Perfekte Partnerschaft durch Gentest?

New York - Von Menschen auf Partnersuche leben in weltweit Vermittlungsagenturen mit unterschiedlichen Konzepten. Unternehmen, die mit Gentests ihr Geld verdienen, entwickeln nun eine neue Geschäftsidee.

Partnervermittlung durch Auswertung von DNA-Tests. Der Gründer der Partnerschaftsagentur ScientificMatch.com, Eric Holzle, ist davon so überzeugt, dass er das direkte Vermittlungsgeschäft aufgeben und stattdesen Gentests an interessierte Agenturen verkaufen will.

Die schweizerische Firma GenePartners arbeitet bereits nach diesem Modell. Nach Angaben ihrer Forschungsleiterin Tamara Brown machten bisher mehr als 1.000 Personen den Gentest, darunter aus Neugier auch einige verheiratete Paare. Der GenePartner-Test kostet 99 Dollar (67 Euro). Die Dating-Website sense2love.com will ihn bei ihrem Neustart im kommenden Monat anbieten.

Holzle und GenePartner behaupten, mit Gentests Menschen zusammen bringen zu können, die biologisch besser zusammenpassen. Das würde sich in besserem Sex, längeren Liebesbeziehungen, weniger Betrügereien und vielleicht sogar gesünderen Kindern niederschlagen. “Wie viele (Partnerschafts-) Dienste können schon versprechen, dass Sie bessere Kinder haben können?“ fragt Holzle. Über die Kundenzahl seiner vor zwei Jahren gegründeten Agentur schweigt er sich aus. Wenn er sie wegen der Umstellung des Geschäftsmodells auflöse, werde er den Mitgliedern aber die 1.995,95 Dollar für lebenslange Mitgliedschaft teilweise erstatten, sagt er.

Gegensätze ziehen sich an

Die Partnersuche per Gentest beruht auf der Idee, dass Menschen sich vor allem dann zu jemandem hingezogen fühlen, wenn dessen Gene für das Immunsystem sich sehr von ihrem eigenen unterscheiden. Biologen sagen, dass die HLA-Gene des Immunsystems auch “Fingerabdrücke“ des Körpergeruchs bestimmen. Menschen mit unterschiedlichen HLA-Genen fänden sich attraktiv.

So hat der Schweizer Biologe Claus Wedekind in einer Studie festgestellt, dass Frauen, die keine hormonelle Verhütungsmittel nehmen, den natürlichen Geruch von Männern bevorzugen, der sich am meisten von ihrem eigenen unterscheidet. Daraus soll man aber nicht zuviel folgern, sagen andere Experten.

Der Direktor der Genetischen Abteilung der Klinik von Cleveland, Rocio Moran, nennt die Idee einer Partnerschaftsvermittlung per Gentest lächerlich. Der Vorgang sei zu komplex, um ihn auf Grundlage von ein paar Genen zu entscheiden. “Das ist Geldmacherei“, sagt der Arzt. “Als wenn es so wäre, dass das, was genetisch ist, richtige Wissenschaft sein muss.“ Psychologieprofessor Patrick Markey von der Privatuniversität Villanova in Pennsylvania sagt, eine Untersuchung zufällig ausgewählter Ehepaare habe ergeben, dass sich ihr Immunsystem nicht so sehr unterscheide. Hunderte von Studien hätten gezeigt, dass Persönlichkeit und Aussehen eine wichtige Rolle spielten.

Gene sind nur ein Teil des Puzzles

Die Anthropologin Helen Fischer geht noch weiter ins Detail. Faktoren wie etwa der Umstand, ob jemand rauche, dick sei oder Kinder wolle, überstimmten oft die biologische Kompatibilität, sagt die Autorin des Buchs “Why him? Why her?“ (“Warum er? Warum sie?“). Die Gene seien nur ein Teil des Puzzles. Die Verhaltensforscherin Rachel Herz empfiehlt statt des Austauschs von Gen-Abstrichen den Tausch von T-Shirts. “Von allen körperlichen Faktoren - etwa dem Aussehen und gesellschaftlicher Stellung - ist der Geruch eines Mannes wichtiger als alles andere“, sagt die Autorin des Buchs “The Scent of Desire“ (“Der Geruch des Verlangens“), die über Geruchssinn und menschliches Verhalten an der Universität Brown in Providence lehrt.

Holzle konnte keine besondere Erfolgsgeschichte für sein Konzept vorweisen. Er begründete das mit dem Schutz der Privatsphäre, den sein Unternehmen sehr ernst nehme. Wer sich bei ScientificMatch.com einschreibt, bekommt danach per Post ein Paket mit Material für einen Hautabstrich. Der Abstrich muss an ein Labor geschickt werden. Das Ergebnis wird mit Informationen aus einem Persönlichkeitstest verglichen. Partner werden aufgrund der DNA, nach dem Testergebnis und den vom Suchenden genannten Vorlieben ausgesucht. Interessierte Vermittlungsagenturen gibt es.

Anju Rupal, Gründerin des in der Schweiz ansässigen Dienstes sense2love.com für englischsprachige Partnersuchende, will den Gentest zusätzlich zu ihren etablierten Dienstleistungen anbieten. Ihr gehe es darum, die Zahl der Enttäuschten zu minimieren. “Eine Frau will sich verabreden, sich niederlassen und Kinder haben“, erklärt sie. “Die Kerle wollen keine Zeit verlieren. Unser Ziel ist, den geeignetesten Partner in der kürzesten Zeit zu finden.“

ap

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