Suche nach Erdbebenopfern: Wettlauf gegen die Zeit

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Diese Frau konnte nach über 40 Stunden gerettet werden.

Padang - In einem Wettlauf gegen die Zeit haben Bergungsmannschaften am Freitag auf Sumatra nach weiteren Überlebenden des Erdbebens gesucht.

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Eine junge Frau wurde nach 40 Stunden unter den Trümmern gefunden, aber immer öfter ziehen die Bergungsmannschaften nur noch Leichen unter den Betonpfeilern und eingestürzten Wänden hervor. Die Vereinten Nationen gehen von mehr als 1100 Toten aus. Mehr als 2400 Menschen wurden nach Angaben der indonesischen Behörden verletzt, manche lebensgefährlich. Rustam Pakaya, Sprecher des Krisenzentrums im Gesundheitsministerium, sprach von etwa 3000 Vermissten. Vor allem aus den entlegeneren Regionen des Erdbebengebietes fehlte noch ein Überblick über Opfer und Schäden.

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Vor dem M.Djamil-Krankenhaus in Padang wurden immer wieder Tote in gelben Leichensäcken abgelegt. Ärzte haben davor Zelte aufgebaut, um die vielen hundert Verletzten zu versorgen. Die meisten kommen mit Knochenbrüchen, Schürfwunden und Kopfverletzungen, sagte ein Arzt. In der Klinik gab es am Freitag kein fließendes Wasser, Strom wurde mit Hilfe von Generatoren notdürftig erzeugt. “In so einer Situation muss man sich mit dem behelfen, was man hat“, sagte der Mediziner weiter.

Zu wenige Geräte

Unter den Bergungsteams, die teilweise mit bloßen Händen nach Opfern suchen, machte sich Frustration breit. Überall fehlt es an Geräten. “Wir haben nicht ausreichend Maschinen“, sagte Zul Aliman, der Chef der Bergungsteams aus West Sumatra. Manche Opfer, die eingeklemmt unter Betonplatten lagen, mussten stundenlang durch kleine Spalten mit Wasser versorgt oder mit Sauerstoffmasken am Leben gehalten werden, bis Bagger und andere Geräte die schweren Trümmer beiseite räumen konnten.

Viele Gebäude lagen noch unberührt in Trümmern, weil die wenigen Maschinen anderswo im Einsatz waren. “Wir glauben, das unser Sohn unter diesen Trümmern ist und noch lebt“, sagte Gindo, der vor den Resten eines zweistöckigen Hauses wartete. Sein Sohn müsste seinen Laden im Erdgeschoss gerade geschlossen haben, als das 7,6-Beben am Mittwochabend die Erde erschütterte.

Angst vor Nachbeben

Aus Angst vor weiteren Nachbeben haben tausende Menschen die zweite Nacht in Folge im Freien verbracht. Sie bauten sich mit Plastikplanen und Zelten notdürftige Unterstände. Viele kampierten auch im Flughafengebäude. Die Stromversorgung war in weiten Teilen von Padang noch nicht wieder hergestellt. Unter dem eingestürzten fünfstöckigen Ambacang-Hotel wurden Dutzende Verschüttete vermutet. Das Hotel hatte regelmäßig viele ausländische Gäste. Ob Touristen unter den Todesopfern sind, wusste am Freitag noch niemand.

Nördlich von Padang warteten am Freitag noch viele Dörfer auf die ersten Helfer. Reporter, die in die Ortschaft Pariman fuhren, sahen am Wegesrand kilometerweit zerstörte Häuser. Die Einwohner drängten sich unter notdürftig eingerichteten Zeltplanen zusammen. Die meisten verbringen die Nächte im Freien oder in Moscheen.

Deutschland

Vizepräsident Jusuf Kalla schätzte die Wiederaufbaukosten auf mehr als 4 Billionen Rupien (285 Millionen Euro). Bundespräsident Horst Köhler drückte dem indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono in einem Schreiben seine “tief empfundene Anteilnahme“ aus. “Deutschland ist bereit, humanitäre Hilfe zu leisten, um der betroffenen Bevölkerung so schnell wie möglich zu einem normalen Leben zurückzuhelfen“, schrieb Köhler nach Angaben des Bundespräsidialamtes in Berlin. Kanzlerin Angela Merkel hatte dem indonesischen Staatsoberhaupt bereits am Donnerstag ein Kondolenzschreiben gesandt und zwei Millionen Euro für Soforthilfe zur Verfügung gestellt.

dpa

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