Erdbeben in Italien

Wettlauf gegen die Zeit

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Feuerwehrmänner in L'Aquila.

Rom - In der Erdbebenregion in den Abruzzen haben die Retter 100 Überlebende aus den Trümmern gezogen. 15 Menschen werden noch vermisst.  Die Zahl der Toten ist nach Angaben des italienischen Ministerpräsidenten auf 207 gestiegen.

Die Helfer hatten die ganze Nacht hindurch mit Hilfe starker Scheinwerfer die Schuttmassen durchsucht. Die Zahl der Toten ist nach Angaben des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi am Dienstag auf 207 gestiegen. 15 Menschen würden noch vermisst, teilte er mit.

Berlusconi erklärte, die Rettungsbemühungen sollten noch 48 Stunden fortgesetzt werden. Die Rettungskräfte hatten den ganzen Tag fieberhaft nach Verschütteten gesucht. So gab es inmitten von Schock und Trauer auch gute Nachrichten: Bis Dienstagmorgen konnten die Retter in der Erdbebenregion in den Abruzzen 100 Überlebende aus den Trümmern eingestürzter Häuser ziehen.

Auch an anderen Stellen waren die Retter erfolgreich: So konnten eine 21-jährige Frau und ein 22-jähriger Mann aus den Trümmern eines fünfstöckigen Wohnhauses gezogen werden.

Die Arbeiten wurden immer wieder unterbrochen, um mögliche Lebenszeichen aus zerstörten Gebäuden nicht zu überhören.

Die Bilder der Katastrophe

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Mindestens 50.000 Bewohner der Provinzhauptstadt L'Aquila und umliegender Orte sind obdachlos.

Viele von ihnen verbrachten die Nacht in Notunterkünften. Am Morgen gab es vor den Kaffee-Ausgabestellen lange Warteschlangen. Zudem gab es am frühen Dienstag mehrere Nachbeben.

Nach offiziellen Angaben wurden bei dem Beben 10.000 bis 15.000 Gebäude beschädigt oder zerstört. Betroffen waren auch moderne Wohnblocks. Im historischen Stadtkern von L'Aquila stürzten nach Angaben des Kulturministeriums die Außenwand einer Kirche aus dem 13. Jahrhundert sowie der Glockenturm einer Renaissance-Kirche ein. Auch die Kathedrale und das Schloss wurden beschädigt.

Ministerpräsident Silvio Berlusconi rief den Notstand aus und sagte eine geplante Reise nach Moskau ab, um ins Katastrophengebiet zu fahren. Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt sendeten Beileidsbekundungen nach Italien, darunter Kanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama.

Ortschaft Onna dem Erdboden gleich

Betroffen sind 26 Ortschaften rund um L'Aquila. So wurde die Ortschaft Onna praktisch dem Erdboden gleich gemacht. 38 von 300 Bewohner kamen nach Angaben der Rettungskräfte bei dem Beben ums Leben. Am Dienstag versuchten die Einsatzkräfte noch immer, zu einigen schwer zugänglichen Weilern zu gelangen.

Das Hauptbeben hatte laut italienischen Geologen eine Stärke von 5,8, amerikanische Seismologen registrierten sogar eine Magnitude von 6,3. Der Erdstoß riss die Menschen am Montagmorgen um 03.32 Uhr aus dem Schlaf.

Die Erschütterungen waren im rund 100 Kilometer südwestlich gelegenen Rom noch zu spüren. Dort wurden neue Risse in den Ruinen der Caracalla-Thermen aus dem dritten Jahrhunderte registriert.

Das Beben war das schwerste in Italien seit fast 30 Jahren. Am 23. November 1980 wurden bei einem Erdstoß der Stärke 6,9 im Süden des Landes rund 3.000 Menschen in den Tod gerissen. Zuletzt wurde Italien am 31. Oktober 2002 von einem heftigen Beben heimgesucht. Bei dem Erdstoß der Stärke 5,4 wurden 28 Menschen in der Region Molise getötet. 27 von ihnen waren Kinder, deren Schule einstürzte.

AP

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