ISAF-Kommandeur mit düsterer Warnung

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Der ISAF-Kommandeur in Afghanistan stellt eine düstere Prognose.

Kabul/Washington - Der oberste NATO -Kommandeur in Afghanistan , US-General Stanley McChrystal , hat eine deutliche Aufstockung der Truppen gefordert, um ein Scheitern des Einsatzes zu verhindern.

Sollte in den nächsten zwölf Monaten keine Trendumkehr erreicht werden, riskiere man “ein Ergebnis, bei dem ein Sieg über den Aufstand nicht länger möglich ist“, heißt es in einer am Montag von der “Washington Post“ in weiten Teilen veröffentlichten Lageeinschätzung McChrystals für US-Verteidigungsminister Robert Gates. “Unzureichende Kräfte werden vermutlich zu einem Scheitern führen“, schreibt der General.

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Auf kurze Sicht sei es realistisch zu erwarten, dass die Zahl der Opfer unter den afghanischen und den internationalen Sicherheitskräften ansteigen werde, warnt der Kommandeur der Internationalen Schutztruppe ISAF und der US-Truppen in Afghanistan . “Dies ist eine wichtige - und vermutlich entscheidende - Periode dieses Krieges.“ Die ISAF-Truppen müssten verstärkt werden, da die afghanischen Sicherheitskräfte (ANSF) noch nicht in der Lage seien, den Kampf anzuführen. “Der Status quo wird zu einer Niederlage führen, wenn wir darauf warten, dass die ANSF wachsen.“

Mehr afghanische Polizisten

In dem Anschreiben McChrystals an Gates heißt es, zu den notwendigen Ressourcen werde zu einem späteren Zeitpunkt Stellung genommen. Neben einer Stärkung der ISAF spricht sich McChrystal für einen schnelleren Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte aus, deren Zahl auf insgesamt 400.000 Soldaten und Polizisten ansteigen sollte - und damit deutlich stärker als bisher geplant. Weit verbreitete Korruption, Machtmissbrauch durch Regierungsvertreter, aber auch Fehler der ISAF “haben den Afghanen wenig Grund gegeben, ihre Regierung zu unterstützen“.

Trotz aller Anstrengungen der afghanischen Regierung und der ISAF “haben die Aufständischen derzeit die Initiative“. Der US-General warnt: “Die Lage in Afghanistan ist ernst; weder Erfolg noch Scheitern können als Selbstverständlichkeit angenommen werden.“ Zur ISAF meint der im Juni angetretene Kommandeur, die Truppe sei zu sehr mit dem Schutz der eigenen Soldaten beschäftigt. “Wir haben in einer Art und Weise operiert, die uns - physisch und psychologisch - von den Menschen entfernt hat, die wir beschützen wollen. Zusätzlich riskieren wir eine strategische Niederlage, indem wir taktische Siege verfolgen, die zu zivilen Opfer oder unnötigem Kollateralschaden führen.“

dpa

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