Nach Tsunami gerettetes Baby geht es gut

+
Dieses Bild ging nach dem Tsunami in Japan um die Welt

Ishinomaki/Japan - Es ist ein Foto, das um die Welt ging: Ein japanischer Soldat hält lächelnd einen nach dem Tsunami geretteten winzigen Säugling, der in eine flauschige rosa Decke gewickelt ist.

Inmitten des Leids nach dem Erdbeben und dem Tsunami am 11. März strahlte das Foto Hoffnung aus. Mittlerweile lebt die fünf Monate alte Iroha Ishikawa gesund und sicher mit ihren Eltern in einer Grundschule in der Stadt Ishinomaki, 320 Kilometer nordöstlich von Tokio.

“Ich bin glücklich, dass wir gerettet wurden. Aber es ist auch sehr traurig, viele Familien haben es nicht geschafft“, sagt die Mutter Yuki Ishikawa der Nachrichtenagentur AP.

Die 41-Jährige erzählt, wie sie die Katastrophe erlebt hat. Zum Zeitpunkt des Erdbebens war sie mit ihrer Tochter zu Hause. Sie begann sofort damit, das Auto zu beladen, um zu fliehen. Als ihr Mann Takatoshi zu Hause ankam, hörten sie bereits das Tosen der herannahenden Tsunamiwelle, die sich ihren Weg durch die Stadt bahnte. Mutter Yuki ergriff Ihora und eine Babytasche und rannte.

Die Familie rettete sich ins Obergeschoss eines benachbarten Gebäudes. Gemeinsam mit einem in dem Haus lebenden Paar erwarteten sie die Welle. Nur Minuten später brachen die Wassermassen sich ihren Weg durch das Erdgeschoss. “Wir sahen, wie alles möglich mitgerissen wurde - Trümmer, Autos und ehrlich gesagt auch Körper“, berichtet die Mutter. “Wir harrten dort zwei Tage lang aus.“ Das Einzige, was sie zu Essen oder zu Trinken hatten, war der Inhalt der Babytasche: zwei Kannen Milch, drei Babyflaschen.

Diese Fotos werden wir nie vergessen

Ein Jahr nach dem Beben: Diese Fotos werden wir nie vergessen

Zwei Tage nach der Katastrophe zog sich das Wasser wieder zurück und den Männern gelang es, etwas zu Essen aufzutreiben. Schließlich wurde die Fünfergruppe von Soldaten entdeckt. Sie wurden aufgefordert, sich in eine Notunterkunft in der Nähe der Küste zu begeben. Das lehnten sie ab. Kurz darauf erschütterte ein starkes Nachbeben erneut die Erde. Wieder versuchte jeder, sich so schnell wie möglich in Sicherheit zu bringen.

Tags darauf kamen die Soldaten zurück. “Die Tür des Hauses war von Autos und anderen Trümmern blockiert. Deshalb mussten wir durchs Fenster raus. Die Soldaten halfen uns. Dabei wurde das Foto aufgenommen“, sagt Mutter Yuki.

Seitdem leben die Ishikawas in einer Grundschule. Vater Takatoshi ist so damit beschäftigt, beschädigte Rohrleitungen zu reparieren, dass sie kaum Zeit haben, ihr eigenes Haus zu säubern. Sie könne noch nicht weit in die Zukunft planen, sagt Yuki Ishikawa. Aber sie hoffe, dass sie bald eine andere Unterkunft finden, mit mehr Privatsphäre.

Das Foto ihrer Tochter sei so ein positives Bild, dass es einen Teil der Tragödie verdecke, sagt die Mutter. Sie selbst betrachte das Bild eher emotionslos. “Ich will nur, dass die Menschen erfahren, was hier wirklich passiert ist“, sagt sie.

dapd

Kommentare