Greenpeace verteilt gefakte „Herald Tribune“

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Greenpeace hat am Rande des EU-Gipfels in Brüssel eine gefälschte „International Herald Tribune“ verteilt, um auf den Klimaschutz aufmerksam zu machen.

Brüssel - Um auf den dringend notwendigen Klimaschutz aufmerksam zu machen, hat Greenpeace die „International Herald Tribune“ gefälscht und in Brüssel beim EU-Gipfel verteilt.

Mit einer täuschend echt nachgemachten Ausgabe der in Paris erscheinenden Zeitung “International Herald Tribune“ (hier auf italienisch) hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace am Donnerstag die Staats- und Regierungschefs der EU vor einer Klimakatastrophe gewarnt.

Donnerstagmorgen: Greenpeace verteilt „International Herald Tribune.

Das Blatt mit dem Erscheinungsdatum 19. Dezember 2009 berichtet über einen “historischen Deal zum Schutz des Klimas“, auf den sich die Klimakonferenz in Kopenhagen geeinigt habe. Die Greenpeace-Ausgabe der englischsprachigen Zeitung wurde wenige Stunden vor Beginn des EU-Gipfels in der Umgebung des Tagungsortes verteilt.

Bei dem Treffen in Brüssel wollen die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Staaten auch über die Verringerung des Ausstoßes von Kohlendioxid beraten. Die „Sonderausgabe“ berichtet über starke Kursanstiege an den internationalen Börsen nach der Klima-Einigung. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, tatsächlich ein Befürworter der Atomenergie, habe überraschend die Kernkraft für “tot“ erklärt. Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi sei bei der Rückkehr vom Kopenhagen-Gipfel nach einer überragenden Rede wegen des Einatmens von Konfetti und “leichteren Umarmungsverletzungen“ ins Krankenhaus gebracht worden.

„Was Berlusconi sagt, macht Sinn“

Sarkozy habe die Staats- und Regierungschefs geschockt, als er plötzlich gesagt habe: “Was Berlusconi sagt, macht Sinn.“ Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid erklärte, Sinn der Zeitung sei es zu zeigen, “was möglich ist, wenn Europa eine aktive Vorreiterrolle einnimmt“. Sie solle Ansporn für eine echte Führungsverantwortung für den Klimaschutz sein, sagte Smid. Derzeit hülle sich die EU in Sachen Klimapolitik in Schweigen und habe sich von anderen Industriestaaten, insbesondere den USA beim Klimaschutz regelrecht ausbremsen lassen.

“Wir fordern von Frau Merkel und Sarkozy sowie den anderen Staatschefs finanzielle Zusagen für internationalen Klimaschutz“, sagte der Greenpeace-Experte. In mehreren Artikeln weist das nachgemachte Blatt auf die Notwendigkeit raschen Handelns in der EU gegen die Klimakatastrophe hin. In einem “Interview“ mit dem tschechischen Präsidenten Vaclav Klaus wird dieser allerdings als uneinsichtig dargestellt: “Wir sollten doch logisch sein: Da es keinen Klimawandel gibt, steigt der Meeresspiegel nicht an und es werden auch keine Inseln überschwemmt. (...) Außerdem ist Wassertreten gut für den Kreislauf.“

Gefakte Zeitungen sind als Instrument beliebt

Nachgemachte Ausgaben von Zeitungen haben in den vergangenen Monaten schon öfter für Aufsehen gesorgt: Im November 2008 verkündete eine gefälschte Ausgabe der “New York Times“ das Ende des Irak- Krieges und die Schließung des Gefangenenlagers Guantánamo auf Kuba.

Als Herausgeber des 14-seitigen Blattes outete sich die Aktivisten- und Aktionskünstlergruppe “The Yes Men“. Die haben auch schon die Website der Welthandelsorganisation gefälscht.

Erst im März wurde die Wochenzeitung “Die Zeit“ von dem globalisierungskritischen Netzwerk Attac nachgemacht. 150 000 Exemplare meldeten, Klimasünder würden zur Kasse gebeten, Opel sei in der Hand der Belegschaft und viele Banken seien verstaatlicht.

dpa

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