Letzter Tag seines Pontifikats

Papst entschwebt mit Helikopter in Ruhestand

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Der Papst auf dem Weg in den Ruhestand: Mit einem Hubschrauber flog Papst Benedikt XVI. am Donnerstag vom Vatikan am Petersdom vorbei über Rom zum Castel Gandolfo.

Rom - Es war ein emotionaler Abschied: Nach seinen letzten Worten als Papst ist Benedikt XVI. am Donnerstagabend aus dem Amt geschieden. Für die katholische Kirche und eine Milliarde Katholiken weltweit ist es ein historischer Einschnitt.

Benedikt XVI. ist nicht mehr Papst. Nach acht Jahren an der Spitze der römisch-katholischen Kirche beendete der 85-Jährige am Donnerstagabend wie angekündigt freiwillig sein Pontifikat. Kurz nach 20 Uhr schlossen sich symbolisch die Tore seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo südlich von Rom, in der Benedikt die nächsten Wochen verbringen will.

Der Deutsche ist damit seit sechs Jahrhunderten der erste Papst, der bereits vor dem Tod aus dem Amt scheidet. Der Heilige Stuhl ist nun verwaist, bis das Konklave der Kardinäle in einigen Tagen ein neues Oberhaupt für die rund eine Milliarde Katholiken weltweit bestimmt. Die Kardinäle werden wahrscheinlich am Montag entscheiden, wann die Wahl beginnt.

Benedikt hatte seinen Rückzug am 11. Februar angekündigt und dies mit seinem fortgeschrittenen Alter begründet. Ihm fehle die Kraft, das Amt auszufüllen. Sein Pontifikat war unter anderem geprägt durch den Missbrauchsskandal der katholischen Kirche und die Auseinandersetzung über die Öffnung der katholischen Lehre. Für die Kirche gilt sein freiwilliger Rückzug als historischer Schritt - und womöglich auch als wegweisend für künftige Päpste.

Am späten Nachmittag seines letzten Tags im Amt hatte sich Benedikt aus dem Vatikan verabschiedet und war mit dem Hubschrauber nach Castel Gandolfo geflogen. Dort bejubelte ihn noch einmal eine Menschenmenge. Benedikt sprach seinen letzten Gruß als Papst. Er beginne nun die letzte Wegstrecke seines Lebens als „einfacher Pilgerer“, sagte er.

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Bei seinem letzten Treffen mit Kardinälen sagte der scheidende Papst seinem Nachfolger „bedingungslose Ehrerbietung und Gehorsam“ zu. Damit versuchte Benedikt offenbar, Befürchtungen eines drohenden Konflikts zu zerstreuen, wenn im Vatikan ein amtierender und ein emeritierter Papst leben.

Er sagte auch, er werde für die Kardinäle beten, wenn sie über seinen Nachfolger entscheiden. Zudem rief er die Würdenträger zur Zusammenarbeit auf. Das Kardinalskollegium solle zu einer Art Orchester werden, wo “Übereinkunft und Harmonie“ vorherrschen. „Unter euch ist auch der künftige Papst“, sagte Benedikt in der unerwarteten Ansprache in der Sala Clementina des Apostolischen Palastes.

Am Mittwoch hatte er sich bereits in einer Generalaudienz von rund 150 000 Menschen auf dem Petersplatz verabschiedet.

Benedikt will nach seinem Aufenthalt in Castel Gandolfo südlich von Rom seinen Lebensabend als Papst emeritus zurückgezogen im Vatikan verbringen. Mit seinem Ausscheiden aus dem Amt endet auch der Dienst der Schweizer Garde für ihn, denn sie steht nur dem Papst zur Verfügung.

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Benedikts letzte Worte an die Gläubigen

Papst Benedikt XVI. hat sich am Donnerstag in Castel Gandolfo ein letztes Mal vor seinem Rücktritt an die Gläubigen gewandt. Er sagte ihnen, mehrfach von Beifall unterbrochen:

„Ich danke Euch. Liebe Freunde, ich bin glücklich, hier mit Euch zu sein, umgeben von der Schönheit der Schöpfung und von Eurer Zuneigung, die mir sehr gut tut. Ihr wisst, dass dieser Tag heute für mich anders ist als die vorangegangenen Tage: Ich bin nicht mehr der Papst der katholischen Kirche - bis 0800 Uhr werde ich es noch sein, aber danach nicht mehr.

Ich bin einfach noch ein Pilger, der die letzte Etappe seiner Pilgerreise auf dieser Erde beginnt. Ich möchte aber noch mit meinem Herzen, mit meiner Liebe, mit meinem Gebet, mit meinem Nachdenken, mit all meinen inneren Kräften für das öffentliche Wohl, für das Wohl der Kirche und der Menschheit arbeiten.

Und ich fühle mich sehr unterstützt durch eure Zuneigung. Gehen wir voran mit dem Herrn, für das Wohl der Kirche und der Welt. Danke, ich erteile Euch jetzt von ganzem Herzen meinen Segen. Gott der Herr segne Euch, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Danke, gute Nacht, danke Euch allen.“

AP/dpa

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