurde bei der Flucht leicht verletzt.

Der Klassenlehrer brachte die 28 Schüler in Sicherheit, nachdem der 16-Jährige mehrere Schüsse abgegeben hatte. Gemeinsam mit einer anderen Schulangestellten verwickelte er den Jugendlichen anschließend in ein Gespräch. Der Verdächtige habe dem Lehrer gesagt, er wolle ihn nicht erschießen und dann die Person genannt, die er erschießen wollte, erklärte Polizist Youngblood. Die Waffe gehöre vermutlich dem Bruder des Schützen. Der Schütze habe die Taschen voller Munition gehabt.

Trauer und Verzweiflung nach Amoklauf von Newtown

Trauer und Verzweiflung nach Amoklauf von Newtown

Vor dem Schulgebäude waren auf Fernsehbildern zahlreiche besorgte Eltern zu sehen, die bangend auf ihren Nachwuchs warteten. „Natürlich gerät man in Panik und befürchtet das Schlimmste“, sagte die Mutter einer Viertklässlerin der Zeitung „Los Angeles Times“. Sie musste nach eigenen Worten sofort an den Amoklauf von Newtown denken. „Ich bin einfach nur froh, dass es allen hier gut geht.“

Die Ortschaft Taft liegt etwa 190 Kilometer nordwestlich der kalifornischen Metropole Los Angeles in einer ländlichen Gegend und hat knapp 10.000 Einwohner. An der betroffenen Taft Union High School werden 900 Schüler der Klassen 9 bis 12 unterrichtet. Wohl auch weil Taft so klein ist, trafen schon 60 Sekunden nach den ersten Berichten Polizisten am Ort des Geschehens ein. Örtlichen Medien zufolge wurden Klassen in benachbarten Schulen umgehend dazu angehalten, das Gebäudeinnere nicht zu verlassen.

Parallel zu dem Vorfall hielt US-Vizepräsident Joe Biden gerade in Washington eine Rede über Gewalt durch Schusswaffen in den USA. Die Debatte hatte nach dem jüngsten Massaker von Newtown wieder an Fahrt aufgenommen: Dort erschoss ein 20-Jähriger vor vier Wochen 26 Menschen in einer Grundschule, die meisten davon Kinder, und anschließend sich selbst. Der Amoklauf bewegte Präsident Barack Obama zu einer neuen Initiative gegen Schusswaffengewalt.

Biden selbst geht im Streit zwischen Befürwortern und Gegnern schärferer Waffengesetze in den USA von einem baldigen Kompromiss aus: Ein solcher könne in einem Verbot von Sturmgewehren, Schussmagazinen mit besonders vielen Patronen und strengeren Zulassungsprüfungen münden, sagte er. Am kommenden Dienstag will Biden, der sich am Mittwoch mit Opferverbänden und Waffengegnern getroffen hatte, eine Liste mit Vorschlägen an Obama aushändigen.

dapd

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